C. Schwierige Situationen auf dem Weg
In den letzten paar Jahren haben eine große Anzahl an Malaien mit Einsichtsmeditation angefangen. Von dem erhaltenen Feedback könnten wir eine Liste der entstandenen Probleme erstellen. Wir werden sie hier jedoch etwas allgemeiner behandeln.
Weshalb entstehen Probleme?
Achtsamkeit ist Bewusstheit der Dinge so wie sie sind. Wenn wir achtsam sind, ist unser Geist sehr wachsam auf die uns umgebenden Situationen - ob das nun profitabel ist oder nicht - und handelt entsprechend.
Die Praxis der vipassanā bhāvanā handelt vom anstrengenden Einüben und ununterbrochener Achtsamkeit auf jeden körperlichen und geistigen Prozess, der sich in jedem Moment neu ereignet. Diese konzentrierte Bewusstheit, wenn sie ausreichend kraftvoll und richtig ausgerichtet ist, ist in der Lage den dicken Schleier des Wahns zu durchdringen und einen von den Befleckungen und dem Leiden zu befreien.
Wenn dem so ist, wie - mögen einige Meditierende fragen -können dann Komplikationen entstehen? Die Antwort ist einfach. Sie sind nicht achtsam, obwohl sie es versuchten. Achtsamkeit ist überall hilfreich.“ Ohne Achtsamkeit treten allerdings Probleme auf.
Ich klassifiziere die Probleme, wie sie beim Meditierenden gewöhnlich erscheinen:
1. Der Konflikt von Begierde und Wertschätzung
2. Furcht
3. Mangel
Konflikte
Der häufigste Konflikt ist der zwischen materiellen und spirituellen Ambitionen. Schon der dhammapada sagt:
„Ein Weg in der Tat erreicht weltliche Ziele - Ein Weg in der Tat führt zum nibbāna.“
Ich denke, dass die meisten Buddhisten wissen, dass spirituelles Glück besser und dem weltlichen Glück überlegen ist. Es ist spirituelles Glück, das am Ende wirklich zählt. Aber es ist auch schnell einsehbar, dass spirituelles Glück wesentlich schwieriger zu erhalten ist als materieller Besitz.
Da unsere Wogen des Verlangens noch sehr stark sind und unser Wissen meist noch oberflächlich ist, werden die meisten von uns, wenn nicht alle, während ihres sterblichen Lebens als Hausleute verbleiben. Einige werden sich anstrengen beides zu erreichen, sowohl ihre spirituellen als auch ihre weltlichen Ambitionen und fühlen sich zerrissen. Andere versuchen eines von beiden zu ignorieren, aber das hilft auch nicht das Problem zu lösen.
Zu Recht sollte ein Buddhist in seinem ganzen Leben das spirituelle Ziel im Auge behalten, damit sein Leben eine spirituelle Beimengung hat, um sich und andere über die weltlichen Probleme zur überweltlichen Befreiung zu erheben. Wenn man die Kultivierung seiner eigenen innersten Freiheit ignoriert, wird man in erbärmlichen Bedingungen enden.
Im abhidhamma wird erklärt, dass nach dem Auftauchen aus dem Gedankenprozess von Pfad und Frucht (d.h. Erleuchtung) Folgendes passiert:
Das Nibbāna-Objekt wird mittels eines Geisttorprozesses in ein Bewusstsein der Sinnessphäre übertragen, das von Wissen (pañña) begleitet wird und das die aktive Phase (javana) durchläuft. Das bedeutet, dass man klar um das unbedingte Element, die absolute Wahrheit, die friedvolle Glückseligkeit weiß und sie mit dem Geist wahrnimmt. Mit diesem Bild hat man für immer Folgendes aufgegeben:
• Die falsche Sicht eines Selbst (sakkāya di))hi)
• Zweifel betreffend der drei Kleinodien (vicikicchā)
• Das Annehmen von anderen Praktiken als den edlen achtfachen Pfad um aus dem samsara zu entkommen (sīlabhata parāmāsa)
• Sinnesbegehren, das zu den jammervollen Zuständen führt (apayagamaniya kāmaraga)
• Übelwollen, das zu den jammervollen Zuständen führt (apayagamaniya patigha)
In den Kommentaren wird erwähnt, das auch Geiz (macchariya) und Neid (issā) aufgegeben wird. Es wird gesagt, dass man unerschütterliches Vertrauen in die drei Kleinodien besitzt und nie wieder die fünf Sittenregeln überschreiten kann.
