-essentials of insight meditation practice-

die praxis der einsichtsmeditation

12. Arten der Konzentration

Wenn ihr genug Erfahrung in grundlegenden Meditationsübungen habt und gelernt habt, wie ihr die fünf geistigen Fähigkeiten ausbalancieren könnt, dann werdet ihr langsam anfangen tiefe Konzentration zu entwickeln.
“Konzentration“ beinhaltet tatsächlich eine ganze Reihe von Erfahrungen. Im Pali wird Konzentration manchmal als ekkaggata (Einspitzigkeit), als samadhi (Konzentration) und als jhana (Vertiefung) bezeichnet. Damit wir Konzentration entwickeln können, müssen wir wissen, worüber wir sprechen. Wir fangen an, indem wir uns zunächst näher mit der Achtsamkeit beschäftigen.
Am Anfang eines Retreats müssen wir verstehen lernen, was Achtsamkeit und was Nicht-Achtsamkeit bedeutet. Nicht-Achtsamkeit bedeutet die Abwesenheit klarer Bewusstheit. Achtsamkeit bedeutet die Anwesenheit von klarer Bewusstheit. Achtsamkeit heißt nicht einfach “wissen“, sondern es bedeutet etwas mit klarem Geist zu wissen.
Nach einigen Praxistagen werdet ihr in der Lage sein den Unterschied zwischen beiden zu erkennen. Wenn euer Geist nicht achtsam ist, dann wandert er herum, grübelt und befindet sich in einem schrecklichen Zustand. Wenn euer Geist achtsam ist, ist er klar und ihr seid in der Lage den Objekten zu folgen.
Als Nächstes ist da die Frage, wie sehr achtsam ihr seid. Es ist nicht schwierig zwischen starker Achtsamkeit und Nicht-Achtsamkeit zu unterscheiden. Man muss jedoch zwischen subtiler Achtsamkeit und Nicht- Achtsamkeit unterscheiden können. Die Situation, in der diese Frage aktuell wird, tritt in feineren und tieferen Stadien der Konzentration auf. Wenn man einmal gelernt hat, zwischen dem Vorhandensein und der Abwesenheit von Achtsamkeit zu unterscheiden, dann besteht der nächste Schritt darin Konzentration und Achtsamkeit auseinander zu halten. Konzentration meint lediglich, dass man auf einen Punkt ausgerichtet ist. In einem allgemeineren Sinne spricht man auch davon, den Geist auf ein Objekt gerichtet zu halten. Obwohl es so ist, dass Konzentration und Achtsamkeit gemeinsam erscheinen können, muss es jedoch nicht so sein. Sich zu konzentrieren bedeutet also, den Geist auf ein Objekt zu richten. Wenn euer Geist beispielsweise bemüht ist, dem „Heben“ und „Senken“ der Bauchdecke zu folgen, dann ist dies Konzentration, bzw. Gerichtet-Sein auf einen Punkt. Oder wenn ihr versucht die Schmerzen zu beobachten und darauf gerichtet bleibt, dann ist dies Konzentration auf den Schmerz. Achtsamkeit ist jedoch, wie ihr dies tut.

Richtige und falsche Konzentration
Ihr könnt euren Geist auf ein Objekt in ruhiger und stabiler Art gerichtet halten oder an ihm in besessener Art und Weise haften. Wenn ihr es auf die besessene Weise tut, also an dem Objekt sehr festhaltet und nicht gewillt seid es gehen zu lassen, ist dies die falsche Art der Konzentration oder falsche Konzentration. Diese Konzentration kommt mit der Anhaftungsbefleckung daher. Aber wenn ihr euren Geist richtig auf das Objekt richtet, also mit einem klaren und friedvollen Geist, mit einer Haltung, die auch sehr fest sein kann, dann ist es „Rechte Konzentration“, Konzentration, die von Achtsamkeit begleitet wird. Dies ist der wichtige Unterschied. Ihr müsst sicher sein richtige und nicht falsche Konzentration zu üben.
Es ist außerordentlich wichtig, dass wir am Anfang, wenn wir Konzentration entwickeln, gleich „Rechte Konzentration“ entwickeln, Konzentration mit klarer Bewusstheit oder reinem Geist. Wenn ein reiner Geist konzentriert ist, wird er stark und stabil und machtvoll. Genauso ist es, wenn reines Licht auf einen Punkt konzentriert wird, so wird es kraftvoll und stark und ermöglicht uns eine Menge an Dingen zu sehen.

Wichtige Aspekte der Konzentration

1. Ruhe
Ein besseres Wort, das man für Ruhe benutzen kann, ist Friedlichkeit. Der Geist ist friedvoll und ruhig, weil er sehr klar und frei von Befleckungen ist.
Wir müssen besonders darauf achten, dass wir während unserer Bemühung uns zu konzentrieren immer zuerst achtsam sein müssen. An erster Stelle steht die klare Bewusstheit. Sorgt euch nicht so sehr darum, ob ihr euch zu wenig konzentriert. Interessiert euch eher dafür kontinuierliche Achtsamkeit aufzubauen. Kontinuierliche Achtsamkeit bringt den Geist in einen noch heilsameren und reineren Zustand. Er wird dann geschmeidig, biegsam und fügsam. Danach könnt ihr versuchen ihn weiter zu tieferer Konzentration zu bewegen.

