In Malaysia scheint das Interesse am Buddhismus und vipassanā zu wachsen. Aber nicht viele haben die Gelegenheit richtige Anleitungen von einem Meditationslehrer zu erhalten. Außerdem benötigt das Training durch einen Vipassanā-Lehrer Zeit und viel eigene praktische Erfahrungen. Bücher können beim Erlernen von vipassanā eine große Hilfe sein. Leider gibt es nur wenig gute Meditationsbücher. Auch die paar wenigen erhältlichen guten Meditationsanleitungen, sind oft teuer und nicht überall verfügbar. Nehmt zum Beispiel die visuddhi magga (Der Weg zur Reinheit), ein verlässlicher Kommentar und ein Handbuch für Meditationsmeister. Sie wird in den meisten Buchläden nicht verkauft und wenn, dann können nur wenige es sich leisten das Buch zu kaufen. Die in den meisten Büchern angegebenen Instruktionen sind normaler- weise zu allgemein. Jedes Individuum hat seine eigenen besonderen Anlagen und Tendenzen. Jeder reagiert unterschiedlich in verschiedenen Umgebungen und Umständen. Hier wird der Lehrer am meisten gebraucht. Präzise passende Instruktionen kann nur ein Lehrer, der den Meditierenden beobachtet, geben. Ein Lehrer hilft auch auf vielen anderen Wegen. Er regt die Zuversicht und das Vertrauen an, gibt Ansporn und korrigiert Fehler, bevor sie außer Kontrolle geraten. Auch Meditationsanweisungen müssen oft dem Charakter des Meditierenden entsprechend angepasst werden. Um Meditationsprobleme zu handhaben, werden oft unterschiedliche Wege gegangen. Aber wie findet man den Weg heraus? Zweifelsfrei ist nur ein zur Verfügung stehender Lehrer in der Lage, dies zu beurteilen und zu entscheiden. Ein Lehrer muss all die verschiedenen Wege der Problemlösung kennen, damit er die beste Lösung finden kann. Er sollte seine Weisheit und seinen gesunden Menschenverstand benutzen. In diesem Kapitel werde ich einige Hinweise zu den eher gewöhnlichen, während der Meditation auftauchenden, Problemen geben, einige Missverständnisse klären und versuchen für vipassanā das richtige Verständnis zu vermitteln ohne allzu viele technische Ausdrücke zu benutzen.
Achtsamkeit
Man mag schon viele Male über vipassanā gelesen haben und sich trotzdem unsicher fühlen, ob man nun achtsam ist oder nicht. Achtsamkeit ist ein geistiger Zustand, der oft als „Gründlichkeit“,„Wachsamkeit“ oder „Bewusstheit“ beschrieben wird. Achtsamkeit ist eigentlich eine Form des Wissens und sollte vom normalen Wissen unterschieden werden. Ein Irrer weiß auch von Dingen auf seine Weise, aber er ist weit davon entfernt achtsam zu sein. Achtsamkeit kann nicht auftreten, wenn es Gier, Zorn oder Wahn gibt. Wenn man achtsam ist, gibt es zu diesem Zeitpunkt der Achtsamkeit weder Gier, Zorn, noch Wahn. Ein achtsamer Mensch hat seinen Geist vollständig unter Kontrolle und ist in der Lage jede Situation, in der er sich befindet, gut zu handhaben.
Während der Meditation muss man ein Objekt nicht nur erkennen, sondern muss es achtsam erkennen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Unterschied zwischen dem reinen Tolerieren von Schmerz und dem achtsamen Beobachten. Es hat sich herausgestellt, dass ein ständiges Drillen oder Einüben dieses Punktes in einem Retreat notwendig ist. Ein anderer Fehler ist es, zu versuchen verhärtet achtsam zu sein. Ein Meditierender kann so besessen sein von dem Versuch achtsam zu sein, dass er sich ständig sorgt, ob er achtsam ist oder nicht. Wenn solche Span- nungen oder Störungen auftreten, können wir sicher sein, dass die Dinge nicht richtig laufen. Entspannung oder besser entspannte Achtsamkeit ist die Antwort. Manchmal kann eine „Sich–nicht–mit–diesem-Problem- abgeben -Haltung“ (ob achtsam oder ob nicht) helfen, diese Spannungen zu lösen. Mit anderen Worten, gebt der Achtsamkeit Zeit sich allmählich und natürlich zu entwickeln.
