Das Hauptziel der buddhistischen Meditation ist es den Geist von allen negativen Tendenzen – wie Gier, Hass und Verblendung – durch geistiges Training zu reinigen. Wenn alle negativen Tendenzen entfernt sind, ist der Geist vom Leiden befreit. Das tatsächliche Ziel ist sehr hoch, es zielt auf die komplette Aufhebung des Leidens. Dieser Prozess findet nicht nur in einem Leben statt, sondern erstreckt sich über viele Existenzen.
Ruhe- und Einsichtsmeditation
Es gibt zwei Meditationsarten Ruhemeditation und Einsichtsmeditation. Der wichtigste Faktor beider Meditationsarten ist die geistige Entwicklung der Achtsamkeit.
Ruhemeditation ist die Konzentration eines ruhigen friedlichen Geistes. Sie hat zum Ziel den Geist kontrolliert und achtsam auf ein Objekt zu richten und ihm nicht zu erlauben abzuschweifen. Der Geist ist dann dadurch wie eine nicht flackernde Kerzenflamme vollständig in Ruhe. Das ist die Natur der Ruhemeditation. Der Geist wird dadurch sehr friedlich und kraftvoll, da die Konzentration die eines reinen unbefleckten Geistes ist.
Einsichtsmeditation ist anders. Sie ist nicht nur damit beschäftigt, den Geist ruhig zu halten. Sie beschäftigt sich mit durchdringender Beobachtung, ohne zu denken, ohne irgendwelche Vorstellungen. Sie erlaubt dem Geist die wahre Natur der Dinge, so wie sie sind, zu verstehen. Sie durch- dringt Dinge, wie die Natur des Geist-Körper-Prozesses, die Natur der Person und die Natur der Welt. Durch das Verstehen der Natur der Existenz hat der Geist dann keine Probleme mehr mit dem Wesen der Existenz. Der Geist versteht die wahre Natur der Dinge und wird dadurch gereinigt. Durch dieses Verfahren transzendiert der Geist alles. Er transzendiert die konzeptionelle Realität, er transzendiert die bedingte Realität und geht schließlich in einen unveränderlichen Zustand der absoluten Realität ein. Durch lange Praxis ist es das, was letztendlich vom Geist erfahren wird. Am Anfang unserer Übung müssen wir zuerst das Wesen der Achtsamkeit erfassen und sie dann - solange wir leben - weiterentwickeln. Die Anwesenheit von Achtsamkeit bestimmt den Unterschied zwischen wahrem und falschem Glück und - ob man wirklich lebt oder eigentlich tot ist.
Wahres Glück und falsches Glück
Wahres Glück ist, wenn wir echten „Seelenfrieden“ haben. Falsches Glück, wenn Gier und Aufregung den Geist überwältigen. Dies kann auch eine Angelegenheit von Leben und Tod werden. Sonst kann es z. B. passieren, dass wir durch Unachtsamkeit einen Unfall verursachen. Achtsamkeit kann auch unsere Wiedergeburt im Himmel oder in der Hölle bestimmen, da nach der Lehre des Buddha Kamma-Resultate von heilsamen oder unheilsamen Taten abhängen. Diese Kamma-Resultate werden uns in den Himmel, zur Erde oder zur Hölle bringen. Letztendlich ist es Achtsamkeit, die den Unterschied zwischen nibbāna und samsāra (ewiges Glück und ewiges Leiden) macht. Deshalb ist es nicht wichtig, wie wir leben, wo wir leben und wer wir sind. Die praktizierte Achtsamkeit macht den bedeutsamen Unterschied. Da wir Achtsamkeit entwickeln möchten, ist es nötig eine klare Vorstellung vom Wesen der Achtsamkeit zu haben.
Die Natur der Achtsamkeit
Es gibt mehrere charakteristische Faktoren der Achtsamkeit. Der erste Faktor ist Geistesklarheit. Das heißt, ein reiner klarer Geist, der frei ist von Gier, Ärger, Langeweile, Wahnvorstellungen und Fantasien. Wenn Gier oder Anhaften, Ärger oder Hass, Wahn oder Langeweile im Geist entstanden sind, ist der Geist nicht richtig klar. Würdet ihr z. B. bei einem Betrunkenen sagen, dass sein Geist klar ist? So ein Geist ist nicht klar, sondern völlig durcheinander. Alles, was er will, ist wahrscheinlich noch mehr Alkohol trinken um seine Sorgen zu ertränken. Ein anderes Beispiel ist, dass jemand ärgerlich wird, die Beherrschung verliert, sehr traurig oder depressiv ist. Würdet ihr denken, das dieser Geist klar ist? Nein, dieser Geist ist nicht klar. Dieser Geist ist schwer, dunkel, aufgeregt, düster und töricht. Achtsamkeit ist ein sehr klarer Zustand des Geistes. Wenn ihr sehr wach- sam seid, dann ist euer Geist klar und ungestört. Dies wird Geistesklarheit genannt. Euer Geist ist dann wie klares Wasser, wie der klare Himmel.
