Sutten sind Lehrreden, die vom Buddha an verschiedene Leute mit verschiedenem Hintergrund gegeben wurden. Sie wurden zuerst mündlich überliefert und später niedergeschrieben.
Es gibt viele dieser Sutten. Die eine, die wir hier behandeln wollen, steht in der „Mittleren Sammlung“. Es ist die cetokhila sutta. Ceto oder ceta oder auch manchmal citta bedeutet Geist. Khila bedeutet hart, starr oder verhärtet. Diese Härte entspricht einem Boden, der eigentlich fruchtbar ist, aber schon lange eine sehr harte und trockene Kruste hat, die verhindert, dass dort etwas wächst.
Eine Übersetzung von cetokhila ist „Die Wildnis des Herzens“. Eine eher poetische Übersetzung. Denn normalerweise bedeutet es geistige Ver- härtung oder Härte. Sie drückt sich aus in Nicht-Akzeptieren, Hartnäckig- keit und so fort.
Als der Buddha diese Sutte darlegte, war sie an Mönche in einem Ort Namens Sāvatthī gerichtet. Er legte dar, warum jemand keinen Fortschritt in seiner Meditation verzeichnet und seine Ratschläge und Begründungen sind hier sehr deutlich aufgezeigt. Der Buddha sagte den Mönchen: „Mönche, das ein Mönch, der diese fünf Verhärtungen nicht überwunden hat (hier übersetzt als Wildnisse des Herzens) und diese fünf Fesseln des Herzens nicht gesprengt hat, in diesem dhamma und vinaya zu Wachstum, Anwachsen und Erfüllung gelangen sollte, das ist unmöglich.“
Der dhamma ist die Lehre, vinaya die Disziplin. Erfolg und Erfüllung in der Praxis zu finden, bedeutet Verwirklichung zu erreichen, das ist Läuterung und Heiligkeit auf höchster Stufe. Wenn die fünf Verhärtungen und fünf Fesseln nicht überwunden werden, wird Anwachsen und Erfüllung definitiv nicht möglich sein.
Die fünf Verhärtungen
Die ersten vier handeln vom „Skeptischen Zweifel“ und die fünfte bezieht sich auf Ärger. Die erste Wildnis des Herzens wie in der Sutte gesagt wird ist, wenn man zweifelt, unsicher, unentschlossen, nicht zuversichtlich gegenüber dem Lehrer (dem Buddha) ist. Dadurch ist der Geist nicht zur Hingabe, zur Ausdauer und zum Bemühen geneigt. Die zweite Wildnis des Herzens betrifft den Zweifel gegenüber der Lehre (dhamma). Die dritte ist Zweifel gegenüber dem sangha. Die vierte ist Zweifel gegenüber der Übung.
Die ersten vier der Verhärtungen des Geistes werden durch einen Mangel an Vertrauen verursacht.
Wenn „Skeptischer Zweifel“ entsteht, gibt es kein Vertrauen und des- halb keinen Glauben. Ohne Glauben gibt es keine große Anstrengung und kein großes Bemühen. Das ist einsehbar, denn wenn ihr an dem, was ihr tut, kein Vertrauen, habt, macht ihr es nicht aus ganzem Herzen. Jemand, der in seinem Streben Fortschritte machen möchte, muss sich aber mit ganzem Herzen anstrengen.
Ob eine Person am Anfang der Meditationspraxis Fortschritte macht oder nicht hängt davon ab, wie stark er oder sie sich bemüht. Wenn die Leute mich fragen: „Ehrwürdiger, warum mache ich keinen Fortschritt“, frage ich, „Wie lange und wie oft meditierst du?“ Die Antwort ist normalerweise, „Oh, eine Stunde pro Woche.“
Ich frage dann: „Wie lange dauert es um einen Kessel Wasser zu kochen?“ Die Antwort ist „Zwanzig Minuten.“ „Wie lange dauert es, bis das Wasser wieder abgekühlt ist“ frage ich. „In einem Tag“, kommt die Antwort. „ In wie vielen Stunden sind eure Befleckungen entstanden und was denkt ihr, wie lange es dauern wird sie abzuschneiden?“
Das ist nur ein Gleichnis. Diejenigen, die verstehen, werden wissen, dass ihr euch sehr anstrengen müsst, bevor ihr ein wenig Fortschritte macht. Wenn ihr jeden Tag einen kleinen Fortschritt erkennen könnt, solltet ihr zufrieden sein. Lasst uns nun die Faktoren einzeln nacheinander ansehen.
