-essentials of insight meditation practice-

die praxis der einsichtsmeditation

C. Schwierige Situationen auf dem Weg
In den letzten paar Jahren haben eine große Anzahl an Malaien mit Einsichtsmeditation  angefangen.  Von  dem  erhaltenen  Feedback  könnten  wir eine Liste der entstandenen Probleme erstellen. Wir werden sie hier jedoch etwas allgemeiner behandeln.

Weshalb entstehen Probleme?
Achtsamkeit ist Bewusstheit der Dinge so wie sie sind. Wenn wir achtsam sind, ist unser Geist sehr wachsam auf die uns umgebenden Situationen - ob das nun profitabel ist oder nicht - und handelt entsprechend.
Die Praxis der vipassanā bhāvanā handelt vom anstrengenden Einüben und  ununterbrochener  Achtsamkeit  auf  jeden  körperlichen  und  geistigen Prozess,  der  sich  in  jedem  Moment  neu  ereignet.  Diese  konzentrierte Bewusstheit, wenn sie ausreichend kraftvoll und richtig ausgerichtet ist, ist in der Lage den dicken Schleier des Wahns zu durchdringen und einen von den Befleckungen und dem Leiden zu befreien.
Wenn dem so ist, wie - mögen einige Meditierende fragen -können dann Komplikationen entstehen? Die Antwort ist einfach. Sie sind nicht achtsam, obwohl  sie  es  versuchten.  Achtsamkeit  ist  überall  hilfreich.“  Ohne  Achtsamkeit treten allerdings Probleme auf.

Ich klassifiziere die Probleme, wie sie beim Meditierenden gewöhnlich erscheinen:

1. Der Konflikt von Begierde und Wertschätzung
2. Furcht
3. Mangel

Konflikte
Der  häufigste  Konflikt  ist  der  zwischen  materiellen  und  spirituellen Ambitionen. Schon der dhammapada sagt:
„Ein Weg in der Tat erreicht weltliche Ziele - Ein Weg in der Tat führt zum nibbāna.“

Ich denke, dass die meisten Buddhisten wissen, dass spirituelles Glück besser  und  dem  weltlichen  Glück  überlegen  ist.  Es  ist  spirituelles  Glück, das am Ende wirklich zählt. Aber es ist auch schnell einsehbar, dass spirituelles Glück wesentlich schwieriger zu erhalten ist als materieller Besitz.
Da unsere Wogen des Verlangens noch sehr stark sind und unser Wissen meist noch oberflächlich ist, werden die meisten von uns, wenn nicht alle, während ihres sterblichen Lebens als Hausleute verbleiben. Einige werden sich anstrengen beides zu erreichen, sowohl ihre spirituellen als auch ihre weltlichen Ambitionen und fühlen sich zerrissen. Andere versuchen eines von beiden zu ignorieren, aber das hilft auch nicht das Problem zu lösen.
Zu Recht sollte ein Buddhist in seinem ganzen Leben das spirituelle Ziel im Auge behalten, damit sein Leben eine spirituelle Beimengung hat, um sich und andere über die weltlichen Probleme zur überweltlichen Befreiung  zu erheben. Wenn man die Kultivierung seiner eigenen innersten Freiheit ignoriert, wird man in erbärmlichen Bedingungen enden.

Im abhidhamma wird erklärt, dass nach dem Auftauchen aus dem Gedankenprozess von Pfad und Frucht (d.h. Erleuchtung) Folgendes passiert:
Das  Nibbāna-Objekt  wird  mittels  eines  Geisttorprozesses in ein Bewusstsein  der  Sinnessphäre  übertragen,  das  von  Wissen  (pañña)  begleitet  wird und das die aktive Phase (javana) durchläuft. Das bedeutet, dass man klar um das unbedingte Element, die absolute Wahrheit, die friedvolle Glückseligkeit weiß und sie mit dem Geist wahrnimmt. Mit diesem Bild hat man für immer Folgendes aufgegeben:

•  Die falsche Sicht eines Selbst (sakkāya di))hi)
•  Zweifel betreffend der drei Kleinodien (vicikicchā)
•  Das Annehmen von anderen Praktiken als den edlen achtfachen Pfad um aus dem samsara zu entkommen (sīlabhata parāmāsa)
•  Sinnesbegehren,  das  zu  den  jammervollen  Zuständen  führt (apayagamaniya kāmaraga)
•  Übelwollen,  das  zu  den  jammervollen  Zuständen  führt (apayagamaniya patigha)

In  den  Kommentaren  wird  erwähnt,  das  auch  Geiz  (macchariya)  und Neid (issā) aufgegeben wird. Es wird gesagt, dass man unerschütterliches Vertrauen in die drei Kleinodien besitzt und nie wieder die fünf Sittenregeln überschreiten kann.

In den Schriften wurde es oft so ausgedrückt:

„Wunderbar  Ehrwürdiger  Gotama,  wunderbar  Ehrwürdiger Gotama,!
Gerade  wie,  o  Herr,  Umgestürztes  aufgerichtet,  Verborgenes  enthüllt
worden wäre, als wenn man einem Verirrten den Weg weisen oder in die
Dunkelheit eine Öllampe bringen würde - wer Augen hat, wird sehen -
ebenso  hat  der  Erhabene  auf  mancherlei  Art  die  Lehre  erläutert.  Ich
nehme, o Herr, zum Erhabenen und zur Lehre und zur Mönchsgemeinde
meine Zuflucht. Der Erhabene möge mich als einen Laienanhänger be-
trachten, der von heute an zeitlebens Zuflucht zu ihm genommen hat.“

Wenn dies tatsächlich passiert, wird der dhamma bis zum vollständigen Aufhören der Daseinsgruppen in einem weiterleben.

Es ist vielleicht besser zu fragen: „Gibt es eine absolute Wahrheit?“


Die Frage kann weiter verfeinert werden zu: „Gibt es das, was sich nicht verändert?“

In den meisten Fällen ist es vielleicht besser edle Stille einzuhalten.
Doch dann, was ist die Motivation?  

„Ist nicht das Leiden genug Motivation?“ ist eine Gegenfrage. „Warum dann aber nicht andere Wege, andere Methoden?“

Eine  Antwort  wird im kalama sutta gegeben, wo einem geraten wird, nicht  bloß  wegen  des  Hörensagens  und  der  Gerüchte,  wegen  der  Traditionen und der heiligen Schriften etc. zu glauben.
Wenn  man  praktiziert,  entsteht  Glauben.  Deshalb  wird  die  beste Antwort vielleicht sein: „Wenn ihr genug praktiziert, werden sich die Dinge klären.“
Sehr oft bekam ich diese Antwort von meinem Lehrer auf viele meiner Fragen und es ist auch eine Antwort, die ich jetzt oft passend finde um sie anderen zu geben.
Das bedeutet jedoch nicht, dass, wenn man ein erhabenes Ziel wie das Erreichen des nibbanās hat, man ohne Mangel sein muss, allem weltlichen Glück oder den Besitztümern entsagen muss. Das Erreichen des nibbanās ist das letztendliche Ziel aller Buddhisten, aber wir müssen unsere Mängel anerkennen.  Man  wird  deshalb  zweitrangige  Ziele  haben,  die  definieren, wie viel man sich für die Spiritualität oder für die materiellen Entsagung anstrengen  wird.  Zum  Beispiel  müssen  wir  die  Art  der  Berufswahl  bedenken. Was es auch immer für eine Wahl sein mag, lasst sie fest, edel (bedenkt im Geist die spirituelle Relevanz), realistisch (bedenkt die reale Situation – die Umgebung – das Gute und das Böse), und flexibel (d.h. an die sich schnell ändernde Welt adaptierbar) sein. Wenn die Entscheidung getroffen wurde, sollte sich der Konflikt legen oder zumindest nur noch sehr klein sein.
Mögen  die  Bewegungen  eurer  zweitrangigen  Ziele  stetig  in  Richtung des einen Zieles fortschreiten.
Einige  fürchten  vipassanā-bhāvanā  zu  praktizieren,  da  sie  dann  den Pfad erreichen könnten. Das bedeutet, dass sie nicht länger in der Lage sind ihr  Bodhisatta-Versprechen  (ein  samma  sambuddha  zu  werden)  einzuhalten. Tatsächlich muss man nichts Derartiges befürchten, da, wenn man ernsthaft versprochen hat ein bodhisatta zu werden, es unwahrscheinlich ist, dass  man  die  überweltlichen  Stadien  während  der  Meditation  erreicht.
Jedoch kann man diese Ambition ruhig aufgeben und sich für Arahatschaft entscheiden, wenn man die Schwelle des Pfades erreicht. Beide Pfade sind sehr edel, einer ist pragmatisch, der andere idealistisch.