Der zweite charakteristische Faktor der Achtsamkeit ist Stabilität, Stille und Frieden. Lasst uns einmal die Gegensätze vergleichen. Wenn der Geist einer Person Ärger erfährt, ist er aufgeregt, nicht ruhig, nicht stabil. Er ist gestört wie aufgerührtes oder kochendes Wasser. Auch wenn der Geist Verlangen erfährt, ist er aufgeregt und gestört und nicht ruhig und fest. Wenn der Geist nicht ruhig, friedlich und fest ist, ist er in einem verwirrtem Zu- stand. Er ist stumpf. Der Geist, der ruhig, friedvoll und fest ist, ist genauso, als wenn wir aus einer guten Meditation oder einem guten Schlaf herauskommen. Wir haben keine Sorgen. Es ist geradeso, als wenn wir am Strand schlendern oder als wenn wir zu Hause ein gutes Buch lesen. Unser Geist ist dann ruhig und fest. Dies ist natürlich jetzt nicht eine Beschreibung des meditativen Zustandes, sondern die Beschreibung eines ruhigen und festen Geistes. Wenn wir uns in einem Zustand der Ruhe, Stetigkeit und Friedlichkeit befinden, sollten wir, wenn uns jemand beschimpft, in Ruhe verbleiben und nicht verstört werden. So ist der Zustand der Achtsamkeit friedlich, glücklich und stressfrei. Es ist charakteristisch für die Achtsamkeit, dass, wenn Geistesklarheit, Stabilität, Ruhe und Frieden erreicht sind, ein dritter Faktor ins Spiel kommt.
Dieser dritte Faktor ist die Wachsamkeit des Geistes. Der Geist wird nicht im schlechten, sondern im guten Sinne empfindsam. Empfindsam zu sein im schlechten Sinne heißt, wenn wir durch jemanden, der etwas Ärgerliches sagt, gestört werden. Im guten Sinne empfindsam bedeutet, sehr ruhig, wachsam, stabil und scharfsinnig zu sein darüber, was jetzt gerade passiert. Man weiß genau im Einzelnen und mit großer Klarheit, was gerade geschieht. Bitte stellt euch diese Eigenschaften der Achtsamkeit vor. Versucht den Zustand der Achtsamkeit zu erfassen, sobald ihr ihn habt.
Wenn wir sicher erkennen können, dass diese Qualitäten in unserem Geist existieren, können wir tatsächlich sagen, dass wir achtsam sind. Es gibt auch noch einen anderen Typ von Achtsamkeit mit ähnlichen Eigenschaften, der während der Einsichtsmeditation entsteht. Dieser Zustand ist wie ein Licht, wie eine Bewusstheit, die in uns selbst konzentriert ist, in unsere eigenen Geist- und Körperprozesse. Das letztendliche Ziel der Einsichtsmeditation ist es, nach innen zu schauen und dort unsere eigene Natur zu entdecken. Nur weil wir unsere eigene Natur nicht verstehen, tauchen Befleckungen wie Gier, Hass und Verblendung und damit das ganze Leiden auf. Es gibt bestimmte spezielle Eigenschaften, die mit Achtsamkeit in der Einsichtsmeditation verbunden sind.
Die erste der Eigenschaften ist „nicht denken“. Wir denken nicht, wir beobachten nur. Das heißt aber nicht, dass wir während eines Retreats überhaupt nicht denken. Aber wenn wir denken, wissen wir achtsam darum. In der formalen Meditationsübung wird das Denken jedoch zur Seite gelegt und der Geist beobachtet mit konzentrierter Achtsamkeit ohne zu denken.
Die zweite Eigenschaft (nachdem wir aufgehört haben zu denken) ist, dass der Geist auf die Gegenwart oder die gegenwärtigen Ereignisse ausgerichtet ist. Wir gehen nicht in die Vergangenheit oder Zukunft. Wir halten den Geist auf die Gegenwart gerichtet und wissen, was mit unserem Meditationsobjekt geschieht.