Der Lehrer bezieht sich hier auf den Buddha, den vollkommenen Buddha, Gautama Buddha, der die höchste Erleuchtung unter dem Bodhi- Baum in Buddhagaya erreicht hat. Natürlich wundert ihr euch, wie ihr denn wissen könnt, dass er die höchste Erleuchtung erreicht hat. Wir könnt ihr Vertrauen zum Buddha haben? Wir wissen es doch nicht, auch wenn er wirklich der Buddha ist. Auch zu Buddhas Zeiten gab es Leute, die ihn persönlich kannten und kein Vertrauen zu ihm hatten, bis er predigte und sie nach dem Zuhören verwirklicht wurden. Dann wuchs ihr Vertrauen und wurde stark. Nehmt z. B. seine ersten fünf Anhänger oder Asketen. Als er ein Buddha wurde, ging er zum Hirsch Park um sie zu unter- richten. Zuerst waren sie nicht geneigt ihn als Lehrer zu akzeptieren, da sie glaubten, dass er die Askese verworfen hat und zum Genuss zurückgekehrt sei. Deshalb hatten sie kein Vertrauen zu ihm. Sie sagten, „Wenn du menschliches Leiden und Askese nicht aushalten kannst, wie kannst Du dann übermenschliche Zustände erreichen?“ So glaubten sie ihm nicht. Natürlich überzeugte er sie später. Und als sie ihm dann doch zuhörten und vollkommenes Vertrauen zu ihm hatten, erreichten sie Erleuchtung,. Sogar solche Leute, die den Buddha persönlich trafen und zuhörten, fanden es nicht leicht überzeugt zu werden. Das ist so, weil es wirklich nicht einfach ist, sich eine Vorstellung der Natur des Geistes eines Buddha zu machen. Der Geist des Buddha ist etwas Besonderes. Er ist reine Weis- heit. Wir können aber eine flüchtige Idee davon bekommen, wenn wir klare und achtsame Bewusstheit üben und den dhamma studieren
2. Zweifel, den dhamma oder die Lehre betreffend
Vertrauen oder Glauben in die Lehre - den dhamma - ist am Wich- tigsten. Die Lehre bezieht sich hier mehr auf den theoretischen Teil, das Wissen der Schriften, das durch Hören erhalten wird. Dhamma ist, weil es sehr tief geht, nicht etwas, was leicht verstanden werden kann. Um echtes Vertrauen zu bekommen, müssen wir wirklich ein in die Tiefe gehendes Studium des dhamma machen und es in die Praxis umsetzen. Wenn wir er- kennen, dass es wirklich funktioniert und wirklich gute Resultate bringt, dann wird das Vertrauen wachsen. Auf einer mehr allgemeinen und oberflächlichen Stufe bedeutet Vertrauen, dass man Vertrauen in etwas hat, was gut und rein ist und den Glauben, dass es einen Pfad gibt, der dahin führt. Wenn wir den dhamma gelernt und gelesen haben, werden wir sehen, dass er mit solch einem Pfad übereinstimmt. Es ist unbedingt nötig, so ein anfängliches Vertrauen und so einen anfänglichen Glauben zu haben, damit wir zur Praxis angespornt werden. Dann werden wir wachsen.
3. Zweifel, die sangha betreffend
Die sangha bezieht sich auf die Gemeinschaft, noch spezieller ist hier die ariya sangha gemeint, welche die Gemeinschaft der Edlen ist. Es sind diejenigen, die die Lehren des Buddha praktiziert haben und Stufen der Erleuchtung oder der Verwirklichung erreicht haben. Nur wenn sie solche Stufen erreicht haben, sind sie in der Lage andere zufriedenstellend und vertrauensvoll anzuleiten. Leider werden wir selbst aber wieder nicht wissen, wer wirklich erleuchtet ist. Das ist das Dilemma.