2. Das Wegfallen der gröberen mentalen Faktoren
Dies betrifft diejenigen, die fortgeschrittene Formen der Konzentration praktizieren (jhana). Im Prozess sich entwickelnder Konzentration ist es so, dass die gröberen Formen der Aktivität wie das Aufgreifen von Gedanken (vitakka) oder das Verweilen bei den Gedanken (vicara) wegfallen. Wenn dies geschieht, wird der Geist sehr fein und friedvoll.

3. Einspitzigkeit
Nachdem man Abstand von den Befleckungen erlangt hat, entsteht Einspitzigkeit des Geistes. Dies bedeutet, dass der Geist an ein einziges Objekt geheftet wird, ohne dass man es ihm erlaubt hin- und herzuwandern. Geht man auf diese Weise vor, wird der Geist noch feiner und friedvoller. Seid ihr in der Lage dies zu tun, wird der Geist ausgeglichen und ruhig.

Zwei verschiedene Wege
Welchen Weg ihr einschlagen werdet, hängt davon ab, ob ihr eher die Betonung auf Konzentration oder auf Achtsamkeit legt. Konzentration heißt den Geist auf das Objekt gerichtet zu halten. Achtsamkeit heißt sorgfältig die Natur des Objektes zu beobachten. Hierin liegt der Unterschied.
Stellt euch zum Beispiel vor, dass ihr euch einen Spiegel vor das Gesicht haltet und in den Spiegel schaut. Wenn ihr das lange tut, dann bedeutet dies, dass ihr euch konzentriert. Haltet ihr eure Praxis mehr auf die Konzentration ausgerichtet, dann wird eure Meditation sich mehr in Richtung Ruhe entwickeln, was euch in tiefe Stadien der Konzentration führen wird. Ist es jedoch so, dass ihr euch eher darauf verlegt die Charakteristika des Spiegelbildes zu studieren, dann praktiziert ihr Achtsamkeit. Ihr seht vielleicht eine lange Nase, einen Schnurrbart, Zähne eines Bockes, eine Glatze usw., dann realisiert ihr, dass dies das Gesicht eines Dämonen ist. Ihr fragt euch vielleicht, was das sei. Das Gesicht eines Menschen? Dies bedeutet, dass ihr gründlich eine geistige Notiz von all diesen Eigenheiten gemacht habt, die ihr im Spiegel gesehen habt. Das ist Achtsamkeit.
Habt ihr all diese Details in euch aufgenommen und verstanden, was sie im Wesentlichen bedeuten, dann wird aus Achtsamkeit Weisheit. Wenn ihr die Betonung auf Achtsamkeit legt und deshalb sorgfältig mit Achtsamkeit die Natur der Objekte beobachtet, also all die verschiedenen erscheinenden Prozesse, dann wird der Geist Fortschritte auf dem Weg der Einsicht (vipassana) erlangen.
Die zwei verschiedenen Pfade, die ihr nutzen könnt werden klar, wenn ich euch etwas über anapanasati erzähle. Einige Leute machen anapanasati, indem sie die Ein- und Ausatmungsempfindung an der Nasen- spitze zählen, während sie sich auf sie gleichzeitig konzentrieren. Dabei wird der Geist sehr friedvoll. Wenn sich die Konzentration im weiteren Verlauf vertieft, dann mag sich diese Empfindung wie Baumwolle an- fühlen. Ihr beobachtet dann die Empfindung mit etwas Achtsamkeit, jedoch liegt die Betonung mehr auf Konzentration. Ihr verweilt dann dort für längere Zeit, weil der Geist so friedliebend und ruhig ist. Wenn sich der Geist im weiteren Verlauf immer mehr in das Objekt vertieft, wird er selbst und das Objekt immer feiner und ruhiger.
Wenn jemand jedoch von diesem Punkt an vipassana praktizieren möchte, dann muss man nicht nur den Geist ruhig halten, sondern man muss auch den Geist dazu bringen all die Empfindungen, die an der Nasenspitze auftauchen klar zu registrieren. In diesem Fall wird man viele Prozesse und Veränderungen bemerken, insbesondere jene, die mit dem Hitze- Element zusammenhängen, welche entstehen und wieder vergehen. Auf diese Weise werdet ihr zwar nicht in die reinen Ruhezustände der Vertiefungen gelangen, aber ihr werdet auf dem Einsichtspfad voranschreiten.
Selbst bei der Betrachtung des Hebens und Senkens der Bauchdecke tendieren einige Leute dazu Ruhemeditation zu machen. Dies liegt daran, dass sie nicht die achtsame Beobachtung betonen. Sie betonen vielmehr das Fixieren des Geistes und folgen dieser Fixierung beim Heben und Senken. Gewöhnlich sind die Veränderungen, die bei der Betrachtung des Hebens und Senkens der Bauchdecke als Meditationsobjekt auftreten, klarer und gröber. Deshalb werden sie für angemessenere Objekte der Einsichtsentwicklung gehalten. Aber selbst dann passiert es manchmal, dass Meditierende die Veränderungen nicht notieren. Dies liegt daran, dass die Entwicklung der Beobachtung außerordentlich schwierig ist und man viel Energie dafür braucht. Deshalb konzentrieren sie sich nur und fühlen sich friedvoll. Selbst wenn sie in der Lage sind ein paar Veränderungen wahrzunehmen, so ist dies allein nicht ausreichend. Wenn die Achtsamkeit nicht ausreicht und stattdessen Konzentration entwickelt und betont wird, erreichen diese Meditierenden nur eine Form der Ruhemeditation.