Furcht
a) Furcht vor dem Unbekanntem
Dies schließt die Furcht verrückt zu werden mit ein. Als Resultat dieser Furcht hören einige Leute auf zu meditieren, deswegen bleiben sie in ihrem Meditationsfortschritt stehen. Das ist auf keinen Fall eine grundlose Furcht. Leute könne aus verschiedenen Gründen „explodieren.“ Wir werden sie in zwei Kategorien packen. Abnorme Verhaltenstendenzen und falsche Praxis.  

i. Abnorme Verhaltenstendenzen
Tief  in  unserem  Geist  liegen  latente  versteckte  Tendenzen  und  zwar gute  wie  schlechte,  die  vielleicht  nicht  nur  in  diesem  Leben  akkumuliert wurden,  sondern  auch  aus  vorherigen.  Es  ist  nicht  ungewöhnlich,  wenn solche sehr starken Tendenzen während eines Meditationskurses in einem auftauchen.  Wenn  ihr  sie  nicht  führen  könnt,  werden  sie  euch  führen.  In einigen  von  uns  (glücklicherweise  nur  wenigen)  ist  die  Tendenz  zusammenzubrechen stärker als bei anderen. Dies tritt bei Leuten mit starken Neurosen auf, während es sich bei anderen um genetische Faktoren handelt.
Wenn das bei euch so ist, solltet ihr extrem vorsichtig mit eurer Meditation umgehen.  Intensive  Retreats  besonders  ohne  Leitung  sind  nicht  empfehlenswert. Es ist deshalb ratsam eure weltlichen Probleme - so gut ihr könnt - vor  der  Meditation  zu  behandeln.  Es  disqualifiziert  einen  nicht  wirklich davon vipassanā zu praktizieren. Es muss nur unter ständiger Beaufsichtigung durch einen erfahrenen Lehrer stattfinden. Man sollte eine Beratung aufsuchen, den Lehrer informieren und ihn von den Problemen oder vorherigen Zusammenbrüchen berichten, wenn es solche gibt.

ii Falsche Praxis
Was hier gemeint ist, ist falsche Konzentration im Vergleich zu rechter Konzentration.  Der  Unterschied  ist  die  An-  oder  Abwesenheit  von  Achtsamkeit. Wenn Achtsamkeit abwesend ist, ist der Geist unheilsam und so werdet ihr damit enden, dass die Konzentration eure Begierde, euren Zorn und euren Wahn erhöht. Das bedeutet, dass, wenn ihr ärgerlich seid, euer Ärger noch viel stärker ist. Genauso ist es auch, wenn ihr gierig oder im Wahne seid. Ein solcher Geist ist nicht sehr von dem eines Verrückten verschieden und es wird noch schlimmer, wenn der Meditierende mit falscher Konzentration weitermeditiert. Was lief falsch?

- Es mag sein, dass der Meditierend mit den falschen Motiven begonnen hat.  Leute  meditieren  aus  verschiedenen  Gründen.  Wenn  eure  Motive egoistisch  sind,  werdet  ihr  sehr  wahrscheinlich  noch  egoistischer  und verblendeter enden. Das Ziel von vipassanā ist, die Befleckungen (Gier, Hass und Verblendung) durch konstante und ununterbrochene Achtsamkeit auf die körperlichen und geistigen Prozesse aufzugeben. Wenn ihr meditiert,  um  Millionäre  zu  werden,  um  mit  unsichtbaren  Wesen  zu sprechen oder die Gedanken anderer Leute zu lesen, empfehle ich euch, dass ihr mit dem Meditieren aufhört.