Noch ein anderer üblicher Fehler besteht darin über die Achtsamkeit Konzentration zu legen. Wenn man aber ohne Achtsamkeit konzentriert ist, entsteht falsche Konzentration, die euch schädigen kann. Was ich hier betonen möchte ist, dass man zuerst die korrekte Methode verstehen muss, bevor man meditiert. Wenn man sich ohne korrektes Verständnis der Methode antreibt, zeigt dies einen Mangel an Achtsamkeit und ein zwanghaftes Temperament. Öfter Gehmeditation praktizieren, anstatt zu sitzen, ist gewöhnlich für den Anfänger mehr zu empfehlen. Die Sitzmeditation darf natürlich auch nicht hinausgezögert werden. Es ist einfacher während des Gehens achtsam zu sein, da die Objekte gröber und leichter zu beobachten sind. Beim Sitzen gibt es eine Tendenz zu denken oder daran anzuhaften Konzentration zu erlangen. Der Meditierende muss sich immer daran erinnern, dass Achtsamkeit die höchste Priorität hat. Während der Meditation muss man versuchen nicht zu denken. Um die Wahrheit direkt zu erfahren, darf man keine Ideen oder Spekulationen darüber haben. Die Wahrheit kann nur durch reine aufnehmende Aufmerksamkeit verstanden werden. Wenn aber doch gedacht wird, sollte es in der korrekten Art behandelt werden (ich erkläre es später unter cittanupassanā). Wenn man ohne zu denken achtsam ist, heißt das, dass man sich nicht gleichzeitig mit der Vergangenheit oder der Zukunft befassen kann. Achtsamkeit kann nur in der Gegenwart wohnen, im gegenwärtigen Ereignis der Erscheinungen, deren spezifische Charakteristika wie Härte, Hitze etc. direkt erfahren werden. All dies kann in einem Satz zusammengefasst werden: „Man sollte achtsam sein, die pure Aufmerksamkeit auf die gegenwärtig erscheinenden Phänomene gerichtet, die dem Geist als spezifische Charakteristika erscheinen.“ Es gibt viele Charakteristika (Kälte, Hitze, Härte, Weichheit, Vibration etc.), die im Laufe einer Meditationsstunde erfahren werden. Mit erhöhter Achtsamkeit erfährt man ihre gegenseitigen Beziehungen. Dies führt dann zur direkten Erfahrung der drei Daseinsmerkmale, dukkha, anicca und anattā (Leiden, Veränderlichkeit und Nicht-Selbst). Das Endresultat ist die Eliminierung der Befleckungen und damit die Eliminierung des Leidens.
Achtsamkeit auf den Körper (kāyanupassanā satipatthāna)
Achtsamkeit bezüglich des Körpers wird normalerweise deswegen noch vor den anderen drei satipatthāna (den Gefühlen, den Bewusstseinsarten und den Geistobjekten) zuerst praktiziert weil die Objekte, die bei der Achtsamkeit auf den Körper beteiligt sind, relativ grob sind. Es ist leichter, Achtsamkeit durch grobe Objekte aufzubauen als durch feine. Einige der Betrachtungsobjekte (Teile des Körpers, die Atmungs- und Leichenbetrachtung), sind reine Ruheübungen. Von dieser Ruhe ausgehend schreitet man später zur Vipassanā-Praxis vor. Im abhidhamma wird diese Gruppe von Objekten unter rūpakhanda (Daseinsgruppe der Form oder Materie) klassifiziert. Dem Anfänger wird auch gelehrt achtsam auf die vier Körperhaltungen (Sitzen, Gehen, Stehen und Liegen) zu sein.
Sitzen
Während der Praxis notiert man „Sitzen“ und „Berühren“. Was notiert man da tatsächlich? Einige visualisieren den sitzenden Körper. Das ist nicht korrekt, da vorgestellte Bilder nicht real sind. Der richtige Weg ist, nur die tatsächlichen Erscheinungen zu beobachten und zu erfahren. Was beobachtet man? Unmittelbar sagen wir, dass wir das Windelement, das sich durch Spannung, Festigkeit, Unterstützung, Ziehen oder Vibration ausdrückt, beobachten. Wenn man es mit purer Aufmerksamkeit erfasst, wird klar erkennbar, dass da kein „Ich“ oder „Lebewesen“ in diesem Körper ist. Es finden nur physikalische Prozesse oder Kräfte statt. Mit besserer Achtsamkeit kann man diese sich auf verschiedene Weise verändernden Prozesse erkennen. Beim Beobachten der Sitzhaltung, das ist die Spannung und Steifheit etc., wird man auch viele andere Empfindungen wie Hitze, Kälte und geistige Erscheinungen wie Leiden oder externe Erscheinungen wie Geräusche aufnehmen. Mit anderen Worten, wenn wir „Sitzen“ geistig notieren, benutzen wir es nur als Etikett um uns zu helfen, den Geist auf die Realitäten, die während des Sitzens auftauchen, auszurichten. Das Notieren richtet unsere Achtsamkeit auf den Ort der Achtsamkeit. Es hilft uns, unseren Geist auf das Meditationsobjekt gerichtet zu halten. Dabei wird auch die Konzentration entwickelt, die durch Achtsamkeit und pure Aufmerksamkeit alle auftretenden Realitäten erkennt. Wir wählen nicht was wir erfahren, sondern richten unseren Geist nur auf den „Ort“ und beobachten, was da auch immer erscheint.

Berühren Man beobachtet den Ort, wo der Hintern und die Beine im Kontakt mit dem Sitz sind. Auf die Art können einige Berührungspunkte wahrgenommen werden. Man kann diese Berührungspunkte nun systematisch beobachten um die Konzentration zu erhöhen. Die mit dem Beobachten verbrachte Zeit eines Punktes variiert mit dem geistigen Zustand und der Klarheit des Objektes. Je klarer das Objekt, umso länger kann man es beobachten. Wenn es undeutlich oder man selbst schläfrig ist, dann muss man sich schneller von einem zum anderen Objekt bewegen. „Berühren“ wird abwechselnd mit „Sitzen“ notiert. Wie auch bei anderen Objekten, beobachten wir tatsächlich die Eigenschaften der entstehenden und vergehenden Elemente, wenn wir „Berühren“ notieren.