Die charakteristische Natur der Konzentration bei der Samatha- und Vipassana-Meditation
Sowohl Ruhe- als auch Einsichtsmeditation haben die Entwicklung von Konzentration als Ziel. Bei beiden geht es um die Entwicklung von Einspitzigkeit oder um Vertiefung in die Objekte, da bei beiden der Geist für lange Zeit an die ihn umgebenden Objekte geheftet wird um ihn stark werden zu lassen. Sie sind beide jedoch nicht dasselbe.
Sich in Konzentration zu üben ist, als wenn man versucht nicht von der Straße abzukommen. Wenn ihr auf der Straße bleibt und nach Norden fahrt, werdet ihr eine bestimmte Szene sehen. Wenn ihr nach Süden fahrt, seht ihr eine andere Szenerie. Ihr bleibt jedoch immer auf der Straße.
Verschiedene Vorhaben werden euch auch verschiedene Ziele erreichen lassen. Lasst uns kurz den Unterschied der beiden Meditationsarten zusammenfassen. Das Hauptziel der Samatha-Meditation ist es „Rechte Konzentration“ zu entwickeln, Konzentration mit einem reinen Geist. Als Ergebnis gelangen wir in tiefe Konzentrationsstadien oder Vertiefungen (jhanas).
Wenn diese weiter entwickelt werden, können übernatürliche Kräfte, wie Levitation, Gedankenlesen, Erinnerung an vergangene Leben, usw., entstehen. Auf der letzten Stufe werdet ihr als Wirkung in den Brahma- Bereichen wiedergeboren werden. Diese Sphären befinden sich oberhalb der sinnlichen Himmelsbereiche, sie sind sehr hohe und erhabene Formen der Existenz.
Bei der Einsichtsbetrachtung (vipassana) wird Konzentration benutzt um Verstehen zu entwickeln. Ein Verstehen, das die wahre Natur der Welt erkennt: die Natur des Geist-Körper-Prozesses. Alles in der Welt besteht aus Geist-Körper-Prozessen. Wenn man ihre wahre Natur versteht, dann realisiert man, dass sie veränderlich, unzulänglich und ohne Selbst sind. Wenn man schließlich all dies überschreitet, wird man eins mit dem, was nicht zusammengesetzt ist, dem sich nicht verändernden, nicht bedingten oder wie wir auch sagen, dem ewigen Frieden. In diesem Fall überwinden wir alle Formen des Leidens für immer.
Erstens seht ihr, dass das Ziel verschieden ist. Zweitens ist auch das Objekt verschieden. Bei der Samatha-Betrachtung ist das Objekt ein Konzept, welches der Geist sich erdacht hat. Es ist nicht real, es ist etwas, das durch den Geist erfunden wurde.
Bei der Einsichts-Betrachtung jedoch ist das Objekt real, da es ein direkt erfahrbarer Geist-Körper-Prozess ist. Der Geist muss sich die „Wirklichkeit“ nicht erst ausdenken. Sie ist bereits gegeben.
Es gibt also zwei verschiedene Klassen von Objekten. Und wenn ihr euch konzentriert, dem Objekt folgt und darin verweilt, sind die benötigten Fähigkeiten unterschiedlich. In der Ruhemeditation z. B. ist die hauptsächlich benötigte geistige Kraft einspitzige Konzentration, die von Achtsamkeit unterstützt wird. Wohingegen bei der Einsichtsmeditation der am meisten benötigte Faktor die Achtsamkeit ist. Der Grad der Energie oder der Anstrengung ist ähnlich der Ruhemeditation. Lasst uns auf einige Beispiele schauen um dies zu illustrieren.
Es gibt verschiedene objektspezifische Ruhemeditationsarten. Zum Beispiel die Betrachtung der „Liebenden Güte“. Wenn ihr diese praktiziert, denkt ihr an jemanden Bestimmten. Diese Person ist jedoch ein Konzept, lediglich ein Gedanke. Ihr richtet also Liebende Güte auf ein Konzept aus. Ein anderes reines Objekt der Ruhemeditation ist die Visualisierung, wie sie etwa bei den Kasina-Übungen praktiziert wird. Kasinas sind visualisierte Kreise wie z. B. das Licht-Kasina, wenn ihr Kreise aus Licht visualisiert. Ihr wisst sehr wohl, dass es der Geist war, der diese Kreise erschaffen hat und sie aufrechterhält. So ist dieser Kreis aus Licht lediglich ein geisterzeugtes Objekt. Es ist, als wenn ihr ein Bild in eurem Geist erzeugt. Wenn man in der Lage, ist dieses Objekt im Geist zu erzeugen, es zu visualisieren und es achtsam dort zu behalten, dann besteht eine sehr ruhige und friedvolle Wahrnehmung, die aufrechterhalten wird. Haltet ihr diese Bild lange genug aufrecht, dann vergesst ihr alles um euch herum. Euer Geist wird dann sehr friedlich, ruhig und immer feiner.
Wenn eure Konzentration stärker wird und sich mehr und mehr vertieft, wird das Objekt sowohl heller als auch feiner. Es wird dann einen Zeitpunkt geben, wo der Geist und der Zirkel aus Licht eins sind. Der Moment, in dem man zwischen den beiden nicht mehr differenzieren kann, wird samadhi genannt. Dies ist eine Art der Vertiefung. Solange man noch bewusst weiß und unterscheiden kann, handelt es sich lediglich um Zugangskonzentration. Nur dann, wenn man den Eindruck hat in das Objekt einzutauchen, so als ob der Geist davon vollständig absorbiert werden würde, ist es mehr wie eine Vertiefung. Es handelt sich hierbei um einen sehr tiefen Zustand, in den man zu fallen scheint. Dieser Zustand ist sehr still und sehr ruhig, eine bestimmte Form des Bewusstseins.
Im Moment von samadhi gibt es keine Differenzierung von Subjekt und Objekt. Es kann als tiefer Schlaf, nein, tiefer als tiefer Schlaf beschrieben werden. Und wenn man dann daraus auftaucht, erinnert man sich an die Art dieses Zustandes, an den Zeitraum, an dem man scheinbar “unbewusst“ gewesen ist.