In den Schriften wurde es oft so ausgedrückt:
„Wunderbar Ehrwürdiger Gotama, wunderbar Ehrwürdiger Gotama,!
Gerade wie, o Herr, Umgestürztes aufgerichtet, Verborgenes enthüllt
worden wäre, als wenn man einem Verirrten den Weg weisen oder in die
Dunkelheit eine Öllampe bringen würde - wer Augen hat, wird sehen -
ebenso hat der Erhabene auf mancherlei Art die Lehre erläutert. Ich
nehme, o Herr, zum Erhabenen und zur Lehre und zur Mönchsgemeinde
meine Zuflucht. Der Erhabene möge mich als einen Laienanhänger be-
trachten, der von heute an zeitlebens Zuflucht zu ihm genommen hat.“
Wenn dies tatsächlich passiert, wird der dhamma bis zum vollständigen Aufhören der Daseinsgruppen in einem weiterleben.
Es ist vielleicht besser zu fragen: „Gibt es eine absolute Wahrheit?“
Die Frage kann weiter verfeinert werden zu: „Gibt es das, was sich nicht verändert?“
In den meisten Fällen ist es vielleicht besser edle Stille einzuhalten.
Doch dann, was ist die Motivation?
„Ist nicht das Leiden genug Motivation?“ ist eine Gegenfrage. „Warum dann aber nicht andere Wege, andere Methoden?“
Eine Antwort wird im kalama sutta gegeben, wo einem geraten wird, nicht bloß wegen des Hörensagens und der Gerüchte, wegen der Traditionen und der heiligen Schriften etc. zu glauben.
Wenn man praktiziert, entsteht Glauben. Deshalb wird die beste Antwort vielleicht sein: „Wenn ihr genug praktiziert, werden sich die Dinge klären.“
Sehr oft bekam ich diese Antwort von meinem Lehrer auf viele meiner Fragen und es ist auch eine Antwort, die ich jetzt oft passend finde um sie anderen zu geben.
Das bedeutet jedoch nicht, dass, wenn man ein erhabenes Ziel wie das Erreichen des nibbanās hat, man ohne Mangel sein muss, allem weltlichen Glück oder den Besitztümern entsagen muss. Das Erreichen des nibbanās ist das letztendliche Ziel aller Buddhisten, aber wir müssen unsere Mängel anerkennen. Man wird deshalb zweitrangige Ziele haben, die definieren, wie viel man sich für die Spiritualität oder für die materiellen Entsagung anstrengen wird. Zum Beispiel müssen wir die Art der Berufswahl bedenken. Was es auch immer für eine Wahl sein mag, lasst sie fest, edel (bedenkt im Geist die spirituelle Relevanz), realistisch (bedenkt die reale Situation – die Umgebung – das Gute und das Böse), und flexibel (d.h. an die sich schnell ändernde Welt adaptierbar) sein. Wenn die Entscheidung getroffen wurde, sollte sich der Konflikt legen oder zumindest nur noch sehr klein sein.
Mögen die Bewegungen eurer zweitrangigen Ziele stetig in Richtung des einen Zieles fortschreiten.
Einige fürchten vipassanā-bhāvanā zu praktizieren, da sie dann den Pfad erreichen könnten. Das bedeutet, dass sie nicht länger in der Lage sind ihr Bodhisatta-Versprechen (ein samma sambuddha zu werden) einzuhalten. Tatsächlich muss man nichts Derartiges befürchten, da, wenn man ernsthaft versprochen hat ein bodhisatta zu werden, es unwahrscheinlich ist, dass man die überweltlichen Stadien während der Meditation erreicht.
Jedoch kann man diese Ambition ruhig aufgeben und sich für Arahatschaft entscheiden, wenn man die Schwelle des Pfades erreicht. Beide Pfade sind sehr edel, einer ist pragmatisch, der andere idealistisch.