Aber bis zu einem gewissen Ausmaß oder Grade, können wir anhand des Verhaltens und an der Art, wie die Person spricht und lehrt beurteilen, ob sie im dhamma unterrichtet ist oder nicht. Ein allgemeineres Verständnis des Vertrauens in die sangha ist, dass Leute erleuchtet werden können, dass sie den Zustand der Unbedingtheit, das ewig währende Glück erreichen können. Habt dieses anfängliche Vertrauen, dann praktiziert und schafft Resultate und es wird wachsen.
4. Zweifel an der Praxis selbst
Wenn ihr noch nicht praktiziert, sondern nur darüber nachgedacht habt, dann gibt es natürlich eine endlose Zahl an Fragen. Vieles von dem was im dhamma gelehrt wird und viele der Erfahrungen werden nur verstanden, wenn man selber praktiziert. Nur wenn ihr experimentiert habt, es ausprobiert habt und durch die Führung eines Lehrers Erfahrungen und Fortschritte erzielt habt, werdet ihr Vertrauen in die Praxis und das Training bekommen.
All diese Aktivitäten führen zu den Lehren selbst. Zuerst braucht ihr Selbstvertrauen. Ihr müsst auch Vertrauen in das, was gut und wahr ist haben. Ihr müsst in der Lage sein die Lehren aufzunehmen und lang genug zu praktizieren, bis ihr Resultate erlangt. Wenn erst einmal Resultate kommen, legt sich der „Skeptische Zweifel“ und ihr könnt euch aus ganzem Herzen bemühen und praktizieren.
Der „Skeptische Zweifel“ ist ein echter Stolperstein in Ländern, die weder kulturell noch historisch gesehen buddhistische Länder sind. In buddhistischen Ländern mag die Hingabe „blind“ sein, aber wenn die Methode korrekt ist und mit reinem Herzen akzeptiert wird, wird der Übende durch die Praxis Konzentration und Verstehen erhalten. Aber wie ich schon sagte, kann es gefährlich sein, wenn ihr bei einem falschen Lehrer landet. Dann könnt ihr lange stecken bleiben.
Es wird nicht von euch verlangt, dass ihr vollkommenes Vertrauen in den Buddha, den dhamma und die sangha habt. Es wird von euch nicht erwartet, dass ihr alles glauben oder schlucken sollt, was damit zu tun hat. Ihr solltet lieber vorsichtig die Dinge akzeptieren. Probiert die Dinge vorsichtig aus. Hat jemand einen klaren und offenen Geist und wirklich das Herz Fortschritte zu machen und die Spiritualität zu verbessern ohne irgendwelche vorgefassten Meinungen oder Vorurteile, dann ist es unmöglich - sofern jemand den echten dhamma ausprobiert - dass er keine Resultate sieht. Wir müssen auch individuelle Temperamente in Betracht ziehen. Einige Leute sind mehr zum dhamma geneigt, während andere mehr zum Glauben neigen.
Aber der entscheidende Punkt ist, dass man genug Vertrauen und Glauben hat um soviel Anstrengung aufzubringen, bis man Resultate bekommt. Nur wenn ihr euch wirklich bemüht und euer ganzes Herz und eure Seele in die Praxis hineinsteckt, kommen die korrekten Resultate.
5. Zorn
Das ist so, als ob ein bhikkhu zornig und verärgert mit seinen Gefährten im heiligen Leben ist. Er ist verletzend und verhärtet ihnen gegenüber und so ist sein Geist nicht zu anderen geneigt.
In den ersten vier Verhärtungen, in denen der Geist wie ein harter Felsen ist, der nichts aufnehmen kann, gibt es nicht genug Vertrauen und zu viel Skeptizismus. Was immer auch in den Geist kommt wird befragt: „Ist es auch wirklich so? Gibt es so was wie nibbāna? Warum muss ich den Schmerz so lange beobachten?“ Die Anleitungen sinken nicht in den Geist hinein, da man sie nicht akzeptieren will.
Die fünfte Verhärtung hat nichts zu tun damit, dass die Person kein Glauben im dhamma hat. Vielmehr kann sich der Geist nicht beruhigen, wenn Zorn anwesend ist. Wenn seine Mitgefährten im heiligen Leben, seine Mitübenden oder Yogis versuchen, dem Zornigen einen Rat zu geben, kann er ihn nicht akzeptieren.