- Die Einstellung ist ein anderer wichtiger zu beachtender Faktor. Viele Leute in dieser zielorientierten Welt hängen dermaßen daran sich Ziele zu  setzen,  dass  sie  schrecklich  frustriert  sind,  wenn  Dinge  nicht  so laufen,  wie  sie  sich  das  vorgestellt  haben.  Das  Ergebnis  ist,  dass  sie entweder zusammenbrechen und heulen oder sie versuchen sich selbst und  andere  davon  zu  überzeugen,  dass  sie  das,  was  sie  nicht  haben, haben. Es gibt eine oft gestellte Frage von Meditierenden: Wie können wie erkennen, dass wir verrückt werden? Die Antwort: Wenn ihr denkt ihr  seid  ein  Arahant  (oder  so  etwas  Ähnliches),  fähig  die  Gedanken anderer Leute zu lesen, euch an eure vergangenen Leben erinnern könnt, Lebewesen  seht  und  hört,  die  andere  nicht  hören  und  sehen  können, dann besteht da eine Möglichkeit, dass ihr verrückt werdet. Die Natur bewegt sich in ihrem eigenen Tempo und es ist nicht hilfreich ungeduldig  zu  sein.  Wir  müssen  besondern  achtsam  sein,  wenn  wir  besessen davon sind, dass wir Fortschritte machen.

- Das Handhaben von Objekten auf falsche Weise. Im Laufe der Praxis mag der Meditierende auf ungewöhnliche Erfahrungen treffen, die sehr schrecklich oder glückselig (so wie Bilder, Stimmen oder Gefühle) sein können.  Beim  vipassanā  werden  sie  achtsam  notiert  und  sie  vergehen dann normalerweise. Wenn sie bestehen bleiben, ist der nächste Schritt sie zu ignorieren und ein anderes Vipassanā-Objekt (wie „Heben“ und „Senken“)  zu  beobachten.  Wenn  das  Objekt  (das  Schreckliche  oder Glückselige) weiterhin vorherrscht, ist es besser aufzustehen und Gehmeditation zu machen.

Das  Problem  ist,  dass  die  Meditierenden  an  diesen  Phänomenen  anhaften können, sodass sie wieder und wieder erscheinen und so diesen unheilsamen Geisteszustand intensivieren. Wenn Anhaften an Furcht entsteht, müsst ihr das Objekt ignorieren und den mentalen Zustand notieren, bis er verschwindet. Sonst entsteht falsche Konzentration. Wenn die ungewünschten  Objekte  extrem  machtvoll  oder  hartnäckig  sind,  ist  es  weise  mit  der Meditation aufzuhören, bis ihr einen richtigen Rat bekommt.

b) Furcht vor Schmerzen und körperlicher Behinderung
Schmerz ist eine unvermeidbare Erscheinung, sowohl in der Meditation als auch im Leben. Aber in der Meditation benutzen wir ihn um unseren Geist  zu  trainieren,  damit  er  stark  und  unbeeinflusst  bleibt  und  um  seine (die des Schmerzes) wahre Natur (der Unbeständigkeit, des Leidens und des Nicht-Selbst) zu durchdringen.
Der  Anfänger  wird  den  gewöhnlichen  Anfängerschmerzen  gegenübertreten  müssen,  die  mit  ein  wenig  Geduld  weggehen.  Später  mag  sich  der Schmerz infolge der tiefen Konzentration intensivieren. Danach macht man dann die Erfahrung, dass er aufhört. Bei erfahreneren Meditierenden kann der  Schmerz  tatsächlich  willkommen  sein,  da  er  ein  scharfes  Objekt  darstellt, auf dem man Achtsamkeit und Konzentration aufbauen kann.
Furcht  entsteht  auch,  wenn  man  zu  viel  Schmerzen  hat.  Dies  ist  vergleichbar mit einem Kind, das seine Medizin nicht nehmen kann, weil sie bitter ist. Mehr Wissen über den dhamma kann helfen dies zu überwinden.
Man kann sich auch im Geist vorstellen, dass es eine Menge Freude und Vorteile  durch  die  Meditation  gibt.  Außerdem  könnt  ihr  versuchen  den Schmerz zu ignorieren und stattdessen ein anderes Objekt beobachten. Bitte notiert die Furcht, wenn sie entsteht. Wenn das nicht funktioniert, hilft oft die Betrachtung der Vorzüge eines Buddha.  