Furcht
a) Furcht vor dem Unbekanntem
Dies schließt die Furcht verrückt zu werden mit ein. Als Resultat dieser Furcht hören einige Leute auf zu meditieren, deswegen bleiben sie in ihrem Meditationsfortschritt stehen. Das ist auf keinen Fall eine grundlose Furcht. Leute könne aus verschiedenen Gründen „explodieren.“ Wir werden sie in zwei Kategorien packen. Abnorme Verhaltenstendenzen und falsche Praxis.
i. Abnorme Verhaltenstendenzen
Tief in unserem Geist liegen latente versteckte Tendenzen und zwar gute wie schlechte, die vielleicht nicht nur in diesem Leben akkumuliert wurden, sondern auch aus vorherigen. Es ist nicht ungewöhnlich, wenn solche sehr starken Tendenzen während eines Meditationskurses in einem auftauchen. Wenn ihr sie nicht führen könnt, werden sie euch führen. In einigen von uns (glücklicherweise nur wenigen) ist die Tendenz zusammenzubrechen stärker als bei anderen. Dies tritt bei Leuten mit starken Neurosen auf, während es sich bei anderen um genetische Faktoren handelt.
Wenn das bei euch so ist, solltet ihr extrem vorsichtig mit eurer Meditation umgehen. Intensive Retreats besonders ohne Leitung sind nicht empfehlenswert. Es ist deshalb ratsam eure weltlichen Probleme - so gut ihr könnt - vor der Meditation zu behandeln. Es disqualifiziert einen nicht wirklich davon vipassanā zu praktizieren. Es muss nur unter ständiger Beaufsichtigung durch einen erfahrenen Lehrer stattfinden. Man sollte eine Beratung aufsuchen, den Lehrer informieren und ihn von den Problemen oder vorherigen Zusammenbrüchen berichten, wenn es solche gibt.
ii Falsche Praxis
Was hier gemeint ist, ist falsche Konzentration im Vergleich zu rechter Konzentration. Der Unterschied ist die An- oder Abwesenheit von Achtsamkeit. Wenn Achtsamkeit abwesend ist, ist der Geist unheilsam und so werdet ihr damit enden, dass die Konzentration eure Begierde, euren Zorn und euren Wahn erhöht. Das bedeutet, dass, wenn ihr ärgerlich seid, euer Ärger noch viel stärker ist. Genauso ist es auch, wenn ihr gierig oder im Wahne seid. Ein solcher Geist ist nicht sehr von dem eines Verrückten verschieden und es wird noch schlimmer, wenn der Meditierende mit falscher Konzentration weitermeditiert. Was lief falsch?
- Es mag sein, dass der Meditierend mit den falschen Motiven begonnen hat. Leute meditieren aus verschiedenen Gründen. Wenn eure Motive egoistisch sind, werdet ihr sehr wahrscheinlich noch egoistischer und verblendeter enden. Das Ziel von vipassanā ist, die Befleckungen (Gier, Hass und Verblendung) durch konstante und ununterbrochene Achtsamkeit auf die körperlichen und geistigen Prozesse aufzugeben. Wenn ihr meditiert, um Millionäre zu werden, um mit unsichtbaren Wesen zu sprechen oder die Gedanken anderer Leute zu lesen, empfehle ich euch, dass ihr mit dem Meditieren aufhört.
- Die Einstellung ist ein anderer wichtiger zu beachtender Faktor. Viele Leute in dieser zielorientierten Welt hängen dermaßen daran sich Ziele zu setzen, dass sie schrecklich frustriert sind, wenn Dinge nicht so laufen, wie sie sich das vorgestellt haben. Das Ergebnis ist, dass sie entweder zusammenbrechen und heulen oder sie versuchen sich selbst und andere davon zu überzeugen, dass sie das, was sie nicht haben, haben. Es gibt eine oft gestellte Frage von Meditierenden: Wie können wie erkennen, dass wir verrückt werden? Die Antwort: Wenn ihr denkt ihr seid ein Arahant (oder so etwas Ähnliches), fähig die Gedanken anderer Leute zu lesen, euch an eure vergangenen Leben erinnern könnt, Lebewesen seht und hört, die andere nicht hören und sehen können, dann besteht da eine Möglichkeit, dass ihr verrückt werdet. Die Natur bewegt sich in ihrem eigenen Tempo und es ist nicht hilfreich ungeduldig zu sein. Wir müssen besondern achtsam sein, wenn wir besessen davon sind, dass wir Fortschritte machen.