Zusammengefasst gibt es folgende Qualitäten der Achtsamkeit:
• Der Geist ist klar, ohne Gier, Hass und Verblendung. Der Geist muss frei von aller Verwirrung und Aufregung sein.
• Der Geist ist stabil, ruhig, ungestört und friedvoll.
• Sobald der Geist frei, ruhig, stabil und ungestört geworden ist, machen wir den Geist nun scharf und empfindsam (empfänglich). Wenn die Achtsamkeit scharf und empfindsam ist, richten wir sie immer wieder auf unser Meditationsobjekt. Wenn wir unsere Achtsamkeit wiederholt so auf das Meditationsobjekt lenken, während wir die ganze Zeit wissen, was im gegenwärtigen Moment passiert, dann steigt der Prozess der Einsichtsentwicklung auf.
Wie werden wir uns in dieser Welt bewegen, wenn wir achtsam sind? Wir bewegen uns dann glücklich, ruhig und effizient. Wir entwickeln aber nicht nur Achtsamkeit um uns glücklich in dieser Welt zu bewegen, sondern versuchen wesentlich mehr zu entfalten als nur das.
Meditations-Retreat
Während dieser Zeit der eigentlichen Meditation, wenn unsere gesamte Energie auf das Erkennen, was in uns vorgeht, gerichtet ist (also in den Geist- und Körperprozessen), ziehen wir den meisten Nutzen aus ihr. Während des Retreats ist unser Leben auf eine minimale Anzahl von Aktivitäten reduziert. Diese Aktivitäten können so unterteilt werden: Gehmeditation, Sitzmeditation und andere alltägliche Aktivitäten. Was auch immer für eine dieser Tätigkeiten gerade ausgeführt wird, der Zweck der Praxis ist immer:
• den Geist in der Gegenwart zu halten,
• die Achtsamkeit klar, ruhig und gegenwärtig zu halten,
• zu sehen, was mit unserem Meditationsobjekt gerade passiert.
Während der Gehmeditation ist der Gehprozess das Objekt der Achtsamkeit. Während der Sitzmeditation ist das Objekt das „Steigen“ und „Fallen“ der Bauchdecke. Und in anderen alltägliche Aktivitäten ist unser Objekt dasjenige, was wir gerade tun und darum zu wissen. Gehmeditation Es ist üblich, die Gehmeditation nach Geschwindigkeit einzuteilen:
• Zügiges Gehen
• Moderates Gehen
• Langsames Gehen
Zügiges Gehen Zügiges Gehen ist ein Gehen, das schneller ist als unser normales Gehen. Es kann auch beinahe zum Laufen werden. Wenn wir zügig gehen, halten wir unseren Geist auf den Schritt gerichtet. Um den Geist besser auf den Schritt zu halten, können wir mental sagen „Links, Rechts, Links Rechts...“ oder „Gehen, Gehen....“. Normalerweise wird auf einer geraden nicht zu langen Strecke gegangen. Am Ende der Strecke drehen wir dann um. Während langer Retreats wird zügiges Gehen manchmal nach ausgiebigen Sitzperioden zur Vertreibung der Müdigkeit angewendet. Nach fünf oder zehn Minuten zügigem Gehen können wir dann zum moderaten Gehen wechseln. Moderates Gehen Während eines kurzen Retreats wird meistens in moderatem Tempo gegangen. Zuerst müssen wir uns unserer stehenden Körperhaltung bewusst werden. Die stehende Haltung ist eine gute Ausgangsbasis um unsere Achtsamkeit auf unsere Füße hinunterzulenken. Wenn wir so stehen, nehmen wir zuerst einen tiefen Atemzug und entspannen uns. Entspannung ist eine der ersten Schritte um die Achtsamkeit zu erwecken. Wenn wir verspannt sind, können wir nicht locker und achtsam sein. Wenn wir wissen, dass unser Körper entspannt ist, lassen wir unseren Geist klar werden, ohne irgendeinen Gedanken. Haltet den Geist einfach ruhig, klar und geistig entspannt.