Vipassana
Die Vipassana-Objekte sind tatsächliche Realitäten wie “Heben“ und “Senken“, sie sind eine tatsächliche Empfindung wie z. B. Schmerz. Ihr müsst sie euch nicht extra ausdenken. Sie sind bereits da und ihr müsst nicht danach Ausschau halten. Und wenn ihr im weiteren Verlauf ihrer eigentlichen Natur mehr gewahr werdet, dann werdet ihr bemerken, dass sie nicht still sind, dass es sich nicht um statische Objekte handelt. Diese Objekte sind pulsierend, veränderlich, entstehen und vergehen.
Je mehr ihr euch dessen gewahr werdet, desto klarer wird die veränderliche Natur der Objekte. Diese Objekte unterscheiden sich klar vom Samatha-Objekt bzw. dessen Visualisierung, durch die das Objekt ruhiger und statischer wird, je mehr man sich darin vertieft. Das Vipassana-Objekt fluktuiert wegen seiner unbeständigen Natur. Wenn das Objekt sich verändert, treten die Merkmale der Unzulänglichkeit (dukkha) und der Aspekt der Unpersönlichkeit (anatta) deutlich zu Tage. Ihr richtet dabei die Vipassana-Konzentration auf die veränderlichen Objekte, bis die Einsicht aufsteigt. Diese Einsicht ist Verwirklichung in Hinblick auf die drei universellen Daseinsmerkmale Unbeständigkeit, Unzulänglichkeit und Unpersönlichkeit.
Wenn diese Vipassana-Konzentration nicht auftritt, kann Einsicht nicht entstehen. Gewöhnlich ist der Ausgangspunkt die Wahrnehmung der Unbeständigkeit. Unbeständigkeit muss zuerst registriert werden, weil Unzulänglichkeit (dukkha) nicht lediglich das ist, was wir gewöhnlich darunter verstehen, sondern weil Unzulänglichkeit Unbeständigkeit selbst ist. Das Nicht-Selbst ist Nicht-Selbst, weil es unbeständig und unzulänglich ist. Die Wahrnehmung der Unbeständigkeit ist, als wenn ihr die Natur eines sich ändernden oder bewegenden Objektes verstehen möchtet.
Was ist die Veränderung? Ihr müsst in der Lage sein, den Geist auf die Veränderungen zu richten. Die Veränderung ist nichts Statisches. Sie ist etwas, das ständig in Bewegung ist. Also muss der Geist der momentanen Veränderung genau folgen und in ihr ganz vertieft werden. Und weil die Achtsamkeit so klar und präzise ist, versteht sie die Natur des Veränderlichen, weil sie eins damit geworden ist.
Wenn ihr der Veränderung nicht folgen könnt und nicht eins mit ihr seid, wie könnt ihr dann wissen, was sie ist? Wie könnt ihr sehen, was es mit ihr auf sich hat?

Die Erfahrung der verschiedenen Vipassana-Stufen
Die Natur der Vipassana-Konzentration in der Dhamma-Praxis ist einzigartig. Ein anderer Weg diese Konzentration zu beschreiben besteht darin, Begriffe der Erfahrung zu benutzen. Diese Art der speziellen Konzentration kann in drei Stufen aufgeteilt werden.

1. Bemühung
Bemühung in dem Sinne, dass ihr versucht Achtsamkeit aufzubauen um eine Stufe der Wahrnehmung zu erreichen, in der ihr dem Objekt folgen könnt.
Sagen wir einmal, ihr betrachtet das „Heben“ und „Senken“ eurer Bauchdecke. Ihr seid euch des „Hebens“ und „Senkens“ der Bauchdecke bewusst. Dann hört das „Heben“ und „Senken“ auf, ihr haltet auch an, dann macht ihr weiter und ihr haltet erneut an. Manchmal gibt es beim „Heben“ und „Senken“ der Bauchdecke keine Achtsamkeit, sondern nur Anspannung. Dann müsst ihr erst einmal entspannen und wieder anfangen. In diesem Sinne ist es Bemühung.
Das „Sich-Durchkämpfen“ ist die erste Etappe, ein schwieriger Schritt, weil die Konzentration nur schwach ist. Bemühung ist vorbereitende Praxis. Jede Konzentration, die dem „Heben“ und „Senken“ der Bauchdecke folgt, ist lediglich vorbereitende Konzentration. Wenn man dies genug übt, wird die nächste Stufe erreicht, bei der die Konzentration ausreichend Schwung hat um von alleine voranzuschreiten.