- Das Handhaben von Objekten auf falsche Weise. Im Laufe der Praxis mag der Meditierende auf ungewöhnliche Erfahrungen treffen, die sehr schrecklich oder glückselig (so wie Bilder, Stimmen oder Gefühle) sein können. Beim vipassanā werden sie achtsam notiert und sie vergehen dann normalerweise. Wenn sie bestehen bleiben, ist der nächste Schritt sie zu ignorieren und ein anderes Vipassanā-Objekt (wie „Heben“ und „Senken“) zu beobachten. Wenn das Objekt (das Schreckliche oder Glückselige) weiterhin vorherrscht, ist es besser aufzustehen und Gehmeditation zu machen.
Das Problem ist, dass die Meditierenden an diesen Phänomenen anhaften können, sodass sie wieder und wieder erscheinen und so diesen unheilsamen Geisteszustand intensivieren. Wenn Anhaften an Furcht entsteht, müsst ihr das Objekt ignorieren und den mentalen Zustand notieren, bis er verschwindet. Sonst entsteht falsche Konzentration. Wenn die ungewünschten Objekte extrem machtvoll oder hartnäckig sind, ist es weise mit der Meditation aufzuhören, bis ihr einen richtigen Rat bekommt.
b) Furcht vor Schmerzen und körperlicher Behinderung
Schmerz ist eine unvermeidbare Erscheinung, sowohl in der Meditation als auch im Leben. Aber in der Meditation benutzen wir ihn um unseren Geist zu trainieren, damit er stark und unbeeinflusst bleibt und um seine (die des Schmerzes) wahre Natur (der Unbeständigkeit, des Leidens und des Nicht-Selbst) zu durchdringen.
Der Anfänger wird den gewöhnlichen Anfängerschmerzen gegenübertreten müssen, die mit ein wenig Geduld weggehen. Später mag sich der Schmerz infolge der tiefen Konzentration intensivieren. Danach macht man dann die Erfahrung, dass er aufhört. Bei erfahreneren Meditierenden kann der Schmerz tatsächlich willkommen sein, da er ein scharfes Objekt darstellt, auf dem man Achtsamkeit und Konzentration aufbauen kann.
Furcht entsteht auch, wenn man zu viel Schmerzen hat. Dies ist vergleichbar mit einem Kind, das seine Medizin nicht nehmen kann, weil sie bitter ist. Mehr Wissen über den dhamma kann helfen dies zu überwinden.
Man kann sich auch im Geist vorstellen, dass es eine Menge Freude und Vorteile durch die Meditation gibt. Außerdem könnt ihr versuchen den Schmerz zu ignorieren und stattdessen ein anderes Objekt beobachten. Bitte notiert die Furcht, wenn sie entsteht. Wenn das nicht funktioniert, hilft oft die Betrachtung der Vorzüge eines Buddha.
Einige Leute fürchten, während sie den Schmerz beobachten, dass sie dauerhaft behindert sein könnten oder sterben.
Hiervon gibt es zwei Arten:
Ohne tatsächliche Leiden und mit realen Leiden z. B. Herzrhythmusstörungen, Hämorrhoiden, Asthma, hohen Blutdruck etc.
Ohne tatsächliche Leiden:
In diesen Fällen verschwindet der Schmerz sehr schnell, wenn sie aufhören zu meditieren. Vorher sollte man aber zuerst die Absicht notieren, bevor man aufgibt und auch versuchen die Furcht zu notieren, bis sie weggeht. Die Furcht ist tatsächlich grundlos. Leute haben schon mehr als sechs Stunden gesessen ohne hinterher Krüppel zu sein.
Mit realen Leiden:
Medizinische Hilfe sollte in solchen Fällen vor Meditationsanfang in Anspruch genommen werden. Beim vipassanā wird der Schmerz und die Furcht zuerst direkt notiert, aber wenn das nicht möglich ist (weil sie zu stark und andauernd sind), werden sie ignoriert, bis die Achtsamkeit und die Konzentration machtvoll genug sind, sie wieder zu bremsen.
Viele Krankheiten, die als chronisch und unheilbar galten, wurden durch vipassanā überwunden. Aber es braucht eine Menge an Anstrengung und Willenskraft. Es sollte auch erwogen werden, dass es äusserst günstig ist während der Meditation zu sterben.