Zorn ist natürlich auch sehr mit Stolz verbunden. Erstens kann man keinen Rat oder keine Hilfe akzeptieren, wenn man sehr zornig ist. Zweitens erzeugt der Ärger selbst eine Menge an unheilsamen kamma, das die Praxis blockieren kann. Ärger führt z. B. gewöhnlich zu einer Menge physischer Leiden wie Stress, Schmerz und Verspannung.
Eine außergewöhnliche Konsequenz ist zu beachten, wenn eine Person zornig auf seine Mityogis ist. Wenn der Mityogi ein sehr aufrichtiger und fleißiger Übender ist, wird das Übel im Geist der Person, das auf einen solchen Übenden gerichtet ist, Dinge erzeugen, die ihn blockieren, besonders, wenn es sich um ein erleuchtetes Individuum handelt. Gemäß den Kommentaren ist der Pfad in Gefahr, er ist blockiert. Und nur wenn man den Hass entfernt und um Vergebung bittet, wird der Pfad wieder klar sein. Das ist ein wichtiger nicht zu vergessener Punkt.
Wenn der Geist sehr ärgerlich ist, erzeugt er eine Menge Widerwille. Es gibt so eine Menge schlechter Effekte auf Grund dieses kamma und der Geist ist nicht fähig Ratschläge bezüglich des dhamma anzunehmen. Letzten Endes kann sich der Geist nicht beruhigen. So wird er ein sehr schwieriger Yogi, eine schwer umgängliche Person.
Die fünf Fesseln
Auch nachdem wir genug Vertrauen und Glauben haben, den Lehrer akzeptieren und keinen Ärger in uns haben, gibt es weitere fünf Dinge, die den Fortschritt aufhalten. Dies sind die fünf Fesseln des Herzens. Die fünf Fesseln können als Faust, die das Herz fest umschlossen hält, beschrieben werden, sodass es nicht frei ist. Ihr habt Vertrauen, ihr sagt „ja“ und das ist gut, aber ihr könnt euch nicht bewegen. Ihr seid gefesselt. Ihr seid angekettet.
1. Sinnesfreuden
Wenn ihr an Sinnesfreuden anhaftet, ist es schwierig praktische Fortschritte zu machen, weil ihr mit Sinnesfreuden oder körperlicher Behaglichkeit weitermachen wollt.
Ich erinnere mich als ich das erste Mal zum Mahasi-Meditationszentrum ging, dass es dort viele Wanzen gab. Jeder fing Wanzen. Beim Meditieren juckte durch die Wanzenbisse der ganze Körper. Deshalb konzentrierten sich die Leute auf das Fangen von Wanzen statt aufs Meditieren.
Wenn ihr nicht vorsichtig seid, könntet ihr anfangen zu fühlen, dass euch etwas an Sinnesfreuden entgeht. Meistens ist es das Essen. Das Essen, das in kleinen Meditationszentren angeboten wird, ist oft nicht sehr gut. Es kann auch schrecklich sein. Wenn ihr solch Essen nicht gewohnt seid, fangt ihr an, an euer gutes Essen von zu Hause zu denken. Die meisten Westler vermissen ihr Essen. Sie vermissen ihren Käse, Eiskrem, Kuchen und all die anderen Milchprodukte.
Sinnesfreuden halten euch vom Meditieren ab.
Wenn ein Gedanke sehr stark ist, wurzelt er entweder im Zorn oder in Sinnesfreuden. Nicht viele Leute haben sehr starken Zorn in sich, zumindest nicht die Praktizierenden, die ich aus Malaysia kenne. Ihr Haupthindernis sind gewöhnlich die Sinnesfreuden. Am Morgen denken sie an Essen und vermissen ihren heißen Kaffee. Ihnen wird langweilig und sie denken über Videofilme und über allerlei Krimskrams nach. Dann wird der Geist noch gelangweilter und sie möchten interessantere Dinge machen. All dies läuft unter Sinnesfreuden. Wenn eine Person wirklich von den Sinnen losgelöst ist und sich nicht darüber sorgt was sie sieht, riecht, berührt, schmeckt oder hört und vorausgesetzt, dass da etwas Achtsamkeit ist, ist der Geist zu guter Konzentration fähig.