Einige  Leute  fürchten,  während  sie  den Schmerz beobachten, dass sie dauerhaft behindert sein könnten oder sterben.

Hiervon gibt es zwei Arten:
Ohne  tatsächliche  Leiden  und  mit  realen  Leiden  z. B.  Herzrhythmusstörungen, Hämorrhoiden, Asthma, hohen Blutdruck etc.

Ohne tatsächliche Leiden:
In diesen Fällen verschwindet der Schmerz sehr schnell, wenn sie aufhören zu meditieren. Vorher sollte man aber zuerst die Absicht notieren, bevor man aufgibt und auch versuchen die Furcht zu notieren, bis sie weggeht. Die Furcht ist tatsächlich grundlos. Leute haben schon mehr als sechs Stunden gesessen ohne hinterher Krüppel zu sein.

Mit realen Leiden:
Medizinische  Hilfe  sollte  in  solchen  Fällen  vor  Meditationsanfang  in Anspruch  genommen  werden.  Beim  vipassanā  wird  der  Schmerz  und die Furcht zuerst direkt notiert, aber wenn das nicht möglich ist (weil sie zu stark und andauernd sind), werden sie ignoriert, bis die Achtsamkeit und  die  Konzentration  machtvoll  genug  sind,  sie  wieder  zu  bremsen.
Viele Krankheiten, die als chronisch und unheilbar galten, wurden durch vipassanā  überwunden.  Aber  es  braucht  eine  Menge  an  Anstrengung und  Willenskraft.  Es  sollte  auch  erwogen  werden,  dass  es  äusserst günstig ist während der Meditation zu sterben.

Mangel
a) Unangemessene Orte
Das ist gewöhnlich eine der schlechtesten Entschuldigungen. Wenn der Platz laut ist, kann „Hören“ von „Geräuschen“ euer Vipassanā-Objekt sein. Man  kann  genauso  „Hitze“  oder  „Kälte“  notieren.  Es  ist  auch  nicht  sehr schwer, einen kühleren und ruhigeren Platz zu finden.

b) Zuwenig Zeit
Dieser  scheinbar  zu  rechtfertigende  Grund  warum  Leute  nicht  genug Zeit finden können zu meditieren, entsteht durch weltliche Verpflichtungen (Beruf, Familie). Keine Zeit zum Meditieren zu haben, ist nicht akzeptabel. Man  hat  sicher  etwas  Zeit  zur  Verfügung  (vielleicht  nicht  genug).  Damit bin  ich  einverstanden), wenn man es wirklich will. Zumindest am frühen Morgen oder vor dem Schlafengehen. Außerdem können wir Achtsamkeit bezüglich  unserer  täglichen  Aktivitäten  üben  durch völlige  Wachheit  und Verbundenheit  mit  dem,  was  wir  gerade  im  Moment  tun,  sei  es  fahren, reden, gehen, denken etc. Wir können auch andere Tugenden einüben neben reiner  Achtsamkeit  wie  die  zehn  Vollkommenheiten,  Großzügigkeit,  Entsagung,  Verzicht,  Weisheit,  Energie,  Geduld,  Wahrhaftigkeit,  Entschlossenheit, liebende Güte und Gleichmut.

c) Mangel an Lehrern
Es gibt ein Mangel an Meditationslehrern. Es ist vielleicht korrekter zu sagen, dass es einen Mangel an qualifizierten Meditationslehrern gibt.  