2. Die Stufe des Segelns
Die zweite Etappe, die Stufe des Segelns, ist einfacher, da es euch so vorkommt, als wärt ihr auf einem Boot, das mit dem Strom fließt. Die Konzentration ist auf dieser Stufe so entwickelt, dass sie ein Eigenleben zu haben scheint. Sie bewegt sich wie von allein. Das ist genauso, als wenn ihr Liebende Güte mit einem Objekt, auf das ihr eure Liebe verströmt, praktiziert. Die Liebende Güte fließt und fließt wie in Wellen.
Beim Beobachten der Bauchdeckenbewegung fließt die Achtsamkeit, nachdem sie sich zur kontinuierlichen Achtsamkeit entwickelt hat, mit dem „Heben“ und „Senken“ der Bauchdecke mit. Ist das „Heben“ und „Senken“ der Bauchdecke lang, dann fließt eure Achtsamkeit in langen Wellen vom Anfang bis zum Ende.
Ist es kurz, fließt eure Achtsamkeit in kleinen Wellen vom Anfang bis zum Ende mit. Wenn das „Heben“ und „Senken“ der Bauchdecke sich in springenden Bewegungen entwickelt, dann springt die Achtsamkeit mit. Ihr müsst keine spezielle Anstrengung machen, da der Geist auf der Welle mit- segelt.

3. Das Gefühl abzuheben
Die dritte Stufe ist das Gefühl einen Abflug zu machen, zu fliegen und zu verschwinden, bzw. wegzusinken und zu verschwinden. Gewöhnlich macht ihr zuerst die Erfahrung abzuheben und dann wegzusinken. Dies ist so, weil der Schwung so glatt geworden ist, so schnell, so leicht, sodass sehr viel Freude aufkommt. Sehr viel innerer Friede steigt auf. Alles ist sehr leicht geworden.
Als Ergebnis bewegt der Geist sich auf ein subtileres Objekt zu. Je subtiler das Objekt wird, in desto tiefere Stadien bewegt sich der Geist. Wenn ihr die Konzentration auf eine höhere Stufe verschiebt, ist es, als würde der Geist einen Flug machen. Der Geist kann dabei so fein werden, dass er manchmal so wirkt, als wäre er unbewusst. Tatsächlich handelt es sich dabei um ein Stadium der Konzentration mit einem sehr feinen und entwickeltem Objekt. Manchmal, insbesondere wenn das Objekt etwas gröber ist, fühlt sich die Vereinigung des Geistes mit dem Objekt wie ein Hineinsinken an. Es ist so, als würdet ihr in einen tiefen Schlaf fallen.
In Wirklichkeit ist es jedoch so, dass euer Bewusstsein und eure Kenntnis vorhanden sind, nur mit dem Unterschied, dass sie anders gelagert sind – sie sind tiefer. Auf diese Art hat das “Segeln“, bzw. hat die fließende Phase viel Ähnlichkeit mit der Zugangskonzentration.
Das “Fliegen und Verschwinden“ oder “Einsinken und Verschwinden“ (Ich sage nicht, dass dies tatsächlich stattfindet) haben viel Ähnlichkeit mit dem, was wir Vertiefung nennen.
Solche Konzentration während der Meditation baut einen Schwung auf, die sich immer mehr zum Objekt hin bewegt. Wo ihr letztlich hinkommt, hängt von eurer Praxis ab. Wenn ihr z. B. Metta übt, ist es der Schwung der Liebenden Güte, die weiterfließt, bis sie sich zu feineren Stadien entwickelt und sich schließlich mit dem Objekt vereint.
Wenn ihr an verschiedene andere Dinge denkt oder verschiedene Stimmungen habt, dann werden sich der Schwung und das Objekt nicht so charakteristisch entwickeln. Es ist schwierig, diesen Grad an Konzentration zu bekommen. Und wenn ihre in tiefere Stadien kommt, dann könnt ihr davon ausgehen, dass dies nur mit Achtsamkeit möglich ist.
Wenn ihr Liebende-Güte-Meditation übt, wird sie sich nicht in Einsicht verwandeln können, weil die gesamte Energie Metta-Energie ist und nicht Energie, die für die Einsicht in die Wirklichkeit notwendig ist. Die Metta- Energie bewegt sich ständig zu der Person, der ihr sie sendet. Ähnlich ist es mit Visualisationen. Die Energie bewegt sich kontinuierlich auf das visualisierte Objekt zu.

Das kontinuierliche Notieren um die Realität zu erfahren
Wenn ihr die Erfahrung der Realität mit ihren drei charakteristischen Eigenschaften (Unbeständigkeit, Unzulänglichkeit und Nicht-Selbst) und diejenige von nibbana machen möchtet, dann müsst ihr von Anfang an das Notieren auf die Natur der Wirklichkeit richten. Die entsprechende Schwungkraft wird dann aufgebaut. Dies ist der Grund, warum ihr jeden Geist-Körper-Prozess beobachten müsst, vom Aufwachen an am Anfang des Tages bis zum Zeitpunkt, an dem ihr euch zum Schlafen legt und das nicht nur während der Geh- und Sitzmeditation, sondern bei jeder täglichen Aktivität wie beispielsweise Essen oder Trinken.
All dies sind Geist-Körper-Prozesse. Notiert sie, beobachtet und konzentriert euch so auf sie, dass ihr sie kontinuierlich beim Entstehen und Vergehen notieren könnt. Selbst beim Sitzen, auch wenn viele Objekte erscheinen (all dies sind Geist-Körper-Prozesse), betrachtet ihr lediglich, wie sie entstehen und wieder vergehen.
Wenn ihr wiederholt durch Beobachtung den Prozess betrachtet, wird der Geist sich mehr und mehr auf die Natur der Veränderung konzentrieren. Letztendlich werdet ihr euren Geist auf den Wechsel des Entstehens und Vergehens von Körper und Geist (nama rupa) richten. Wenn ihr das nicht tut, wird der Geist nicht fließen und geeint sein können. Er wird sich nicht auf die Veränderlichkeit konzentrieren. Und wenn er sich nicht mehr auf die Veränderung konzentrieren kann, könnt ihr auch keine Verwirklichung hervorbringen.

