-essentials of insight meditation practice-

die praxis der einsichtsmeditation

15. Einsichtswissen in Kurzform
Einsicht entsteht durch direkte Erfahrung der Realität. Realität wird erlebt, wenn wir alle Konzepte beiseite legen und den Geist nur auf das gegenwärtige Geschehen richten. Der Geist erforscht das, was tatsächlich passiert, das, was wir Geist- und Körperprozesse nennen.
Wenn ihr klar bewusst des gegenwärtigen Momentes seid, was erfahrt ihr dann? Wenn ihr die Sitzempfindung rund um den Hintern beobachtet, dann wisst ihr tatsächlich nichts vom Hintern, ihr erfahrt keine Form, ihr erfahrt nur den Druck und das ist das, was wir letztendliche Realität nennen. Letztendliche Realität ist das Geschehen, das im gegenwärtigen Moment ohne Denken oder Vorurteile erfahren werden kann. Dies sind die spezifischen Merkmale der Geist-Körper-Prozesse.
Nur wenn die tiefe klare Bewusstheit auf das Beobachten der Realität also auf die Geist-Körper-Phänomene platziert und fokussiert wird, können wir tiefe Erfahrung und tiefes Verstehen der Realität bekommen. Nur wenn die tiefe Bewusstheit durchdringend ist, haben wir die Erfahrung der Realität. Ihr seht, dass all diese Erfahrungen nur natürliche Erscheinungen sind. Da ist keine Person anwesend, kein „Ich,“ kein „Euch“, sondern nur ein natürliches Phänomen. Wenn ihr diese Phänomene klar beobachten könnt, werdet ihr erkennen, dass sie nicht etwa absolute Entitäten selber sind, sondern abhängig mit all den anderen assoziierten Phänomenen. Wir sagen, dass wir uns der bedingten Natur bewusst sind und was uns klar wird, ist der Fluss. Der Geist und der Körper fließen, der Prozess fließt und abhängig von diesem Fluss ist das Ding, was Zeit genannt wird.
Wenn man weitermacht, wird man sehen, dass all die Dinge im Universum letztendlich in dem enden, was wir als die drei allgemeinen Daseinsmerkmale (Veränderlichkeit, Unzulänglichkeit und Nicht-Selbst) bezeichnen. Wir sagen auch, dass die 16 Einsichtswissen in Einsichtsgruppen unter diesen drei allgemeinen Merkmalen klassifiziert werden können.