Denkt darüber nach. Warum denkt ihr so viel während eines Retreats? Worüber denkt ihr nach? Sehr oft, weil ihr euch langweilt. Der Geist mag sich nicht langweilen. Er mag interessante Dinge und so denkt er sich Sachen aus und erzählt Geschichten. All diese Aktivitäten sind normaler- weise auf Sinnesfreuden ausgerichtet. Deshalb solltet ihr gewisse Arten von Vorsorge treffen und vorbereitende Meditation, die den Geist beruhigt, ausüben, dann werdet ihr nicht soviel denken.
2. Anhaften an den Körper
Wenn jemand am Körper anhaftet, kann er nicht erstens darüber hinausgehen und zweitens ist er nicht in der Lage viel Schmerz auszuhalten. Oft werdet ihr merken, dass ihr unfähig seid den Schmerz wegen der Anhaftung am Körper zu betrachten.
Nehmt z. B. die Schmerzempfindung im Bein. Sehr oft, wenn der Schmerz immer stärker wird, hört die Person auf den Schmerz zu notieren. Es ist nicht deshalb, weil der Schmerz so schmerzhaft ist, sondern weil die Person am Bein anhaftet. Oder sie denkt, dass sie das Bein ist und wenn sie noch länger sitzt, etwas mit dem Bein nicht in Ordnung sein wird und sie eventuell nie wieder gehen kann. Diese Furcht wurzelt in der Anhaftung am Körper. Wenn es das Bein von einer anderen Person ist, denkt ihr dann auch, dass es euch berührt? Zumindest sorgt ihr euch nicht so sehr. Während eines bestimmten Zeitabschnittes meiner Meditation gab es einmal eine Menge Mücken. Wenn euch eine Mücke sticht, kommen eine Menge Vorstellungen in Gang. Ihr fangt an über das Jucken nachzudenken. Es ist nur ein kleines Jucken. Aber, wenn ihr starke Anhaftung an den Körper habt, scheint das Jucken sehr stark zu sein. Dann fangt ihr an zu denken, dass die Mücke vielleicht Malaria oder Dengue-Fieber hat, oder das es vielleicht besser ist die Mücke zu vertreiben, weil man sich dann besser konzentrieren kann. Eine Menge an Anhaftung entsteht und ihr könnt nicht mehr meditieren. Dann scheint es so, als könntet ihr euch wegen des Juckens nicht mehr konzentrieren. Anstatt das „Jucken, Jucken, Jucken“ zu notieren, notiert ihr „Hand, Hand, Hand“ oder „Bein, Bein, Bein“ oder „Nase, Nase, Nase.“
Wenn ihr das Jucken notiert, wird sich die Tendenz Richtung Ablösung neigen. Nur so schaut ihr sehr unpersönlich auf eure Hand oder euer Bein. Dann fühlt ihr euch, als ob eure Hand oder euer Bein sich außerhalb von euch befindet. Wenn ihr es so betrachtet, stört euch das Jucken auf der Hand nicht. Es kann jucken wie es will, aber es macht nichts, weil es nicht eure Hand ist. Aber in dem Moment, wo ihr denkt und an der Hand anhaftet, könnt ihr nicht mehr richtig meditieren. Ihr könnt die Hand nicht richtig beobachten. Dann solltet ihr denken, „Was ist da überhaupt Schlimmes dran am Jucken?“ Ihr werdet deshalb nicht sterben. Es ist wie ein Kitzeln, wie wenn jemand eine Feder nimmt und euch kitzelt. Es ist nur ein Gefühl.
Das Problem bei der Anhaftung am Körper ist, dass man nicht über den Körper hinausgehen kann. Das bedeutet, dass man am Konzept des Körpers gefesselt ist. In tiefen Formen der Meditation muss man alles über den Körper vergessen, die Hände, Beine und so weiter. Wenn man das kann, kann man direkt in das Geisttor gehen und nur am Geisttor ist die Konzentration sehr tief.