Die Einzigartigkeit der Vipassana-Konzentration
Die meisten Konzentrationsarten sind etwas mehr als nur Ruhe. Diese Zustände sind friedlich, sie sind kraftvoll. Sie sind sehr nützlich, führen aber nicht in die Verwirklichung, weil diese Form der Konzentration schlichtweg nicht dorthin führt. Vipassana-Konzentration ist einzigartig. Man trifft sie selten an. Und es ist nicht leicht sie zu entwickeln, da sie die sich verändernden Objekte beobachtet. Es ist einfacher, sich auf stille statt auf wandelnde Objekte zu konzentrieren.

Wenn ihr euch den Verlauf der Veränderungen des Geist-Körper- Prozesses anschaut, dann ist es nicht vermeidbar, dass ihr unbequemen und bedrückenden Dingen begegnet.
Veränderung assoziiert man normalerweise mit bedrückender Erfahrung. Wenn etwas sehr ruhig und still ist, scheint es das Beste zu sein, wenn es auf diese Weise bestehen bleibt. So wird die Veränderung allerdings nicht offenbar.
Aber wenn die Veränderung beginnt, zu offensichtlich zu werden, dann fängt sie an beunruhigend zu werden und ist daher auch ein Aspekt der Unzulänglichkeit, des Leidens. Ein gutes Beispiel ist die Vibration. Wenn Vibration sehr intensiv ist, dann werdet ihr sie als störend empfinden. Falls Vibration sehr fein ist, scheint sie eher friedlich zu sein. Wenn ihr also anfangt die Veränderung zu betrachten, so könnt ihr es nicht vermeiden Wahrnehmungen der Unzulänglichkeit und der Bedrückung wahrzunehmen. Daher ist es nicht besonders angenehm mit der Vipassana- Konzentration anzufangen, da hier das Wesen der Veränderung deutlich zu Tage tritt.
Dessen ungeachtet sollte sie praktiziert werden. Sonst kann nibbana nicht erfahren werden. Ihr müsst dies klar verstehen und dazu noch die entsprechende Ausdauer haben. Sonst werdet ihr schließlich wie die Leute enden, die sagen: “Oh, Ich mache gar keinen Fortschritt. Alles, was ich bekomme ist mehr und mehr Leid. Ich sollte lieber schlafen gehen.“
Diejenigen, die trotz dieser Empfindungen genug Ausdauer hatten, kennen die Bedeutung und den Zweck der Vipassana-Meditation.

Jhana-Stufen in der Samatha-Meditation
In der Samatha-Meditation werden in den unterschiedlichen jhanas (Vertiefungen) verschiedene Erfahrungen gemacht. Angefangen mit der Zugangskonzentration sind das erste, das zweite bis hin zum achten jhana (Vertiefungen) eine Art eingefrorener Zustand des Geistes. Der Geist ist eingefroren und mit dem Objekt vereint.
Er geht dabei in immer tiefere Stadien. Normalerweise beschreiben es die Leute als ein Eintauchen in die Leere, da das Objekt so fein ist, dass es einem erscheint als wäre man in einem tiefen Schlaf.
Am Anfang werdet ihr den geistigen Zustand in den Vertiefungen nicht genau erkennen. Aber mit zunehmender Erfahrung werdet ihr, nachdem ihr daraus aufgetaucht seid, genau wissen, um was für einen Zustand es sich handelt. Ihr werdet dann auch die Natur des Objektes verstehen, in das der Geist vertieft ist. Dies ist etwas anderes als eine einfache Betrachtung. Hier erkennt man die Zustände, die Natur des Bewusstseins, die Geistesfaktoren und die beteiligten Faktoren der Konzentration, die als die fünf Jhana- Faktoren bezeichnet werden.
Der erste Faktor ist Gedankenfassen (vitakka), die Kraft, die den Geist zum Objekt bringt. Der zweite Faktor ist beim Objekt verweilen (vicara), eine Kraft, die die Aufmerksamkeit des Geistes auf dem Objekt verweilen lässt. Die Freude (piti), die ihr durch das Objekt erhaltet, der tiefe Friede, das Glück (sukha) und die Konzentration (samadhi) des Geistes, die durch das Objekt entsteht.
Da sich dieses Buch eigentlich nicht mit Samatha-Meditation beschäftigt, werden wir diese Faktoren im Detail jetzt nicht weiter ausarbeiten.

Einsichtsstufen in der Vipassana-Meditation
In der Vipassana-Meditation ist die Konzentration mit verschiedenen Einsichtsstufen verbunden. Mehr Vipassana-Konzentration wird mehr konzentrierte Bewusstheit der Wirklichkeit hervorbringen. Je konzentrierter die klare Bewusstheit ist, desto klarer wird das Verständnis der drei allgemeinen Daseinsmerkmale. Und dadurch werden schließlich die verschiedenen fortschreitenden Stufen des Einsichtswissens erfahren. Letztendlich führt dies dann zur Erfahrung von nibbana, dem Unbedingten.
Nun, da wir die Natur der Konzentration und die verschiedenen darin enthaltenen Konzentrationsarten erklärt haben, lasst uns auch die verschiedenen Arten der Meisterung der Vertiefungen (Jhana-Konzentration) betrachten.