Während der Gehmeditation sind unsere Augen nach unten gesenkt, sie schauen jedoch nicht etwas Bestimmtes am Boden an. Unsere Augenlider sind halb geschlossen, wenn wir entspannt sind. Nur wenn wir wirklich etwas anschauen wollen, sehen wir geradeaus. Sonst sind unsere Augen abwärts gerichtet. Wir fokussieren nichts, weil wir unsere Achtsamkeit auf unsere Fußsohlen gebracht haben. Wenn wir das Bewusstsein vom Kopf zu den Fußsohlen bringen, werden wir wissen, dass der Körper aufrecht und fest steht. Ihr könnt geistig notieren „Stehen, Stehen...“ Seid euch dabei des ganzen Körpers bewusst. Wir müssen sicher gehen, dass wir echte Bewusstheit wie die, die wir früher beschrieben haben, besitzen: klar, stetig, ruhig, sehr wachsam und empfindsam zur stehenden Körperempfindung. Erst dann bringen wir das Bewusstsein auf die Fußsohlen. Das achtsame Bewusstsein ist wie ein Licht, das exakt an einem Punkt scheint. Wir halten unseren Geist sehr ruhig und empfindsam, klar und wachsam und dann lenken wir unsere Bewusstheit aufs Ziel. Durch die den Boden berührenden Fußsohlen haben wir entsprechende Empfindungen wie Gewicht, Untergrundstruktur, Hitze, Kälte oder nur klare Bewusstheit. Wenn wir viele Empfindungen spüren, gehen wir normalerweise davon aus, dass sie wahr sind. Wir müssen unsere Bewusstheit auf diese Empfindungen fokussieren. All diese Empfindungen sind Grunderfahrungen, bevor andere abgeleitete Formen und Gedankenprozesse beginnen. Wie zum Beispiel die Idee, wer wir sind, was wir sind und was um uns los ist. Wenn wir diese Grundempfindungen erfasst haben, fangen wir normalerweise an darüber nachzudenken und so entwickelt der Geist dadurch noch andere weitere Vorstellungen. Diese Grundempfindungen sind die rudimentäre Form der Erfahrung und Existenz und der Anfang, bevor all die komplizierten Dinge erscheinen. Wenn wir uns dieser Empfindungen bewusst geworden sind, fangen wir an zu gehen – linker Schritt, rechter Schritt, linker Schritt, rechter Schritt, wir sagen mental „Links, Rechts, Links, Rechts.“ Mentales Notieren „Links, Rechts“ hilft uns den Geist auf das Objekt gerichtet zu halten, damit wir nicht anfangen zu denken. Gewöhnlich sind die Hände vor oder hinter dem Körper gefaltet. Die Füße sollten nicht zu hoch gehoben werden, sonst steht ihr nicht sicher und fest. Der Platz zwischen euren Füßen sollte auch nicht zu groß sein, weil ihr so auch nicht stabil steht. Das Schritttempo sollte moderat langsam sein und die Schritte sollten nur halbe Länge haben. Wenn ihr noch langsamer geht, werdet ihr das Gefühl haben, als würden eure Füße parallel über den Boden gleiten. Hebt nicht mit Absicht euer Bein hoch. Wenn sich der Körper vorwärts bewegt, heben sich die Fersen automatisch. Dreht eure Fersen dabei nur wenig. Dann schiebt den Fuß vorwärts und setzt ihn ab. Das Ablegen sollte wie bei einem langsamen natürlichen Gang geschehen. Stellt sicher, dass ihr achtsam, klar, stabil, friedvoll und sehr wachsam seid und genau darauf zielt, was mit dem Schritt gerade passiert. Dies scheint ein sehr einfaches Verfahren zu sein, aber der Geist gehorcht normalerweise nicht. Er kann nicht für lange Zeit auf den Fuß fokussiert sein, sondern wandert sonst wo hin. Er denkt oder er wird stumpf. So hat er natürlich keine Achtsamkeit mehr. Denken während der Gehmeditation Es gibt zwei Arten des „Denkens”:
1. Wir wissen, dass wir denken. Sobald wir wissen, dass wir denken, geht das Denken weg. In diesem Fall müssen wir mit dem Gehen nicht aufhören.
2. Wir wissen, dass wir denken, aber wir können damit nicht aufhören. In diesem Fall müssen wir anhalten und geistig notieren „Denken, Denken...“ Wenn wir das Denken achtsam erkennen, geht es weg. Wenn es weggegangen ist, sind wir wieder bewusst. Dann können wir unseren Geist wieder zu den Fußsohlen bringen und weiter- machen.