Wenn ihr z. B. „Heben“ und „Senken,“ „Sitzen“ und „Berühren“ etc. beobachtet, erfahrt ihr letztendlich das Windelement, die Eigenschaft der Bewegung. Nur wenn ihr euch auf die Bewegung konzentrieren könnt, könnt ihr die drei allgemeinen Daseinsmerkmale erfahren und Einsicht entwickeln. Aber solange ihr noch am Konzept des Körpers, der Hand, Beine etc. festhaltet, könnt ihr die Daseinsmerkmale nicht erfahren und Einsicht entwickeln, weil Realität nicht mit diesen Konzepten oder konzeptionellen Objekten zusammen existieren kann. Deshalb, wenn jemand stark am Körper anhaftet, wird er sich in dem Moment, wo er die Form des Körpers verliert, also das Körpergefühl, erschrecken und nicht darüber hinaus gehen können.
Anhaftung am Körper tritt öfter auf, wenn die Leute ihren physischen Körper als Realität ansehen und sich als den physischen Körper sehen.
3. Anhaftung an äußere Dinge
Die Kommentare definieren Anhaftung an äußere Dinge als Anhaftung an Eigentum und an Menschen. Wenn ihr an äußeren Dingen wie Eigentum oder Menschen anhaftet, ist die Anhaftung im Geist und ihr könnt sie nicht gehen lassen und richtig meditieren. Die Anhaftung hält euch davon ab mit ganzem Herzen alle bedingten Objekte beiseite zu legen, sodass der Geist frei sein kann das Unbedingte zu erfahren. Wenn wir z. B. sagen, dass wir jetzt momentan kein Zorn (oder irgendeine Anhaftung) auf irgend jemanden verspüren, mag das wahr sein. Aber sie ist da, tief festgesetzt in unserem Herzen und unserem Geist. Sie wird besonders stark und steht uns im Weg, wann immer wir in tiefe Konzentration kommen oder tiefes Verstehen erreichen möchten.
Das erklärt, warum manchmal, wenn Leute meditieren, eine Menge tiefsitzender Neurosen auftauchen. Normalerweise bemerken sie sie nicht, aber während der Meditation machen sich die Neurosen oft bemerkbar und stören enorm.
Deshalb ist es besser, wenn man sich um Fortschritt im dhamma und vinaya bemüht, also ein Mönch zu sein. Mönche haben nichts, sie brauchen sich über nichts Sorgen zu machen. Sie meditieren nur und leben Tag für Tag. Ein Mönch zu werden bedeutet, dass ihr darauf vorbereitet seid bis zu eurem Lebensende zu meditieren. Ihr sorgt euch nicht um eure Vergangenheit oder um eure Zukunft. Ihr notiert und notiert nur Moment für Moment. Das ist es, was Mönch-Sein tatsächlich ist. Ihr macht euch keine Sorgen um euer Eigentum oder andere Leute, nur über eure Praxis der Loslösung. Deshalb gibt es nichts, was euer Herz festbindet.
4. Anhaften an Untätigkeit
Mit Bezug auf das cetokhila sutta in der Mittleren Sammlung, ist es wie ein Mann, der soviel isst, dass sein Bauch voll ist und er frönt den Freuden des Schlafens, Lümmelns und Dösens, sodass sein Geist nicht zur Anstrengung geneigt ist. Er isst zu viel, dann legt er sich zum Ausruhen hin und schläft. Da gibt es keinerlei Energie.
Natürlich bedeutet das nicht, dass wir uns nicht ausruhen sollten. Wir dürfen. Aber Ausruhen, wie in den Sutten beschrieben, bedeutet vier Stunden pro Nacht. Außerhalb dieser Ruheperiode sollten wir uns jede Stunde des Tages bemühen. Natürlich macht ihr eine Pause um euch zu waschen. Es gibt Essenszeiten, wenn ihr Essen bekommt. Aber in der Mitte all eurer Aktivitäten müsst ihr Achtsamkeit praktizieren, Achtsamkeit auf euer Meditationsobjekt.