Benötigte Fähigkeiten, um die Ruhemeditation (Samatha-Meditation) zu meistern

1. Eintritt in die Vertiefung
Die erste Fähigkeit wird als “Hinwenden” bezeichnet. Sie bringt den Geist in den Zustand der Konzentration, der dann in samadhi (jhana) mündet. Das heißt, dass der Geist ganz und gar ins Objekt versunken ist und dort auch verbleibt.
Wir fangen damit an den Geist auf das Objekt zu richten und alles andere zu vergessen. Bleibt auf das Objekt gerichtet, indem ihr einfach euren Geist darauf gerichtet haltet. Es hört sich sehr leicht an, es könnte sich jedoch als schwierig erweisen, da der Geist der Menschen sehr kompliziert ist.
Es gibt einige Dinge, die uns dabei unterstützen. Das erste ist physische Bequemlichkeit. Wenn man sich körperlich gut fühlt, ist es einfacher sich zu konzentrieren. Ihr solltet es euch aber auch nicht zu bequem machen, also euch z. B. nicht aufs Bett legen. Es könnte sonst sein, dass ihr einschlaft, wo ihr doch eigentlich meditieren wolltet. Macht es euch bequem, aber bleibt wachsam.
Schmerz, Krankheit und viel Krach können euch ablenken und die Meditation schwierig machen. Wenn es draußen kalt ist, kann es schwer sein die Gehmeditation zu praktizieren. Stellt also sicher, dass ihr körperliche Bequemlichkeit und einen ruhigen Platz habt.
Als zweites solltet ihr einen möglichst friedlichen Geist haben. Ihr solltet keine Sorgen haben. Sagt euch selbst, dass ihr die Dinge unvoreingenommen betrachten wollt und lasst sie los. Dies ist nicht zu schwierig. Denkt an all die Schwierigkeiten, die Menschen in Kriegsgebieten haben, von Leuten, die in Äthiopien und Somalia verhungern, bis sie sterben. Dann werdet ihr realisieren, dass ihr keine großen Probleme habt. Hört auf, euch über kleine, belanglose Dinge Sorgen zu machen. Schafft in euch eine Insel geistigen Friedens.
Solltet ihr von Wut oder Groll erfüllt sein, so werft diese weg, so wie ihr eine heiße Kartoffel wegwerfen würdet. Haltet nicht an dem Mist fest, der euch nur unglücklich machen kann.
Nachdem ihr inneren Frieden erlangt habt, geht gegen die unterschwelligen Strömungen, Tendenzen, Eigentümlichkeiten, etc. an, die ihr im Strom der Achtsamkeit erkennt. Stärkt eure kontinuierliche Achtsamkeit, indem ihr diese Dinge notiert.
Auf diese Weise macht der Geist es sich zur Gewohnheit die Dinge mit voller geistiger Klarheit zu betrachten und nicht oberflächlich über sie hinwegzugehen. Wenn der Geist regelmäßig geistig notiert und dabei mit Achtsamkeit vorgeht, dann sprechen wir davon, dass die geistige Praxis in Schwung gekommen ist. Wenn diese Schwungkraft der Achtsamkeit entwickelt und euer Geist friedfertig ist, dann kehrt auch in eurem Körper Frieden ein.
Alles, was ihr tun müsst, ist euren Geist auf das Objekt zu richten. Wenn ihr euch lange genug auf ein Objekt konzentrieren könnt, dann bleibt einfach dabei. Denkt weder an Vergangenheit noch an die Zukunft, hört einfach auf darüber nachzudenken, vergesst alles. Es ist wie als wenn ihr euch schlafen legt, nur mit dem Unterschied, dass ihr nicht schlaft. Ihr beobachtet lediglich das Objekt von Moment zu Moment.
Ich versichere euch, dass ihr innerhalb einer Minute in den Zustand der Vertiefung kommen könnt. Manchmal ist es sogar weniger als eine Minute und ihr werdet in das Objekt versinken. Das ist es, was „den Geist auf das Objekt halten“ bedeutet. Wenn wir vom “Heben” und “Senken” sprechen, dann heißt das: Haltet eure Aufmerksamkeit lediglich dort auf den Unterbauch gerichtet. Das “Heben” und “Senken” muss nicht extrem klar umrissen sein. Es kann lediglich eine leichte Bewegung des Hebens und Senkens sein, da wir im Augenblick nicht über Einsicht sprechen. Wir reden nur über Konzentration.
Ihr könnt anstatt “Heben” und “Senken” auch die Worte “Steigen” und “Fallen” benutzen. Ihr müsst euch aber von allem frei machen können. Wenn ihr am Körper haftet, das Konzept eures Körpers aber transzendieren solltet, kann es sonst passieren, dass ihr glaubt verrückt zu werden. Dann könnt ihr natürlich nicht ganz und gar in diesem “Steigen” und “Fallen” aufgehen. Ihr werdet denken, dass ihr dabei seid einzuschlafen und ihr werdet nicht mehr das Steigen und Fallen (der Bauchdecke) bewusst wahrnehmen.
Macht euch von allem frei, kümmert euch nicht um Raum und Zeit (also wo ihr jetzt im Moment seid). Macht euch auch keine Gedanken darüber wer ihr seid. Haltet einfach nur euren Geist auf das „Heben“ und „Senken“ der Bauchdecke gerichtet. Richtet euren Geist aus, wie das Licht einer ruhigen Kerze in einer windlosen Nacht. Bleibt einfach bei der Bewegung. Kümmert euch nicht darum, ob sie unterschwellig oder grob ist, seid euch einfach nur bewusst.