Mangel
a) Unangemessene Orte
Das ist gewöhnlich eine der schlechtesten Entschuldigungen. Wenn der Platz laut ist, kann „Hören“ von „Geräuschen“ euer Vipassanā-Objekt sein. Man kann genauso „Hitze“ oder „Kälte“ notieren. Es ist auch nicht sehr schwer, einen kühleren und ruhigeren Platz zu finden.
b) Zuwenig Zeit
Dieser scheinbar zu rechtfertigende Grund warum Leute nicht genug Zeit finden können zu meditieren, entsteht durch weltliche Verpflichtungen (Beruf, Familie). Keine Zeit zum Meditieren zu haben, ist nicht akzeptabel. Man hat sicher etwas Zeit zur Verfügung (vielleicht nicht genug). Damit bin ich einverstanden), wenn man es wirklich will. Zumindest am frühen Morgen oder vor dem Schlafengehen. Außerdem können wir Achtsamkeit bezüglich unserer täglichen Aktivitäten üben durch völlige Wachheit und Verbundenheit mit dem, was wir gerade im Moment tun, sei es fahren, reden, gehen, denken etc. Wir können auch andere Tugenden einüben neben reiner Achtsamkeit wie die zehn Vollkommenheiten, Großzügigkeit, Entsagung, Verzicht, Weisheit, Energie, Geduld, Wahrhaftigkeit, Entschlossenheit, liebende Güte und Gleichmut.
c) Mangel an Lehrern
Es gibt ein Mangel an Meditationslehrern. Es ist vielleicht korrekter zu sagen, dass es einen Mangel an qualifizierten Meditationslehrern gibt.
Was für Qualifikationen?
Es ist eine unleugbare Tatsache, dass es das Beste für alle Beteiligten ist, wenn der Meditationslehrer wirklich weiß, wie man meditiert und kompetent genug ist, es anderen beizubringen. Kompetentes Wissen, wie man meditiert, kann man so definieren: Man braucht gründliche Praxis. Das bedeutet, klares Verständnis der Kunst der Geistentwicklung durch eigene Erfahrung. Der Lehrer sollte Entsagung üben, die man bei ihm durch Einhalten der Sittenregeln beobachten kann. Seine Ruhe sollte klar durch den ruhigen und unerschütterlichen Geisteszustand erkennbar sein und die Stärke der Befleckungen (Gier, Hass, Verblendung) sollte schwach sein.
Die Kompetenz den Weg zu zeigen kann so definiert werden. Man muss ein mitfühlendes Herz haben, das mit ausreichend Wissen über die buddhistische Lehre ausgestattet ist, wie sie im Palikanon und seinen Kommentaren verkörpert wird. Ein Meditationslehrer ist auch in der Lage präzise Instruktionen und rechtzeitige Ermutigung zu geben, sodass der Meditierende schnell und sicher auf dem Pfad der Läuterung fortschreiten kann.
Überflüssig zu sagen, dass effektive Kommunikation zwischen dem Lehrer und Schüler wichtig ist. Wahrheitstreue und Offenheit ist dabei der Part der Schüler. Es ist auch vernünftig einen Lehrer zu wählen, dessen Temperament zu unserem passt. Infolge des Mangels an Lehrern dürfte es weise sein nach den Retreats - in denen ihr die Tage in intensiver Meditation verbringen könnt und eine gute Vorstellung davon bekommt, was Meditation ist und wie sie durchgeführt wird - Ausschau nach guten Lehrern zu halten. Danach sollte man regelmäßigen Briefwechsel pflegen, damit man die Praxis fortsetzen kann. Anfängliche Instruktionen sollten besser persönlich gegeben werden.
d) Mangel an Konzentration
Ein anderer häufiger Grund, warum Leute die Vipassanā-Praxis aufgeben, ist die extrem unruhige Natur ihres Geistes. Anstatt Frieden zu finden, scheint es, als ob sie nicht nur ihre Zeit verschwenden, sondern auch unnötigerweise mehr leiden.
Solche Personen sollten sich selbst Folgendes fragen:
• Habe ich die Sittenregeln gut eingehalten? Wie beherrscht bin ich in meinem Alltag? Wenn wir stark in Genuss schwelgen, ist es kein Wunder, dass unser Geist verstört ist. Dem Übel absagen ist die Grundlage von Konzentration, deshalb sollte nicht die Meditation beschuldigt werden. Wenn diese Leute Achtsamkeit im Alltag üben, sollten sie fähig sein sich zu konzentrieren.
• Wie viel Stunden am Tag meditiere ich? Tu ich es jeden Tag ernsthaft? Ihr könnt nicht zu viel erwarten, wenn ihr es nicht richtig versucht. Wenn ihr regelmäßig, ernsthaft und begeistert praktiziert, werdet ihr kein Problem haben euren Geist zu konzentrieren.