Heben und Senken
Bei der Sitzmeditation wird dem Anfänger gelehrt, auf das „Heben“ und „Senken“ der Bauchdecke zu achten. Das „Heben“ und „Senken“ könnte man als Fenster betrachten, durch das wir mehr und mehr Details erkennen. Es wird gelehrt, dass, wenn man das Heben und Senken beobachtet, man in Wirklichkeit das sich durch Bewegung ausdrückende Windelement erfasst. Aber man beobachtet auch viele andere Dinge. Es wird auch gesagt, dass man mit dem Beobachten des „Hebens“ und „Senkens“ der Bauchdecke anfangen soll. Wir sollen deswegen mit dem Beobachten des „Hebens“ und „Senkens“ beginnen, weil es uns dabei hilft, Konzentration zu entwickeln, aber auf keinen Fall sollte man mit Festhalten oder Kontrolle daran anhaften (z. B. durch unnatürliche Atmung). Das „Heben“ und „Senken“ ist dann nicht konstant und es kann beim Beobachten verschwinden. Wenn das geschieht, schaltet man auf ein anderes „Fenster“ um. Eine häufige Frage ist, warum man nicht die Atmung am Berührungspunkt der Nase oder der Lippen statt der Bauchdecke beobachten sollte? Das Beobachten des Atems an den Nasenlöchern sei bekannt dafür, Konzentration zu erzeugen. Ein Meditationslehrer lehrte, das nama-rūpa (Geist und Materie) einfacher wahrgenommen werden kann, wenn man das „Heben“ und „Senken“ der Bauchdecke beobachtet. Die Atmung, notiert an der Bauchdecke, ist eindeutig gröber als an der Nasenspitze. Die drei Daseinsmerkmale des Leidens, der Veränderung und des Nicht-Selbst treten dadurch klarer in Erscheinung. So wird „Rechte Konzentration“, die hier momentane Konzentration ist und auf die Realitäten zielt, entwickelt, also Konzentration mit vorherrschender Achtsamkeit. Noch einmal, Visualisierungen, Zählen oder kontrolliertes Atmen sind hier nicht erlaubt. Vipassanā bedeutet die Realitäten zu beobachten.

schwarzer Punkt: Kennzeichnet die neu zu notierende Phase
Gehen
Anfängern wird gewöhnlich geraten mehr zu gehen als zu sitzen. Ein Lehrer sagt, dass vor jeder Sitzperiode eine Gehmeditation gemacht werden sollte. Er wies auch darauf hin, dass Arahatschaft allein durch Gehmeditation erreicht werden kann. Meditierende haben bestätigt, dass sie nach einer guten Gehmeditationsperiode eine bessere Sitzmeditationsperiode haben. Man darf die Bedeutung der Gehmeditation nicht unterschätzen. Nur zu sitzen und das Gehen zu vernachlässigen, macht einen zu einem Lahmen, der auf nur einem Bein geht. Gehen dient vielen Zielen beim vipassanā. Erstens ist man nicht in der Lage die ganze Zeit zu sitzen und außerdem überbrückt achtsames Gehen große Perioden von Unachtsamkeit. Auf die Kontinuität der Achtsamkeit muss grundsätzlich geachtet werden, weil sonst die benötigte Konzentration, um Einsicht zu entwickeln, nicht entstehen kann. Aber auch Gehmeditation selbst ist vipassanā bhāvanā (Entwicklung von Einsicht). Jeder Schritt wird im Detail beobachtet. Es ist der Geist, der das Gehen lenkt. „Es gibt niemanden, der geht...“ Diese Erkenntnis kommt später von selbst und auf natürliche Weise, wenn der Meditierende gewissenhaft die immer wieder verschwindenden Erscheinungen der körperlichen und geistigen Prozesse notiert. Gehen hat auch andere Objekteigenschaften als die Sitzübung. Die Objekte der Gehmeditation sind gröber und variieren stärker; so ist es leichter Achtsamkeit aufzubauen. Die Gehmeditation fungiert auch als kraftvoller Ausgleichsfaktor um den Geist auf die Vipassanā-Meditation zu lenken statt samatha (Ruhemeditation) zu fördern. Beim Gehen wird auch „Umdrehen“, „Sehen“, „Hören“, „Beabsichtigen“ etc. notiert und dehnt damit die Übung der Achtsamkeit in unseren Alltag aus. In der Gehmeditation wird eine ansteigende Zahl an Phasen notiert um dadurch die Achtsamkeit und Konzentration zu steigern. Es wird geraten genau so viele Phasen zu notieren, dass es sich noch angenehm anfühlt und nicht mehr. Man sollte vorsichtig sein und nicht den Wagen vor die Pferde spannen. Achtsamkeit ist wichtiger als die Anzahl der notierten Phasen. Wenn erst mal die Achtsamkeit aufgebaut ist, wird das Gehen durch das Beobachten von mehr Phasen, oder besser gesagt mehr Erscheinungen, verlangsamt. Der Anfänger, der zu langsam zu gehen versucht, kann sehr verspannt enden, weil er versucht etwas zu beobachten, was er nur schwer empfinden kann. Jeder Meditierende sollte seine Gehübung mit schnellen Schritten beginnen. Schnelles Gehen hilft dem Geist sich an das neue Objekt zu gewöhnen. Es trainiert auch die Gliedmaßen und überwältigt Müdigkeit. Dann aber wieder gibt es solche, die es übertreiben, indem sie schneller als notwendig und zu lange gehen. Sie können dadurch vollständig abgelenkt und erschöpft sein. Gerade schnell genug, um die Achtsamkeit aufzurütteln, sollte der Tenor sein. Wenn man in der Praxis voranschreitet, wird der Gehprozess als ein Strom von Geist und Materie, der in schneller Abfolge vergeht, angesehen. Das Gehen wird dann auf natürliche Weise sehr langsam.
Die Gehmeditation sollte in entspannter, kräftiger Art, abhängig davon, ob überschüssige Energie da ist oder fehlt, ausgeführt werden. Hier kommt nun auch das Balancieren der Fähigkeiten ins Spiel. Andere Erscheinungen, die während des Gehens beobachtet werden, sind Geräusche, Schmerz, Absicht, Sehen und Hören. Man hält an um sie zu notieren, wenn sie andauernd und dominant sind.