Was für Qualifikationen?
Es ist eine unleugbare Tatsache, dass es das Beste für alle Beteiligten ist, wenn der Meditationslehrer wirklich weiß, wie man meditiert und kompetent genug ist, es anderen beizubringen. Kompetentes  Wissen,  wie  man  meditiert,  kann  man  so  definieren:  Man  braucht gründliche  Praxis.  Das  bedeutet,  klares  Verständnis  der  Kunst  der  Geistentwicklung durch eigene Erfahrung. Der Lehrer sollte Entsagung üben, die man bei ihm durch Einhalten der Sittenregeln beobachten kann. Seine Ruhe sollte  klar  durch  den  ruhigen  und  unerschütterlichen  Geisteszustand  erkennbar sein und die Stärke der Befleckungen (Gier, Hass, Verblendung) sollte schwach sein.
Die Kompetenz den Weg zu zeigen kann so definiert werden. Man muss ein mitfühlendes Herz haben, das mit ausreichend Wissen über die buddhistische Lehre ausgestattet ist, wie sie im Palikanon und seinen Kommentaren verkörpert wird. Ein Meditationslehrer ist auch in der Lage präzise Instruktionen  und  rechtzeitige  Ermutigung  zu  geben,  sodass  der  Meditierende schnell und sicher auf dem Pfad der Läuterung fortschreiten kann.
Überflüssig  zu  sagen,  dass  effektive  Kommunikation  zwischen  dem Lehrer und Schüler wichtig ist. Wahrheitstreue und Offenheit ist dabei der Part  der  Schüler.  Es  ist  auch  vernünftig  einen  Lehrer  zu  wählen,  dessen Temperament zu unserem passt. Infolge des Mangels an Lehrern dürfte es weise sein nach den Retreats - in denen ihr die Tage in intensiver Meditation  verbringen  könnt  und  eine  gute  Vorstellung  davon  bekommt,  was Meditation  ist  und  wie  sie  durchgeführt  wird  -  Ausschau  nach  guten Lehrern zu halten. Danach sollte man regelmäßigen Briefwechsel pflegen, damit  man  die  Praxis  fortsetzen  kann.  Anfängliche  Instruktionen  sollten besser persönlich gegeben werden.

d) Mangel an Konzentration
Ein  anderer  häufiger  Grund,  warum  Leute  die  Vipassanā-Praxis  aufgeben,  ist  die  extrem  unruhige  Natur  ihres  Geistes.  Anstatt  Frieden  zu finden, scheint es, als ob sie nicht nur ihre Zeit verschwenden, sondern auch unnötigerweise mehr leiden.

Solche Personen sollten sich selbst Folgendes fragen:
•  Habe ich die Sittenregeln gut eingehalten? Wie beherrscht bin ich in meinem  Alltag?  Wenn  wir  stark  in  Genuss  schwelgen,  ist  es  kein Wunder,  dass  unser  Geist  verstört  ist.  Dem  Übel  absagen  ist  die Grundlage  von  Konzentration,  deshalb  sollte  nicht  die  Meditation beschuldigt werden. Wenn diese Leute Achtsamkeit im Alltag üben, sollten sie fähig sein sich zu konzentrieren.

•  Wie viel Stunden am Tag meditiere ich? Tu ich es jeden Tag ernsthaft? Ihr könnt nicht zu viel erwarten, wenn ihr es nicht richtig versucht.  Wenn  ihr  regelmäßig,  ernsthaft  und  begeistert  praktiziert, werdet ihr kein Problem haben euren Geist zu konzentrieren.

•  Habt  ihr  richtige  und  vollständige  Instruktionen  erhalten.  Habt  ihr regelmäßige  Interviews  gehabt?  Es  ist  ein  Wunder,  dass  es  euch nicht noch schlechter geht, wenn ihr nicht die richtige Anleitung bekommen habt. Diese wird gewöhnlich erst nach vielen Interviewsitzungen und Diskussionen mit dem Lehrer (weil wir normalerweise nicht richtig hören und dazu neigen zu vergessen) erlangt.