Manchmal taucht das Denken während der Gehperioden öfter auf und ihr müsst häufiger stoppen. Eine andere Störung ist Langeweile. Beim Gehen fangen wir dann an herumzugucken. Wenn wir bemerken, dass wir herumschauen, müssen wir geistig notieren „Schauen, Schauen“. Falls wir das Nichtgelingen bemerken, halten wir an, notieren geistig „Stehen, Stehen“ und beginnen von vorn. Man könnte dies als das „Surfen des Gehens“ bezeichnen. Die Wellen wären dann die Erscheinungen, die uns umgeben. Bemerken wir, dass wir unsere Achtsamkeit verloren haben, sollten wir einen festen Stand finden um uns selbst wieder auszubalancieren und von vorn zu beginnen. Manchmal neigt der Geist zu starken Störungen. Auch wenn wir anhalten und notieren „Denken, Denken... ,“ tendiert er noch zu Fantasien und inneren Monologen. Wenn das passiert, müssen wir zügig gehen „Links, Rechts, Links, Rechts...“ mit kontinuierlichem Tempo. Beobachtungen während der Gehmeditation Sobald wir dafür ein Gefühl bekommen haben und kein Denken mehr vorhanden ist, folgt der Geist einem bestimmten Rhythmus. Wenn der Geist dann diesem Rhythmus und Schritttempo folgt, ist es auch einfacher den Erscheinungen zu folgen. Es ist genauso, als würden wir tanzen und in den Rhythmus der Musik kommen. Wir werden bemerken, dass der Geist dem Gehen bei einem bestimmten Tempo, in einem bestimmten Rhythmus bequem folgen kann, und wenn wir ihn so halten, baut sich die Achtsamkeit und Konzentration aus. Es gibt hier drei Prozesse:
1. Das Erwecken der Bewusstheit
Wir versuchen uns zu entspannen und unseren Geist zu klären, versuchen achtsam zu sein auf alles, was wir denken. Wir können erkennen, ob der Geist stumpf ist oder irgendwohin wandert. Wenn dem so ist, heißt das, dass wir nicht achtsam sind. Deshalb müssen wir dann die Bewusstheit zurückbringen und uns selbst stabilisieren.
2. Wenn erst einmal die Achtsamkeit erweckt worden ist, folgen wir mit Bewusstheit dem Objekt. Also den Fußschritten: „Links, Rechts, Links, Rechts...“ Es ist nicht so, als würde man auf ein festes Ziel schießen, sondern eher auf ein sich bewegendes Ziel wie eine Videokamera, die der Bewegung folgt.
3. Wenn wir es schaffen dem Objekt eine Zeit lang zu folgen, kommen wir zur dritten Phase der Meditation. Die eigentliche Phase der Einsichtsmeditation ist Beobachtung. Nur wenn wir dem Objekt richtig folgen können, kann das Beobachten gut ausgeführt werden.
Während der dritten Phase der Meditation muss die Beobachtung des Gehens mit langsamerem Tempo erfolgen. Jetzt beobachten wir die Empfindungen. Wenn wir z. B. unseren hinteren Fuß anheben, nehmen wir eine Zugkraft wahr. Wie wir dies erfahren, ist davon abhängig wie klar und scharf wir unser Ziel in diesem Prozess erfassen. Um es an einem Beispiel zu verdeutlichen: Wie fühlen wir uns, wenn wir eine Tasche anheben? Wenn die Muskeln anziehen, können wir normalerweise die Anspannung des Hochhebens fühlen. Wenn die Tasche allerdings nicht so schwer ist, fühlen wir nur den Hebemoment und nicht die Anspannung. Wir wählen nicht aus, was wir empfinden. Wir richten unseren Geist auf das Objekt und erlauben unserem Geist die Erfahrung aufzunehmen. Beim Anheben des Fußes notieren wir im Geiste „Heben, Heben“ und beobachten dabei die Hebeempfindung. Beim Vorwärtsschieben sagen wir mental „Schieben, Schieben“ und beobachten die Schiebeempfindung. Die Schiebeempfindung ist in etwa so, als wenn wir einen Einkaufswagen im Supermarkt schieben. Wie fühlt sich dieses Schieben an? Natürlich mag es sich ein wenig schwerer nach einem Essen anfühlen, aber wenn sich euer Geist leicht fühlt, dann ist die Bewegung schneller und wir fühlen nur die Schiebebewegung. Wenn wir unseren Fuß ablegen, sagen wir mental „Ablegen, Ablegen“ und fühlen die Aufsetzempfindung. Es ist wieder wie das Ablegen unserer Tasche ablegen. Auf welche Weise fühlen wir sie? Da ist eine Art von Entspannungsgefühl. Wenn wir unseren Fuß ablegen und den Boden berühren, können wir wieder die Fußsohle spüren. Wir verfolgen so jetzt jeden Schritt. Und zwar beobachten wir die Abfolge von Empfindungsvorgängen, die von der Wade bis zur Sohle beim Gehen auftreten. Diese Empfindungen finden noch vor der Konzeptbildung statt. Dies ist die direkt zu beobachtende Realität.