Stehen
Das „Stehen“ wird während des Gehens notiert und zwar vor dem Anfang und nach dem Ende des Gehens. Das Notieren „Stehen“ (die aufrechte Haltung) kann man auch mit „Berühren“ durch den Bodenkontakt der Fußsohlen abwechseln. Ein anderer Lehrer bemerkt dazu, dass Stehen selten für lange Zeit gemacht wird, weil es eine Menge Energie verlangt. Wieder ein anderer sagt, dass es speziell für Frauen und Kinder nicht für lange Zeit empfohlen wird, weil man hinfallen könnte, wenn samadhi (Konzentration) einen traumähnlichen Zustand induziert und die Knie „weich“ werden. Die Lehrer sagen, dass auch ein Schaukeln des Körpers entstehen kann und der Meditierende dadurch Furcht vor dem Hinfallen erlebt. Stehen wurde jedoch für gut befunden für diejenigen, die sehr schläfrig sind. Ich persönlich habe noch niemanden getroffen, der hingefallen wäre. Stehen mit geringfügig getrennten Füßen verbessert die Stabilität. Wir können unsere Achtsamkeit vom Kopf bis zu den Zehen auskehren oder die stärkste Empfindung aufnehmen und dabei verbleiben. Manchmal kommt das „Heben“ und „Senken“ zurück und wird notiert.
Liegen
Diese Haltung wird normalerweise in ernster Praxis vermieden, weil sie meist mit Einschlafen endet. Wenn aber jemand sehr achtsam in dieser Stellung ist, kann man tatsächlich wach und wachsam bleiben und es endet nicht mit Schlaf. Wenn man zu schlafen beabsichtigt, macht man die Liegemeditation mit allgemeinerer und oberflächlicherer Achtsamkeit.
Als Liegehaltung wird die „Löwenhaltung“ empfohlen. Mit dem Körper zur rechten Seite gewandt. Dies wird dem Liegen auf dem Rücken oder der anderen Seite vorgezogen, obwohl beide Haltungen auch nicht verboten sind. Liegen wird genauso achtsam gemacht. Man notiert „Liegen“, „Berühren“ und wenn „Heben“ und „Senken“ erkennbar ist, notiert man „Heben“ und „Senken“. Wenn Freude aufkommt, notiert man „Freude.“ Das macht man auch so mit „Denken“, „Hören“, „Schmerzen“ etc. Wenn man sehr gut ist, kann man tatsächlich den Geist in den Schlaffallen sehen oder ihn beim Aufwachen beobachten. Die liegende Haltung ist sehr angenehm und führt deswegen zum Schlaf. Energie ist normalerweise nicht vorhanden. Alltägliche Handlungen Das SatipaSShāna-Sutta erwähnt einige wichtige Alltagshandlungen wie essen, kauen, zur Toilette gehen, Kleidung tragen, sprechen oder schweigend verbleiben und nach vorn oder weit weg schauen.
Der Geist muss trainiert werden, immer und in allen Lebenslagen achtsam zu sein. Nur dann wird er kraftvoll, durchdringend und nützlich. Immer heißt kontinuierlich. In allen Lebenslagen heißt Flexibilität. Es gibt keine Zeit, in der Achtsamkeit nicht entwickelt werden kann. So kann Einsicht jederzeit entstehen. Gute Achtsamkeit in den alltäglichen Handlungen zu versäumen, schränkt die Nützlichkeit stark ein. Es hindert uns auch, unsere spirituellen und nichtspirituellen Beschäftigungen zu integrieren und zu balancieren. Es gibt eine Menge Dinge in unseren alltäglichen Handlungen zu entdecken. Unser Versäumnis zeigt uns nur, wie unempfindlich und blind wir den Dingen, die um uns herum geschehen und uns beeinflussen, gegenüber sind. Kein Wunder, dass viele Hausleute es schwierig finden sich nach der Arbeit zu konzentrieren und zu meditieren. Sie vernachlässigen diesen wichtigsten Teil ihrer Praxis. Die Achtsamkeit auf den Körper, sagt eine Sutte, ist das einzige, das gelernt werden muss. Wenn wir sie perfektionieren, können wir die höchste Freiheit erlangen.
Achtsamkeit auf die Gefühle (vedananupassanā satipatthāna)
Wenn Achtsamkeit auf die Gefühle entwickelt wird, überwindet sie die Halluzination des falschen Glücks (das heißt etwas für Glück zu halten, was keines ist). Um diese Halluzination zu zerstören, müssen wir die Wahrheit des Leidens erkennen. Schmerz ist das Phänomen, durch das sich das Leiden selbst klar manifestiert. Schmerz ist gewöhnlicherweise das deutlichste, aber nicht angenehme mentale Phänomen, das dem Anfänger erscheint. Es bietet dem Meditierenden etwas Interessantes, auf das man achtsam sein kann. Die Gefahr liegt allerdings darin, auf den Schmerz mit Zorn oder Ärger zu reagieren. In diesem Falle wäre man nicht mehr achtsam. Wenn Zorn aufsteigt, sollte der Meditierende ihn so lange notieren, bis er verschwindet. Erst dann kehrt er zum Notieren des Schmerzes zurück. Der Sinn besteht darin, so entspannt und stetig wie möglich während des Beobachtens zu sein. Wenn man das kann, sieht man, wie Schmerz verschiedene Formen annimmt, ziehender Schmerz, scharfer Schmerz, heißer Schmerz, brennender Schmerz etc. Ohne Achtsamkeit ist man allerdings nicht fähig dem Schmerz gegenüberzutreten. Konzentration verstärkt die Intensität des Schmerzes nur. Bloßes zorniges Tolerieren des Schmerzes ist auch ungeeignet. Es würde einen auch zur Hysterie führen. Wenn Ihr den Schmerz nicht beobachten könnt, ignoriert ihn. Wenn er nicht ignoriert werden kann, dann verändert achtsam die Haltung oder steht auf und macht Gehmeditation (was hilfreich für den Aufbau eurer Achtsamkeit ist). Wenn wir in der Lage sind zu sehen, wie sich der Schmerz verändert und wie er verschiedene Formen annimmt, wird unsere Empfindung des Wechsels der Veränderlichkeit (anicca) schärfer werden. Der Schmerz wird auch tolerierbar. Ein nützlicher Rat ist: „Wir beobachten den Schmerz nicht damit er weggeht, sondern um unsere Achtsamkeit zu entwickeln und seine wahre Natur zu erkennen.“ Auf diese Weise werden wir die Anhaftung sowohl zum Körper als auch zu den Gefühlen los. Manchmal geben die Leute auf, weil sie fürchten gelähmt zu werden oder sonst ihre Gesundheit zu beeinträchtigen. Es haben jedoch viele Meditierende über Stunden gesessen und niemand wurde je verkrüppelt oder gelähmt. Diese Furcht ist tatsächlich unbegründet.