• Habt ihr richtige und vollständige Instruktionen erhalten. Habt ihr regelmäßige Interviews gehabt? Es ist ein Wunder, dass es euch nicht noch schlechter geht, wenn ihr nicht die richtige Anleitung bekommen habt. Diese wird gewöhnlich erst nach vielen Interviewsitzungen und Diskussionen mit dem Lehrer (weil wir normalerweise nicht richtig hören und dazu neigen zu vergessen) erlangt.
Die vier Schutzmeditationen
Starke Befleckungen können die Ursache sein, dass Leute ihre reine Vipassanā-Praxis aufgeben, ohne ihr eine faire Chance zu geben. Die vier Schutzmeditationen helfen denjenigen Leuten, die einen großen Bedarf an Freude und Frieden haben, Vertrauen zu erlangen, bevor sie die eher anstrengende Aufgabe der Vipassanā-Praxis aufnehmen. Außerdem können wir nicht leugnen, dass reine Samatha-Meditation einem schnell hilft starke Konzentration zu erlangen. Sie hilft uns auch in unseren weltlichen Angelegenheiten, wenn sie richtig ausgeführt wird.
Deshalb werden die vier Schutzmeditationen oft vor der VipassanāPraxis empfohlen.
Es sind:
1. Buddhanussati
Die Betrachtung einer oder mehrerer Vorzüge des Buddha (generiert Vertrauen und Energie)
2. Mettabhāvanā
Das Ausstrahlen von liebender Güte zu einem oder mehreren Lebewesen (überwältigt Übelwollen, Unzufriedenheit, flösst Freundschaft ein).
3. Asubha
Betrachtung der Widerlichkeit des Körpers. Das sind die 32 einzelnen Körperteile (überwältigt Lust).
4. Maranasati
Todesbetrachtung (überwältigt Furcht vor dem Tod und legt einem die Dringlichkeit nahe)
Die Burmesen empfehlen jede dieser Schutzmeditationen zwei Minuten lang (also insgesamt 8 min.) vor der Vipassanā-Praxis auszuführen.
Anhaltende Praxis
Ein anderes Problem dem der Vipassanā-Meditierende gegenübertritt, ist die Unfähigkeit die eifrige Praxis aufrechtzuerhalten oder zumindest regelmäßig zu sitzen. Das ist aber entscheidend für den Fortschritt. Praxis ist, wenn wir es genau betrachten, die aufgebrachte Anstrengung. Diese Fähigkeit (Tatkraft) ist sehr von der Fähigkeit Glauben/Vertrauen abhängig.
Als Grundlage des Vertrauens wird das Objekt, das Vertrauen (saddha vatthu) einflösst, genannt.
Die drei Kleinodien sind das, was ich dabei im Geist habe:
• Der Buddha - oder Symbole, die den Lehrer repräsentieren z. B.Bilder, Fußabdrücke, Bodhibäume und Reliquien.
• Der dhamma – der durch das Rad des Gesetzes oder durch Bücher dargestellt werden kann oder durch die tatsächlichen Lehren oder Praktiken, denen man begegnet oder sie ausführt.
• Die sangha – die Gemeinschaft der erleuchteten Schüler.
• Dies behält uns in konstanter Kommunikation mit spirituellen Objekten, Aktivitäten und Leuten und insbesondere verbinden uns diese direkt mit vipassanā. Sie helfen uns uns aufzurichten, wenn unser Geist schwach ist.
Wenn wir häufiger den Energiefaktor betrachten, können wir sehen, dass er durch Betrachtung der acht Grundlagen der Ergriffenheit (samvega vatthu) aufgerüttelt werden kann. Es sind: Geburt, Alter, Krankheit, Tod, Leiden in den niederen Daseinsfährten, das im Daseinskreislauf der Vergangenheit wurzelnde Leiden, das im Daseinskreislauf der Zukunft wurzelnde Leiden das im Daseinskreislauf der Gegenwart wurzelnde Leiden.
Jemand, der diese Betrachtungen ausübt, wird definitiv Energie wachrütteln, um zum Ende des Leidens vorzustoßen. Mögt ihr euch eifrig bemühen und niemals stagnieren in eurer Anstrengung, bis ihr diese letzte Freiheit, nibbāna, erreicht habt.