Sitzmeditation
Nach der Gehmeditation machen wir in sitzender Haltung weiter. Wie bei der Gehmeditation sollten wir zuerst entspannen. Dazu nehmen wir einen tiefen Atemzug. Entspannung ist eine der ersten Bedingungen, damit Achtsamkeit entstehen kann. Nachdem wir entspannt sind und einen klaren Geist haben, richten wir unsere Achtsamkeit auf die Bauchdecke. Wenn wir ein- und ausatmen, gibt es eine durch die Atmung verursachte Bauch deckenbewegung. Wir nennen die Aufwärts- oder Aufbewegung das „Heben“. Wir nennen die Abwärts- oder Abbewegung das „Senken“. Wenn Anfänger diese Bewegung nicht gut erkennen können, können sie die Hände auf die Bauchdecke legen oder dort falten. Damit ihr die Bewegung besser spürt, nehmt ein paar tiefe Atemzüge. Wenn die Bauchdecke sich hebt, sagt mental „Heben“ und wenn sie sich senkt, sagt mental „Senken“. Wenn unser Geist denkt, schläfrig ist oder stumpf, dann können wir die hebende oder fallende Empfindung überhaupt nicht spüren. Wenn die hebende oder senkende Bewegung nicht da ist, heißt das gewöhnlich, dass wir nicht achtsam sind. Es ist genauso wie in der Gehmeditation, zuerst seid achtsam und dann folgt achtsam dem Objekt. Wenn wir erst mal dem Heben und Senken mit Achtsamkeit folgen können, wird die Konzentration aufgebaut.

Wenn die Konzentration aufgebaut ist und wir jedem „Heben“ und „Senken“ sorgfältig vom Anfang bis zum Ende folgen, können wir die Empfindungen auch beobachten. Es ist wie das Beobachten des Auf und Ab von Wellenbewegungen. Die Bewegung geht auf und ab gemäß ihren Bedingungen. Wir versuchen ihnen dann noch näher und präziser zu folgen, als ob unser Geist immer näher an die Wellenbewegung geht – „Heben“ und „Senken“ – aufwärts und abwärts. Dann beobachten wir, wie die Bewegung Stück für Stück aufsteigt, bis sie stoppt und dann Stück für Stück oder Moment für Moment wieder auf die gleiche Art und Weise absteigt. Seid achtsam, folgt und beobachtet den Vorgang. Wahrscheinlich sind wir nicht von Anfang an fähig, dem Objekt so leicht zu folgen und mit ihm mitzugehen. Gewöhnlich „springen“ wir nach einer Weile über das Objekt hinweg, weil unsere Achtsamkeit, also unser Fundament, nicht stabil ist. Das heißt, dass Wellen von Gedanken kommen und uns „wegplatschen“, und wir deshalb wieder in Gedanken verloren sind. In dem Moment, wo wir wieder zu Sinnen kommen „Oh! Ich habe gedacht! Mein Geist wanderte!“ sollten wir „Denken, Denken..., Bewusst, Bewusst...“ notieren. Sobald wir wieder achtsam sind, hören die Gedanken auf. Wenn wir mit den Gedanken mitgehen, gibt es kein Ende und wir werden höchstwahrscheinlich die ganze Meditationsperiode denkend verbringen. Wenn die Gedanken verschwinden, stabilisieren wir unsere Achtsamkeit wieder und beobachten unser Objekt, wie es auf und ab geht. Etwas anderes kann auch noch geschehen: dass wir zwar nicht unseren Gedanken nachhängen, aber anfangen zu dösen und nicht wissen, was gerade im Moment passiert. In dem Moment, wo wir zu uns kommen, wissen wir: „Ah! Ich fühle mich schläfrig, schläfrig... Ich will wachsam bleiben. Ich will wachsam bleiben...“. Wir öffnen unsere Augen, sind bewusst und fangen von vorne an. Anfangs gibt es häufig Momente, in denen wir denken oder dösen. Jedes Mal, sobald wir dies erkennen, müssen wir unsere Achtsamkeit aufrütteln und die Bewusstheit zurück zum „Heben“ und „Senken“ bringen. Mit mehr Übung werden wir fähig werden achtsam zu bleiben, den Wellenbewegungen näher und präziser zu folgen und sie zu beobachten.