Wenn wir angenehme Gefühle beobachten, machen wir das auch um ihre wahre Natur zu sehen, ihr Leiden oder ihr unbefriedigendes Merkmal. Dieses Gefühl entsteht gewöhnlich, wenn Schmerz aufhört, oder wenn wir auf ein angenehmes Objekt treffen. Wir müssen sehr achtsam sein, wenn ein angenehmes Objekt auftaucht, sonst könnten wir es genießen und an ihm anhaften. So wie Zorn dem schmerzhaften Objekt innewohnt, so ist Anhaften dem angenehmen Objekt innewohnend. Es gibt einige Leute, die erscheinende angenehme Gefühle fürchten, weil sie Angst davor haben, dass sie anhaften könnten. Angenehme Gefühle selbst sind jedoch nicht schädlich. Solange wir sie entsprechend notieren und nicht anhaften, sind sie harmlos. Wenn wir achtsam sind, wird unsere Konzentration stärker.
Wovor wir uns hüten müssen ist Sorglosigkeit, die uns zu falscher Konzentration oder - als kleinere Niederlage - zum Einschlafen führen könnte. Es ist nicht leicht den Wechsel der angenehmen Gefühle zu sehen. Wenn wir es können, werden sie sich normalerweise umwandeln zu etwas weniger angenehmen oder vielleicht sogar zu neutralen Gefühlen. Da angenehme Gefühle vergehen, sind auch sie letztendlich unbefriedigend. Neutrale Gefühle können gewöhnlich nur von fortgeschrittenen Meditierenden wahrgenommen werden. Nach Meinung eines Lehrers werden sie nur ab der fünften Stufe der Einsicht, „dem Wissen von der Auflösung,“ notierbar. Auf dieser Stufe des Wissens fangen wir an die Konzepte aufzugeben und die wahre Bedeutung von dukkha (Leiden) offenbart sich. Im Buddhismus begegnen wir manchmal dem Satz „Das Leiden der Gestaltungen“ (sankhāra dukkha), das Unbefriedigende an dem unaufhörlichen Wechsel. Worte können diese Art des Leidens nicht beschreiben, da Worte letztendlich nur Konzepte sind. Die Natur von sankhāra dukkha muss von jeder Person selbst erfahren und verstanden werden. Wenn wir den unaufhörlichen Wechsel wirklich erfahren, werden wir auch den Frieden verstehen und schätzen, der vom Stillstand herrührt.
Achtsamkeit auf das Bewusstsein (cittanupassanā)
So wie bei den anderen Pfeilern der Achtsamkeit, hat auch die Achtsamkeit auf das Bewusstsein eine Menge an groben und subtilen Objekten. Gewöhnlich entwickeln wir Achtsamkeit auf das Bewusstsein zuerst mit gröberen Objekten. (Normalerweise werden auch Körperobjekte zuerst notiert, bevor mit dem Bewusstsein angefangen wird). Bei der Entwicklung von Achtsamkeit auf das Bewusstsein ist „Denken“ das erste Objekt, mit dem wir Bekanntschaft machen. Denken selbst hat viele Formen wie Planen, Vorstellen, Überlegen etc. Wenn wir „Denken“ notieren, notieren wir nur, dass da „Denken“ ist. Wir befassen uns nicht mit dem Inhalt der Gedanken, die uns nur veranlassen mehr zu denken. Denken ist normalerweise mit Konzepten und Dingen der Vergangenheit und Zukunft verbunden. Wir sollten nur notieren, das da „Denken“, „Planen“, „Überlegen“ ist und nicht bei den Konzepten oder der Vergangenheit und der Zukunft verweilen. Wenn das Denken andauert, heißt das, dass wir nicht achtsam genug sind. Wenn wir sehr achtsam sind und nur pure Aufmerksamkeit üben, verschwindet das Denken in dem Moment, wo wir es bemerken und notieren. Während wir vipassanā praktizieren, beobachten wir immer die Veränderung, also den Prozess des Entstehens und Vergehens. Der durchschnittliche Mensch jedoch tendiert zum Anhaften, auch an Meditationsobjekten. Manchmal mögen die Meditierenden den Samatha-Typ der Konzentration gerne. Also die Art von Konzentration, die nur auf ein Objekt gerichtet wird. Deshalb wollen einige zuerst samatha lernen. Aber wenn wir Einsicht möchten, müssen wir zu vipassanā zurückkommen und unsere Achtsamkeit bezüglich der veränderlichen Natur der Erscheinungen entwickeln.