Die Anstrengung oder die benötigte Energie um den Geist zu entwickeln, ist sehr groß. In den Meditationszentren des Ostens könnt ihr sehen, wie die Leute sich wirklich anstrengen. Aber sogar dann ist es nur in den ansehnlichen Zentren unter der Leitung von erfahrenen Meistern. Dort sind die Leute wirklich sehr ernsthaft dabei. An diesen Orten lümmeln sich die Leute nach dem Essen nicht herum und ruhen sich aus. Sie haben nicht die kleinste Ausrede um sich auszuruhen.
An diesen Orten sind sie widerwillig am Schlafen. Sie sind ungeduldig wieder aufzustehen. Sie finden, dass Schlafen eine Zeitverschwendung ist. Zeit ist so wertvoll. Zeit ist so wunderbar. Man muss sie vollständig nutzen. Das sollte der Weg sein. Früher hatten die Leute mehr Energie als Konzentration in ihre Praxis gelegt. Ananada z. B. hat sich die ganze Nacht bemüht, bis er sich zum Ausruhen niederlegte, aber nicht um zu schlafen und so wurde er erleuchtet.
Und Sona zwang sich zu gehen. Er machte Gehmeditation, bis seine Füße sehr empfindlich wurden. Dennoch ging er, bis der ganze Weg voll mit seinem Blut war, als wenn jemand dort eine Kuh getötet hätte. Das war das Maß der Energie von den Leuten zu Buddhas Zeiten.
Eine andere Geschichte. Da gab es einen Mönch, der so lange Gehmeditation machte, bis er nicht mehr gehen konnte. So kroch er. Er machte Kriechmeditation. Und wie er so auch während der Nacht kriechend meditierte, kam ein Jäger, der dachte er wäre ein Hirsch und schoss auf den Mönch. Als auf den Mönch geschossen wurde, notierte er „Schmerzen, Schmerzen, Schmerzen.“ Diese Geschichte soll uns dazu dienen uns mehr anzustrengen.
5. Anhaftung an „Ehre“
Das ist, als wenn eine Person das heilige Leben führt um danach zu trachten, ein Gott zu werden. Durch seine Tugend, Sittlichkeit und sein Asketentum und durch das Führen eines heiligen Lebens bemüht er sich, ein großer Gott oder eine Göttin oder eine kleinere Gottheit zu werden. So ist sein Geist nicht zum Höchsten geneigt, das heißt zur Erleuchtung. In dieser fünften Fessel strengt sich der Geist wirklich an etwas Geringeres zu erreichen und bekommt ein Resultat knapp am nibbāna und den Pfad- und Fruchtmomenten, dem tatsächlichen Erleuchtungsbewusstsein, vorbei. Das heißt, dass man an irgend etwas anhaftet, dem Körper, den Gefühlen, der Tugend, der Konzentration, dem Einsichtswissen, aber nicht am höchsten Ziel der Erleuchtung.
Wenn der Geist an etwas Geringerem als dem höchsten Ziel anhaftet, also der tatsächlichen Nibbāna-Erfahrung, dann macht man keine Fortschritte. Man stoppt hier. Anstatt sich zu befreien, haftet man an. Mit anderen Worten, jede Anhaftung kettet den Geist an und er wird gefesselt.
Die nächsten Schritte um im dhamma und vinaya Fortschritte zu erzielen
Um Fortschritte im dhamma zu machen, müsst ihr euch bemühen euren Geist vollkommen von allen Anhaftungen frei zu machen. Wenn man sich so bemüht, existiert eine Rückkehr zum wirklichen Stand der Dinge zur wirklichen Situation. Wenn man zu dieser wirklichen Situation zurückgekehrt ist, muss zumindest für einen kurzen Moment alles Anhaften abgelegt werden. Retreats helfen dabei. Sie sorgen dafür, dass man praktiziert. Das cetokhila sutta sagt, dass, wenn die fünf Verhärtungen aufgegeben werden und die fünf Fesseln entfernt werden, es für jemanden möglich ist Realisierung zu erreichen. Im dhamma vinaya bedeutet „es ist möglich“ nicht, dass es passiert. Es heißt nur, dass die Dinge, die die Realisierung verhindern, abwesend sind.
Vier Grundlagen des Erfolgs für spirituelles Weiterkommen Das Nächste, was der Übende tun muss, ist die iddhi-pāda zu entwickeln, die Grundlage des Erfolgs für das spirituelle Weiterkommen. Es gibt davon vier.