Wenn ihr dies lange genug praktiziert, dann werdet ihr in die Vertiefung eintreten. Dies alles ist sehr einfach. Das Wichtigste daran ist, dass eine stabile kontinuierliche Konzentration aufgebaut wird und eine kontinuierliche Schwungkraft achtsamen Notierens. Wenn ihr das erst einmal geschafft habt, könnt ihr euch das wieder ins Gedächtnis rufen. Dann könnt ihr diese Vertiefung - wann immer ihr wollt - erreichen. Nachdem ihr es geschafft habt in die Vertiefung zu kommen, müsst ihr als Nächstes lernen darin zu bleiben.

2. In der Vertiefung verbleiben
Das Verbleiben in der Vertiefung erfordert Übung. Weiterhin erfordert es Vorbereitung gefolgt von richtiger Haltung.
Vorbereitung ist erforderlich um zu ermöglichen, dass die Konzentration eine gewisse Zeit lang aufrechterhalten werden kann. Für längere Perioden der Konzentration braucht ihr viel Energie. Das heißt, dass ihr die Schwungkraft sorgfältig aufbauen müsst, damit auch die dadurch akkumulierte Energie stark ist.
Wenn ihr es geschafft habt solche Konzentration aufzubauen, ist alles nur noch eine Frage der Haltung.
Haltung in diesem Zusammenhang meint Geduld, anhaltende Geduld. Es ist hier wie das Anhalten von Luft. In die Konzentration zu gehen ist, wie als wenn ihr einmal tief Luft holt und diese anhaltet. Seid ihr zu angestrengt, dann kann die Konzentration nicht lange anhalten. Seid ihr dabei jedoch ruhig und entspannt, dann kann sie lange anhalten. Ihr müsst in euch die Haltung entwickeln, dass ihr euch keine Gedanken darüber macht wie lange ihr schon sitzt, dass ihr euch also keine Gedanken über Zeit macht. Es ist wichtig sich vorzubereiten. Wenn ihr in eine lange, tiefe Konzentration eingehen wollt, sagen wir einmal für drei bis vier Stunden, dann solltet ihr einplanen dies nach dem Mittagessen zu tun, damit ihr euch über das Mittagessen keine Sorgen zu machen braucht. Andernfalls werdet ihr sagen: “Ich möchte mein Mittag nicht ausfallen lassen, ich werde jetzt nicht lange in der Vertiefung verbleiben.”
Ihr müsst alle Konzepte von Zeit loslassen, alle Dinge, die euch beunruhigen und tief in eurem Geist festsitzen, die müsst ihr loslassen. Und ihr müsst den klaren Wunsch haben in der Konzentration für lange Zeit zu bleiben.
Falls ihr ungeduldig seid und sagt: “Oh, wenn ich zu lange in der Vertiefung bleibe, dann werde ich keine Zeit für Einsichtsbetrachtung haben“, dann werdet ihr natürlich nicht lange in der Vertiefung bleiben. Das ist der Grund, warum der Geist mit der richtigen Einstellung herangehen muss. Habt ihr einmal die Natur der Vertiefung und die richtige Geisteshaltung verstanden, sodass ihr darin lange Zeit verbleiben könnt, dann habt ihr die Fähigkeit des Verbleibens erlangt. Also, wie lange Zeit wir in Vertiefung verweilen können, welcher geistige Zustand dafür angemessen ist und in welchem geistigen Zustand man dies nicht tun kann etc.
Wenn ihr all die Bedingungen kennt, dann könnt ihr für längere Zeit in der Vertiefung bleiben.

3. Die Fähigkeit des Herauskommens
Dann gibt es noch die Fähigkeit des Herauskommens aus der Vertiefung zur rechten Zeit. Dies ist nicht ein solch großes Problem wie die Aufrechterhaltung der Konzentration. Wenn man in der Lage ist die Vertiefung beliebig lange aufrecht zu erhalten, dann sollte man auch in der Lage sein, das Daraus-wieder-Auftauchen zu steuern. Ihr könntet zu einer von euch bestimmten Zeit daraus auftauchen. Wenn ihr beispielsweise in tiefe Konzentration gehen möchtet, dann sagt euch: “Ich möchte in vier Stunden aus der Vertiefung wieder auftauchen.” Sind eure Fähigkeiten entwickelt, dann werdet ihr exakt in der Sekunde aus der Vertiefung auftauchen zu der ihr es wünscht. Ihr könnt euch auch darauf trainieren, in Beziehung zu bestimmten Situationen aufzutauchen, etwa vor dem Mittagessen oder wenn jemand euch anruft. Es ist, als würde man den Geist darauf programmieren auf bestimmte Bedingungen in bestimmter Weise zu reagieren. Diese Fähigkeit zu besitzen ist ein großer Vorteil.
Um Einsicht zu entwickeln muss man genug Zeit dafür haben. Es bedarf eines klaren Geistes und starker Konzentration dazu. Daher müsst ihr die Fähigkeit entwickeln, in die Vertiefung einzutreten und in diesem Zustand der Vertiefung zu verbleiben. Dies wird lange Zeit beanspruchen. Und ihr müsst häufig praktizieren.