Störungen während der Sitzmeditation
Während der Sitzmeditation können viele verschiedene Dinge geschehen und Schwierigkeiten auftauchen. Viele Störungen warten auf uns, wenn wir sitzen. Eine davon ist Schmerz. Wir geben uns aber nicht mit den kleinen Schmerzen hier und dort ab. Wir machen einfach mit Notieren „Heben, Senken“ weiter. Manchmal kann der Schmerz sehr intensiv werden. Insbesondere wenn wir nicht gewohnt sind lange mit gekreuzten Beinen auf dem Boden zu sitzen. Wenn der Schmerz sehr stark ist, verlassen wir das Hauptobjekt („Heben“ und „Senken“). Wir schalten nun um auf den Schmerz, oder wenn es stark jucken sollte, auf das Jucken um dann damit die Achtsamkeit anzuregen. Das Prinzip ist dasselbe. Stellt sicher, dass euer Geist klar, wachsam stabil und achtsam ist. Dann beobachtet den Schmerz. Die Achtsamkeit ist nun auf den Schmerz gerichtet und beobachtet ihn. Wir schauen und fühlen wie sich der Schmerz benimmt, ohne davon beeinflusst zu werden. Wenn wir den Schmerz lang genug beobachten und er dadurch weggehen sollte, kehren wir wieder zum „Heben“ und „Senken“ zurück. Wenn der Schmerz aber nicht weggeht und wir ihn nicht mehr aus- halten können, dann verändern wir unsere Körperhaltung achtsam. Zuerst strecken wir unsere Beine aus um sie dann wieder zurück in Position zu bringen. Der Geist wird wieder ruhig und wir richten ihn von neuem auf das „Heben“ und „Senken.“
Kurz zusammengefasst: stellt sicher, dass der Geist weder denkt noch döst. Wenn dem aber so ist, müssen wir sofort versuchen, unsere Bewusstheit wiederzuerlangen. Bringt den Geist zum Meditationsobjekt z. B. zum „Heben“ und Senken“ und bleibt dabei. Wenn der Schmerz klarer und stärker wird, beobachten wir ihn so lange, bis wir ihn entweder nicht mehr aushalten können, oder bis er von allein weggeht. Dann kehren wir wieder zur Achtsamkeit auf das „Heben“ und „Senken“ zurück. Das Wichtigste ist die klare Bewusstheit und die Achtsamkeit auf das gegenwärtige Gefühl oder die Empfindung. Hin und wieder ist das „Heben“ und „Senken“ der Bauchdecke nicht wahrnehmbar. „Heben“ und „Senken“ ist nicht immer da und es verändert sich auch. Es ist schnell oder langsam, lang oder kurz, manchmal wellen- artig oder manchmal „anspannend.“ Wie eine Welle, die sich auch niemals gleich ist. Ab und zu ist sie hoch, bisweilen niedrig oder sie ist hart und manchmal sehr weich. Was auch immer für eine Empfindung erscheint, wir versuchen ihr zu folgen und sie zu erfahren, so wie sie ist. Das ist das Training der Achtsamkeit. Sitz- und Berührungsmethode Wenn das „Heben“ und „Senken“ nicht wahrnehmbar ist, gehen wir zurück auf „Sitzen“ und „Berühren.“ Wir machen uns den Hintern bewusst, der in Kontakt mit dem Kissen oder dem Boden ist und spüren die Empfindungen dort. Während wir sie beobachten, sagen wir mental „Berühren, Berühren...“. Zuerst spüren wir vielleicht gar nichts, aber wenn wir richtig konzentriert sind und unseren Geist lange genug auf den Berührungspunkt halten, kommt eine Serie von Empfindungswellen auf uns zu, die nun zu unserem Hauptobjekt werden. Am Anfang werden wir wenig Gebrauch von „Sitzen“ und „Berühren“ machen, weil wir das „Heben“ und „Senken“ fast immer erkennen können. Wenn das „Heben“ und „Senken“ jedoch nicht da ist, gehen wir zu „Berühren“ über und wechseln es mit „Sitzen“ ab, dass heißt, dem Beobachten der Spannung am Rückgrat. Während wir also die Empfindungen beobachten, notieren wir „Berühren, Berühren, Sitzen, Sitzen, Berühren, Berühren...“. Gewöhnlich müssen wir nicht sehr lange „Sitzen“ und „Berühren“ beobachten. Wenn „Heben“ und „Senken“ vorübergehend aufhört, gehen wir eben nur für eine Weile zu „Berühren“ und kommen dann wieder zu „Heben“ und „Senken“ zurück. Wenn das „Heben“ und „Senken“ für lange Zeit verschwindet, beobachten wir - wie gesagt - mehr die Berührungsempfindungen am Hintern und den Beinen mit „Berühren, Berühren“, gefolgt von der Spannung im Rückgrat mit „Sitzen, Sitzen“. Dann gehen wir ebenfalls wieder zurück zu „Heben“ und „Senken“.