Beim vipassanā ist momentane Konzentration ausreichend. Momentane Konzentration ist Konzentration, die nicht auf ein Objekt fixiert ist, sondern sich von Objekt zu Objekt bewegt. Sie kann kontinuierlich und ungebrochen sein und ist so in der Lage Einsicht zu entwickeln. Wenn wir „Denken“ notieren, sollten wir es genauso ruhig wie bei den anderen Objekten (z. B. Schmerz) machen. Wir beobachten es um seine wahre Natur zu erkennen und nicht damit es weggeht. Wenn wir diese Haltung aufrechterhalten, hört das Denken ganz von alleine auf. Aber wenn wir zu erpicht darauf sind, dass es weggeht, wird es wahrscheinlich länger bleiben. Wenn wir es achtsam notieren ohne anzuhaften, werden wir eher der drei Daseinsmerkmale (Leiden, Vergänglichkeit und Nicht-Selbst) bewusst. Wenn jedoch das Denken zu lange anhält, sollten wir es komplett ignorieren und auf ein anderes Meditationsobjekt wechseln. Laut einem Lehrer gibt es einen „Trick“ zum Beobachten der geistigen Zustände. Man notiert sie sehr energievoll und kontinuierlich. Der Geist rennt schnell und wir müssen auch schnell rennen um ihn zu fangen. Der Fluss der Befleckungen ist sehr stark und unsere Achtsamkeit muss noch stärker sein um ihn zu überwältigen. Denken und Unruhe entsteht durch unsere Befleckungen wie Gier, Zorn und Wahn. Selbst, wenn das Denken aufgehört haben sollte, sind die Befleckungen noch anwesend. Wir müssen achtsam sein und die Anwesenheit der Befleckungen wie Gier (zum Bei- spiel Nachdenken über Essen) notieren, bis sie verschwinden. Wenn wir wirklich achtsam die Befleckungen beobachten, wissen wir nicht nur um ihre Anwesenheit, sondern erkennen auch ihre wahre Natur der Unbeständigkeit, des Nicht-Zufrieden-Stellen-Könnens und des Nicht-Selbstes. Um achtsam die Befleckungen beobachten zu können, sollten wir z. B. auch wissen, ob wir geringfügig schläfrig sind oder nicht. Wie können wir aber ein Bewusstsein ohne Gier, ohne Zorn und ohne Wahn notieren? „Der Geist ist schwer zu empfinden, extrem subtil, er flattert wohin er möchte. Bewacht ihn, nur ein bewachter Geist führt zum Glück.“ Es ist schwierig den Geist zu beobachten. Oft, wenn Leute es versuchen, endet es in einer ausdrucklosen Art von Langeweile oder einem bedeutungslosen, wandernden Geist. Je härter sie versuchen den Geist zu beobachten, desto schlechter wird es, bis sie am Ende „Sterne sehen!“ Zu versuchen den Geist zu leeren, ist auch schlecht. Der Sinn liegt darin achtsam zu sein. Wenn ihr achtsam seid, könnt ihr euch der geistigen Zustände des Geistes bewusst sein. Wenn ihr es nicht könnt, dann seid auf irgendetwas anderes achtsam. Etwas Klareres, das in unser Bewusstsein eingedrungen ist und nun unsere Aufmerksamkeit verlangt. So seid ihr auch auf dem richtigen Weg. Seid immer achtsam auf das Meditationsobjekt. Wenn wir den Geist beobachten, müssen wir konstante Achtsamkeit anwenden. Sonst hört sie ohne unser Wissen auf. Mit mehr Erfahrung können wir achtsam der guten geistigen Zustände sein und uns bewusst werden, wenn sie sich in feinere Zustände verwandeln. Im Gleichnis vom Floss wurde gesagt, dass auch gute geistige Zustände aufgegeben werden müssen, wie viel mehr müssen dann üble Zustände aufgegeben werden? Wahr ist, dass geistige Zustände so fein und glückselig sein können, dass es einem tatsächlich so erscheint, als wäre man unbewusst. Einige machen den Fehler und halten das für Erleuchtung oder für das wahre Aufhören des Leidens. Eine Menge von subtilen geistigen Zuständen tritt auf, wenn das Bewusstsein gut ist. Das mag auf Freude, Ruhe, Konzentration oder Gleichmut zurückzuführen sein. Deshalb sagt das SatipaSShāna-Sutta : „Man ist achtsam auf das Bewusstsein, das ruhig, befreit, groß geworden ist etc.“
Achtsamkeit auf die Geistobjekte (dhammanupassanā)
Dieser Pfeiler der Achtsamkeit wird dhammanupassanā genannt. Satipatthāna deckt einen großen Teil an Meditationsobjekten ab. Dhamma selbst wurde als Geistobjekt übersetzt. Es beinhaltet aber eigentlich alles, auch nibbāna. Einige Objekte innerhalb der anderen Pfeiler der Achtsamkeit tauchen auch unter diesem Pfeiler auf, und wenn sie auf diese Weise bezeichnet aufgezählt werden, werden sie als geistige Faktoren (cetasika) kategorisiert. Diese Betrachtung der Achtsamkeit hilft die Wahnvorstellung von Ansichten oder einem Selbst zu löschen, indem sie uns zeigt, wie bedingt die dhammas sind und wie sie entstehen und vergehen. Die Betrachtung dieser Achtsamkeit ist in fünf Kategorien unterteilt: Hemmungen, Grundlagen, Daseinsgruppen, Erleuchtungsfaktoren und Wahrheiten. Hemmungen Die fünf Hemmungen sind Sinnesbegehren, Übelwollen, Mattigkeit und Müdigkeit, Unruhe und Sorgen und skeptischer