Die vier Schutzmeditationen
Starke  Befleckungen  können  die  Ursache  sein,  dass  Leute  ihre  reine Vipassanā-Praxis aufgeben, ohne ihr eine faire Chance zu geben. Die vier Schutzmeditationen helfen denjenigen Leuten, die einen großen Bedarf an Freude und Frieden haben, Vertrauen zu erlangen, bevor sie die eher anstrengende  Aufgabe  der  Vipassanā-Praxis  aufnehmen.  Außerdem  können wir nicht leugnen, dass reine Samatha-Meditation einem schnell hilft starke Konzentration  zu  erlangen.  Sie  hilft  uns  auch  in  unseren  weltlichen  Angelegenheiten, wenn sie richtig ausgeführt wird.
Deshalb  werden  die  vier  Schutzmeditationen  oft  vor  der  VipassanāPraxis empfohlen.

Es sind:

1. Buddhanussati
Die Betrachtung einer oder mehrerer Vorzüge des Buddha (generiert Vertrauen und Energie)

2. Mettabhāvanā
Das  Ausstrahlen  von  liebender  Güte  zu  einem  oder  mehreren  Lebewesen  (überwältigt  Übelwollen,  Unzufriedenheit,  flösst  Freundschaft ein).

3. Asubha
Betrachtung der Widerlichkeit des Körpers. Das sind die 32 einzelnen Körperteile (überwältigt Lust).

4. Maranasati
Todesbetrachtung (überwältigt Furcht vor dem Tod und legt einem die Dringlichkeit nahe)

Die Burmesen empfehlen jede dieser Schutzmeditationen zwei Minuten lang (also insgesamt 8 min.) vor der Vipassanā-Praxis auszuführen.

Anhaltende Praxis
Ein  anderes  Problem  dem  der  Vipassanā-Meditierende  gegenübertritt, ist  die  Unfähigkeit  die  eifrige  Praxis  aufrechtzuerhalten  oder  zumindest regelmäßig zu sitzen. Das ist aber entscheidend für den Fortschritt. Praxis ist,  wenn  wir  es  genau  betrachten,  die  aufgebrachte  Anstrengung.  Diese Fähigkeit (Tatkraft) ist sehr von der Fähigkeit Glauben/Vertrauen abhängig.

Als  Grundlage  des  Vertrauens  wird  das  Objekt,  das  Vertrauen  (saddha vatthu) einflösst, genannt.  

Die drei Kleinodien sind das, was ich dabei im Geist habe:
•  Der  Buddha  -  oder  Symbole,  die  den  Lehrer  repräsentieren  z. B.Bilder, Fußabdrücke, Bodhibäume und Reliquien.
•  Der dhamma – der durch das Rad des Gesetzes oder durch Bücher dargestellt  werden  kann  oder  durch  die  tatsächlichen  Lehren  oder Praktiken, denen man begegnet oder sie ausführt.
•  Die sangha – die Gemeinschaft der erleuchteten Schüler.
•  Dies  behält  uns  in  konstanter  Kommunikation  mit  spirituellen Objekten,  Aktivitäten  und  Leuten  und  insbesondere  verbinden  uns diese  direkt  mit  vipassanā.  Sie  helfen  uns  uns  aufzurichten,  wenn unser Geist schwach ist.

Wenn  wir  häufiger  den  Energiefaktor  betrachten,  können  wir  sehen, dass er durch Betrachtung der acht Grundlagen der Ergriffenheit (samvega vatthu)  aufgerüttelt  werden  kann.  Es  sind: Geburt, Alter, Krankheit, Tod, Leiden  in  den  niederen  Daseinsfährten,  das  im  Daseinskreislauf  der  Vergangenheit  wurzelnde  Leiden,  das  im  Daseinskreislauf  der  Zukunft  wurzelnde Leiden das im Daseinskreislauf der Gegenwart wurzelnde Leiden.
Jemand, der diese Betrachtungen ausübt, wird definitiv Energie wachrütteln,  um  zum  Ende  des  Leidens  vorzustoßen.  Mögt ihr  euch  eifrig  bemühen  und  niemals  stagnieren  in  eurer  Anstrengung,  bis  ihr  diese  letzte Freiheit, nibbāna, erreicht habt.