Warum machen wir das? Der Grund liegt in der Aufrechterhaltung unserer Kontinuität der Achtsamkeit, der Ruhe sowie der klaren Bewusstheit. Das ist sehr nützlich für uns. Gewöhnlich ist jemand nur kurze Zeit achtsam, es mangelt ihm an Kontinuität und die Achtsamkeit ist nicht tief. Er ist nicht fähig einen anhaltenden Frieden und ein tiefes inneres Verständnis seiner selbst zu erzeugen. Wenn wir erst einmal trainiert sind diese Art der klaren Bewusstheit aufrechtzuerhalten, wird das innere Verstehen länger und tiefer andauern. Im weiteren Verlauf wird aus dem tiefen Verstehen Einsichtswissen werden, das unseren Geist reinigen wird und uns befriedigendes Glück schenken kann.
Andere tägliche Aktivitäten
Wenn wir verstanden haben wie Sitz- und Gehmeditation durchgeführt werden, können wir uns nun dem Alltag, der einen großen Teil unseres Lebens ausmacht, zuwenden. Wir müssen achtsam allen Aktivitäten im Alltag folgen und sie präzise beobachten, z. B. vom Moment an, wo wir zur Toilette gehen, bis wir damit fertig sind. Wenn wir essen oder Wasser trinken, müssen wir auch hier Achtsamkeit praktizieren. Beim Wassertrinken müssen wir achtsam auf das Wasser und auf die Tasse sehen, darauf achten wie wir unsere Hände bewegen, wie unsere Hände die Tasse zum Mund führen, wie wir das Wasser trinken, wie das Wasser die Kehle herunterrinnt, die Erfahrung der Kühle des Wassers, die Erfahrung der Empfindungen und wie all diese Empfindungen kommen und gehen.
Abgesehen vom achtsamen Beobachten der Aktivitäten im Alltag, versucht auch die Absicht einzufangen, die jeder Handlung vorangeht. Zwischen jeder Handlung wie sitzen und gehen, gehen und stehen etc., gibt es eine Absicht oder ein Impuls. Zum Beispiel nach langem Sitzen, sagen wir nach einer halbe Stunde, möchten wir aufstehen. Wir mögen das Gefühl des Sitzens nicht mehr. Der Geist sagt uns: „Ich möchte nicht mehr sitzen. Ich möchte aufstehen.“ Es erscheint wie ein Trieb oder Drang, es erscheint als Absicht. Manchmal entsteht es auch durch Überlegen. Wenn so eine Absicht entsteht, sollten wir sie notieren. Andere Beispiele sind die Absicht aufzuwachen, aufzustehen, zu gehen oder sich zu setzen. Wir müssen all diese Absichten zur Kenntnis nehmen, weil diese Teil des Körper-Geist- Prozesses sind und wir so kontinuierliche Achtsamkeit entstehen lassen können. Wir müssen uns all dieser Aktivitäten sehr bewusst sein. Wenn wir ihrer bewusst sind, wird der Geist friedvoll, ruhig und glücklich. Wenn wir weiter fortschreiten, verstehen wir, dass dies alles natürliche Erscheinungen sind. In den tieferen Aspekten der Praxis, wenn unsere Achtsamkeit kontinuierlich geworden ist, kann der Geist auf korrekte Art und reine Weise wirklich konzentriert sein und der Geist springt und vermischt sich mit jedem Objekt, das kommt und geht. Dann können wir die wahre Natur des Objektes verstehen. Die Realität, die als veränderlich, leidhaft und Nicht- Selbst beschrieben wird.