Zweifel. Unter dieser Betrachtung gehört Sinnesbegehren insbesondere zu dem Bewusstsein, welches an Sinnesobjekten hängt oder danach begehrt. Übelwollen gehört zu Zorn, Gewalttätigkeit und Grausamkeit. Mattigkeit und Müdigkeit bezieht sich auf das Bewusstsein, das träge ist und von den Objekten „wegschrumpft“. Unruhe und Sorgen gehören zum aufgeregten und verwirrten Bewusstsein. Skeptischer Zweifel gehört zu einem skeptischen oder verwirrten Zustand des Bewusstseins bezüglich der vier edlen Wahrheiten oder der drei Kleinodien. In dieser Betrachtung kennt und notiert man nicht nur das Entstehen und Vergehen der geistigen Faktoren, sondern auch die Bedingungen, die zu ihrem Entstehen und ihrer Auflösung führen. Hier ist der Ort, wo wir ver- stehen, ob unsere Aufmerksamkeit (zu einem Objekt) „unweise“ ist und wann und wie wir „weise“ Aufmerksamkeit anwenden sollten. Diese Betrachtung der Achtsamkeit ist im Allgemeinen schwieriger und feiner als die anderen drei Betrachtungen. Zum Beispiel sind das Bewusstsein mit Sinnesbegehren und das Sinnesbegehren selbst nicht einfach zu trennen. Normalerweise startet ein Anfänger nicht mit dieser Betrachtung oder macht sie ausschließlich. Nur wenn er gut versiert in der Betrachtung der anderen drei Pfeilern der Achtsamkeit ist, kann er feinere geistige Objekte und Zustände des Bewusstseins bemerken. gemäß dem Kommentar passt diese Betrachtung gut zu intellektuellen Menschen.
Grundlagen
Man beobachtet die sechs Sinnesgrundlagen (Sehen, Hören, Riechen etc.) und ihre Objekte (Sehobjekt, Hörobjekt, etc.). Man beobachtet, wie sie entstehen und vergehen und die Bedingungen, die zu ihrem Entstehen und Vergehen führen. Wenn wir „Sehen, Sehen“ notieren, benutzen wir das Wort „Sehen“ nur als Etikett um uns bei der Beobachtung des Prozesses behilflich zu sein. Was wir jedoch tatsächlich sehen, ist die Farbe (des Sehobjektes). Die Gestalt, Form und auch alle weiteren Ideen, die folgen, sind eigentlich Konzepte, die der Geist entwickelt. Durch das bloße Notieren „Sehen, Sehen“ verwischen die mit dem Objekt verbundenen Formen und Ideen und wir beobachten nur eine Wechselwirkung von Farben und Helligkeit. Durch diesen Vorgang können wir uns auch des Sehbewusstseins bewusst werden, welches nur ein Bewusstsein ist, das Farben sieht, kein Lebewesen oder Selbst. Dasselbe kann vom Hören eines Geräusches, Riechen eines Geruches, Schmecken von Essen, Berühren von Tastobjekten, Wissen und das Gewusste gesagt werden. Warum notieren wir normalerweise „Hören, Hören“ anstatt „Geräusch, Geräusch?“ Das wird gemacht, weil ein Geräusch gewöhnlich periodisch und unterteilt ist und es deshalb schwierig ist ihm zu folgen. Der Versuch es zu „fangen“ führt nur zur Verwirrung und das hilft uns nicht zur Entwicklung von tiefer Konzentration. Durch Notieren von „Hören, Hören“, das heißt, durch reines bewusstes Hören (des Geräusches) am Ohr selbst statt „außerhalb“, neigen wir dazu den Geist nach innen zu wenden und ihn damit beherrschter zu machen. Aber in einigen Fällen können wir auch „Geräusch, Geräusch“ notieren. Zum Beispiel, wenn das Geräusch laut, andauernd und unvermeidbar ist. In solchen Fällen haben wir kaum eine Wahl außer das Geräusch zu notieren und seine Veränderlichkeit zu beobachten.
Beim Notieren der Sinnesgrundlagen und ihrer Objekte, muss man bloße Aufmerksamkeit bewahren und sich vor auftauchenden Konzepten hüten. Dies wird klar betont im Rat von Buddha an Bahiya: „So Bahiya solltest du dich üben: Beim Sehen darfst du nur das Gesehene sehen. Beim Hören nur das Gehörte. Beim Spüren (bei Geruch, Berührung, Geschmack) nur das Gespürte. Beim Denken nur das Gedachte.“
Achtsamkeit dieser internen und externen Grundlagen reißt unsere Ansicht von einem Selbst auseinander. Wir erkennen, dass es kein Lebewesen, kein Selbst oder jemanden gibt, der dahinter steht. Es sind nur Prozesse. Diese detaillierte Betrachtung ist besonders für die Einsichtsentwicklungs- praxis von anattā (Nicht-Selbst) im Alltag relevant. Normalerweise steigen Befleckungen und Fesseln durch die Sinnestore auf. Das passiert oft im Alltag, wenn es uns an Achtsamkeit, die „Sehen, Hören“ und alles Weitere notiert, mangelt. Deshalb haben wir auch die Befleckungen, die abhängig von den Sinnestoren entstehen, zu notieren.
Daseinsgruppen Es gibt fünf Daseinsgruppen:
1. Rūpa khanda (Materie) – bezieht sich auf bedingte nicht bewusste Erscheinungen wie z. B das Härte-Element.
2. Vedanā khanda (Gefühle) – wie angenehme, leidhafte und neutrale Gefühle oder Empfindungen.
3. Sañña khanda (Wahrnehmungen) – es ermöglicht das Wiedererkennen und das Registrieren von Sinneseindrücken. Es beinhaltet das Gedächtnis.