1. Konzentration auf Grund von Eifer und entschlossenem Streben
Lasst uns auf die erste Grundlage schauen. Sie ist das Erreichen eines Zieles oder der Wunsch etwas zu tun. Es ist mehr als Vertrauen. Es ist wie ein Stoß oder eine Absicht (chanda-samādhi). Diese Absicht sich spirituelles Weiterkommen zu wünschen, ist sehr konzentriert. Dieser Glaube und diese Motivation löst Vipassanā-Konzentration aus oder konzentrierte Bewusstheit auf die Dinge, so wie sie sind.
2. Konzentration auf Grund von Energie und entschlossenem Streben
Die zweite Basis für Erfolg ist padhāna-sankhāra. Dadurch existiert eine Menge an geistiger Kraft und eine Menge an zielgerichteter Energie und Bestreben. „Sankhāra“ sind alle geistigen Gestaltungen, alle geistigen Aktivitäten oder mentalen Faktoren. „Padhāna“ ist Anstrengung, begleitet mit allen mentalen Bemühungen, Gestaltungen und Kräften, die am Anstrengen beteiligt sind. Das ist praktisch gesehen das Ausbilden der Achtsamkeit um sie kontinuierlich zu machen und um einen starken Fluss der Achtsamkeit auszubilden, die jeden Moment unseres Geist-Körper- Prozesses notiert und die Realität sowie die drei Daseinsmerkmale versteht. Diese Art des geistigen Notierens ist sehr kraftvoll und einspitzig und führt in die Richtung der Verwirklichung. Starke Konzentration entsteht, weil wir Glauben, den Wunsch und die Absicht haben uns in diese Richtung zu stoßen und zu entwickeln. Ohne diese Absicht, die kein Verlangen, sondern ein Wunsch ist, könnte der Geist an einem anderen Punkt als Verwirklichung aufhören. Manchmal kann die Entwicklung der Kräfte, bis wir diesen Punkt erreicht haben, durch Energie hervorgebracht werden. Natürlich müsst ihr auch Glauben und Verstehen besitzen. Aber die vorherrschende Kraft, die euch zu diesem Ergebnis führt ist die, dass ihr sehr tatkräftig und energiegeladen seid. Die Hauptsache ist, dass ihr euch anstrengt und anstrengt und anstrengt.
3. Konzentration aufgrund geistiger Reinheit und entschlossenem Streben
Die dritte Grundlage um spirituelle Kraft dieser Stärke zu entwickeln, ist „Geist“. Geist deckt die gesamte mentale Beteiligung ab. Trotzdem hat es mehr mit starker Willenskraft oder Wille zu tun.
4. Konzentration auf Grund von Untersuchung und entschlossenem Streben oder Begeisterung
Die vierte Basis ist Einsicht. Spirituelle Kraft dieser Stärke kann sich bei Leuten, die starkes, gutes Verstehen und einen reifen Geist haben, entwickeln. So wird man jemand, der weiß und der fähig ist in die Dinge zu sehen.
Um dieses Ziel zu erreichen, müsst ihr die Verhärtungen und Fesseln loswerden. Baut die vier Erfolgsgrundlagen auf. Durch die Macht der Praxis wird all die mentale Kraft hervorgebracht. Stoßt eure Einspitzigkeit immer wieder jeden Tag unbeugsam an.
Damit ihr versteht, wie sich jemand wirklich anstrengt um Verwirklichung zu erreichen, gibt die Sutte ein Gleichnis einer Henne, die ihre Eier ausbrütet. Nur wenn die Henne auf den Eiern sitzt und sie lang genug immer wieder wendet, können die Küken ausschlüpfen. Nur wenn die Henne ihre acht oder zwölf Eier sorgfältig beschützt und bebrütet, sind die Küken in der Lage die Schale zu knacken ohne dass sie sich Sorgen machen muss. So ist es auch mit einem bhikkhu, der über diese Faktoren inklusive Begeisterung und starke Energie herrscht. Er ist in der Lage auszubrechen, fähig zur Erleuchtung, fähig die höchste Sicherheit von der Fesselung zu erreichen.