4. Sankhāra khanda (geistige Formationen oder Willensaktivitäten) – schließt verschiedene geistige Zustände und das Denken ein.
5. Viññana khanda (Bewusstsein) – Wissen oder Bewusstsein
Nur wenn die Teile richtig verbunden sind, Wird von einem Wagen gesprochen, So auch wenn die Daseinsgruppen (khandas) da sind, Spricht man konventionell von einem Lebewesen. BUDDHA
Diese fünf Daseinsgruppen bestehen aus den Gruppen der Vergangenheit, der Gegenwart und Zukunft, den Internen, Externen, Groben, Feinen, Höheren, Niedrigeren, Näheren oder Weiteren. Wenn ein „Mensch“ oder ein „Ich“ in der Betrachtung der Daseinsgruppen gesehen wird, wird es nur als existierendes Lebewesen im konventionellem Sinne gesehen. Wenn die Wahnvorstellung der Ansichten aufgegeben wird, werden die Befleckungen zusammen mit der Leidensmasse eliminiert werden.
Die Betrachtung der sieben Erleuchtungsfaktoren
Diese sieben Faktoren, Achtsamkeit, (durchdringende) Wahrheitsergründung, Energie, Freude, Gestilltheit, Konzentration und Gleichmut sind heilsame geistige Zustände, die zum nibbāna führen. Diese erscheinen erst klar, wenn man das vierte Einsichtswissen erreicht hat. Es sind keine Objekte für den Anfänger. Wenn diese Faktoren am Anfang entwickelt werden, könnten wir an ihnen anhaften wegen ihrer friedvollen und inspirierenden Effekte. Achtsamkeit über ihre An- oder Abwesenheit wird uns deshalb vor solchen Anhaftungen bewahren. Sie können unsere Praxis nicht nur verzögern, sondern auch zerstören. Freude, Gestilltheit, Konzentration und Gleichmut zum Beispiel, können uns sorglos und nachlässig mit unserer SatipaSShāna-Praxis werden lassen. Unachtsamkeit beispielsweise, wenn der Weisheitsfaktor auftaucht, kann bei uns Stolz verursachen. Die Achtsamkeit auf diese Faktoren kann auch die Fähigkeiten aus- balancieren. Insbesondere gilt das für die Fähigkeiten Energie und Konzen- tration. In den Sutten wird erzählt, dass bei Trägheit es angesagt ist, Energie, Freude und Wahrheitsergründung zu entwickeln. Wenn wir jedoch aufgeregt sind, sollten wir Ruhe, Konzentration und Gleichmut entwickeln. Achtsamkeit wird hingegen immer benötigt. Achtsam auf diese Faktoren zu sein, wie sie entstehen und vergehen, ist die Praxis der Einsichtsentwicklung selbst. Mit kontinuierlicher Praxis können die Erleuchtungsfaktoren sich vollständig entwickeln und uns befähigen Einsicht zu erlangen.
Wahrheiten (sacca)
Dies bezieht sich auf die „vier edlen Wahrheiten“. Dem Leiden, seiner Ursache, seines Aufhörens und des Weges, der zum Aufhören des Leidens führt. Leiden ist das, was wir verstehen müssen (also seine Natur). Die Ursache (das Begehren) ist das, was wir aufgeben müssen und das Aufhören des Leidens muss durch Entwicklung des Pfades realisiert werden. „Leiden“ ist eine Übersetzung des Pali-Begriffes dukkha. Einige bevorzugen es, dukkha mit Nicht-Zufrieden-Stellen-Können oder mit Unvollkommenheit zu übersetzen. Gemäß dem anattālakkhana sutta, wonach das, was unbeständig ist, leidbehaftet ist und das, was leidbehaftet ist, nicht ein Selbst sein kann, ist man, wenn man achtsam auf die Unbeständigkeit ist, gleichzeitig achtsam auf das Leiden. So, und was ist nun dieses Leiden? Geist und Materie sind es, die alle körperlichen und geistigen Erscheinungen außer dem nibbāna beinhalten, die unbeständig folglich also Leiden sind. Wir sollten deswegen alle körperlichen und geistigen Vorgänge in ihrem Entstehen und Vergehen notieren. Wenn Begehren oder Befleckungen entstehen, welche die Ursache des Leidens sind, sollten wir sie achtsam notieren. Wenn wir das tun, werden wir sehen, wie sie verschwinden. Da wir so die drei Daseinsmerkmale der Unbeständigkeit, Leidhaftigkeit und des Nicht-Selbst erkennen, entwickeln wir auch die Faktoren des edlen achtfachen Pfades, bis wir selbst das vollkommene Erlöschen des Leidens erfahren.
Diese edlen Pfadfaktoren sind:
1. Rechte Ansicht: Das Verstehen des Ursprungs und der Auflösung der Erscheinungen während des Notierens
2. Rechte Gedanken: Das Richten des Geistes auf das Vipassanā-Objekt
3. Rechte Sprache: Abstehen von falscher Rede (während der Praxis)
4. Rechte Tat: Abstehen von falschen Taten (während der Praxis)
5. Rechter Lebenserwerb: Abstehen von falschem Lebenserwerb (während der Praxis)
6. Rechte Anstrengung: Die aufgebotene Anstrengung beim Notieren
7. Rechte Achtsamkeit: Die Achtsamkeit während des Notierens
8. Rechte Konzentration: Die gehütete Konzentration während des Notierens