Einsicht in die drei allgemeinen Daseinsmerkmale
Jetzt ist es notwendig euch ein klareres Verständnis der Einsicht in diese drei Daseinsmerkmale zu geben.
Damit man besser verstehen kann, definiert der dhamma ein paar Begriffe. Es sind anicca (Unbeständigkeit), aniccalakkhana (Das Merkmal der Unbeständigkeit), und aniccanupassana (Betrachtung der Unbeständigkeit). Der dhamma definiert, was mit Unbeständigkeit gemeint ist, und zwar Unbeständigkeit bezüglich der fünf Daseinsgruppen. Diese Geist-Körper- Prozesse sind Form, Empfindungen, mentale Gestaltungen und Bewusstsein. All diese Daseinsgruppen sind unbeständig. Das bedeutet, dass die tatsächliche wahre Natur der fünf Daseinsgruppen, diese Geist-Körper- Prozesse als unbeständig zusammengefasst werden können.
Was ist diese Unbeständigkeit? Wir sprechen erst einmal von der Charakteristik der Unbeständigkeit. Charakteristik bedeutet Merkmal oder Zeichen, das selbst nicht Unbeständigkeit sondern nur Merkmal ist. So wie es ein Schild, dass nach Katoomba zeigt, gibt. Das Schild selbst ist nicht Katoomba.
Katoomba ist der Ort, den ihr erreicht, wenn ihr dem Schild folgt. Ein anderes Beispiel ist ein Finger, der zum Mond zeigt. Dieser Finger ist nicht der Mond. Auf die gleiche Weise zeigt das Merkmal der Unbeständigkeit nur auf die Unbeständigkeit. Was ist nun das Merkmal der Unbeständigkeit? Was wir normalerweise Veränderung nennen, ist das Merkmal der Unbeständigkeit. Wir erkennen einen Anfang und ein Ende.
Was ist dann die Unbeständigkeit selbst? Unbeständigkeit ist das, wenn der Moment entsteht und dabei schon vergeht. Ein Mönch definierte es so: wenn ihr das Entstehen wie das Vergehen in dem Maße erfahrt, dass es keinen Unterschied zwischen dem Entstehen und Vergehen mehr gibt, in diesem Moment erfahrt ihr Unbeständigkeit selbst. Das ist auch das, was wir die Veränderung im Moment nennen.
Wenn ihr z. B. das „Heben“ und „Senken“ beobachtet, sagt ihr zuerst „Heben, Senken, Heben, Senken.“ Wie ich schon vorher sagte, ist das Wort ein Konzept, aber es ist ein Konzept, dass euch zur Erfahrung der Bewegung führt, zum Fluss der Empfindungen der Bauchdecke. Ihr könnt die Vorstellung eines runden Bauches, der sich wie ein großer Ballon aufbläst, bekommen. Die Vorstellung des Bauches ist ein Konzept und entsteht durch das Beobachten. Wenn ihr jedoch fortfahrt, ist das, was immer klarer wird, die Veränderung, die damit einhergeht. Manchmal ist die Bewegung schnell, manchmal langsam, manchmal geht es in diese Richtung, manchmal in jene. Diese Methode, obwohl sie ein noch anwesendes Konzept darstellt, kann man nicht vermeiden. Was ihr tun müsst, ist den Geist weiter zur tatsächlichen Empfindung zu zerren. Wenn ihr dann diese Empfindung fühlen könnt, gibt es nur einen Empfindungspunkt. Es ist, als ob das „Heben“ aus einer Menge von Punkten besteht. Und all diese Punkte können nicht zur gleichen Zeit erscheinen, nur ein einziger Punkt kann zu einem Zeitpunkt entstehen und vergehen. Wenn ihr euch besser auf die pure Empfindung fixieren könnt, passiert es, dass ihr das „Heben“ als eine umfassende Serie von Bewegungen und Empfindungen seht. Dies wird oft wie auf einer geraden Linie wahrgenommen, obwohl das nicht notwendigerweise so sein muss, da eine gerade Linie auch ein Konzept ist. Bei eurem Beobachten, kommt ihr der Serie der Empfindungen immer näher und dann kommt ihr an einen Punkt, wo es nur noch ein Fluss ist.
Ein anderes Beispiel. Am Anfang kann man das „Heben“ oft in zwei Phasen, die in der Mitte kurz anzuhalten scheinen, beobachten. Wenn ihr weiter beobachtet, scheint es drei- oder viermal zu stoppen, als wenn das „Heben“ in drei oder vier Teile aufgeteilt ist. Bei noch näherer Beobachtung ist es so, als wenn es in zehn Teile unterteilt ist, dann 100, obwohl ihr natürlich diese 100 Teile nicht mehr zählen könnt. Letztendlich gibt es in einem Zeitmoment nur ein Entstehen und das Entstehen ist auch gleichzeitig das Vergehen. Wenn dies passiert, könnt ihr nicht mehr denken. Die Empfindung, die Spannung und die Bewegung selbst sind nicht länger klar. Was klar ist, ist die Veränderung im Moment, der Fluss. Es ist so, als wenn ihr eine Kinoleinwand beobachtet. Ein Bild des Filmes erscheint und geht dann, dann ein anderes und wieder ein anderes. Wenn dies immer schneller auftritt, was passiert dann? Das Bild erscheint (oder geht an und aus), und zwar bis es so schnell wird, dass ihr nicht mehr das individuelle Bild sehen könnt, ihr wisst nur noch, dass es sehr schnell an und aus geht. Es ist keine Zeit um das Bild zu sehen, da das Bild nur für einen kurzen Moment existiert. In anderen Worten, der Geist konzentriert sich zuerst auf die Empfindung und wenn man sich der Natur dieser Empfindungen bewusst ist und zwar mit reiner Achtsamkeit und purer Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment, dann seht ihr nur noch den Fluss. Wenn ihr nur noch den Fluss seht, seht ihr die Unbeständigkeit. Deshalb, was auch immer es ist, ob es eine materielle Qualität der vier Elemente, das Gefühl, das Bewusstsein selbst ist oder ob es geistige Gestaltungen sind, in dem Moment wo alles zu diesem Fluss reduziert, gibt es keine eigentliche Unterscheidung mehr. Wenn ihr an diesem Fluss oder dieser Im-Moment-Veränderung ankommt, seht ihr die Unbeständigkeit. Nun könnt ihr erkennen, dass nicht nur die Materie unbeständig ist, sondern auch alle fünf Daseinsgruppen des Körper- und Geistprozesses.

Die wahre Natur der Realität
Diese Unbeständigkeit kann als die wahre Natur der Realität bezeichnet werden, die wahre Natur der Phänomene. Unbeständigkeit ist ein Wort die Realität zu bezeichnen, aber zuerst müssen wir in der Lage sein diese Phänomene zu beobachten. Ihr verbleibt nicht bei den Konzepten. Ihr durchdringt sie und geht zur tatsächlichen Realität. Ihr beobachtet die Im- Moment-Veränderung in Geist und Körper, die Vipassana-Objekte, aber ihr hängt nicht an ihnen. Ihr lenkt den Geist um diese Dinge zu beobachten, aber ihr benötigt einen klaren unvoreingenommenen Geist. Dann werdet ihr keine Vorurteile haben, wenn ihr den Geist zerrt, ihn führt und in den Fluss, in den Prozess selbst sinkt. Ihr solltet keinerlei vorgefasste Meinungen haben. Es ist wie Blasen, die kommen und gehen. Ihr solltet euch nicht vorstellen, wie es wäre oder sein sollte. Ihr solltet den Geist in einer Weise halten, der frei und angemessen zu seinem eigenen einzigartigen Bewusstseinszustand ist, da Einsichtswissen in einer Art entsteht, die der Umgebung und dem Temperament des Individuums entspricht. Obwohl es ein herkömmliches Muster gibt, in dem Einsichtswissen erscheinen und sehr schnell wieder verschwinden, ist jede individuelle Erfahrung einzigartig. Wenn ihr eine vorgefasste Meinung habt, limitiert ihr die Freiheit mit der euer Geist Einsicht entwickeln kann. Einige Leute, die schon Erfahrungen gemacht haben, versuchen ihre vergangenen Erfahrungen wiederzubekommen. Wir empfehlen dies nicht zu tun. Wenn ihr die richtige Methode habt und dieser entsprechend praktiziert, entstehen die Einsichtsstufen von selbst. Wenn ihr versucht mit einem bestimmten Weg übereinzustimmen, also wie die Erfahrung sein sollte, dann begrenzt oder zögert ihr euren eigenen Fortschritt hinaus. Lasst es in einer geringfügig anderen Art passieren, sorgloser und schneller, ohne diese sich selbst aufgebürdeten Einschränkungen. Das ist es, was wir meinen, wenn wir sagen, ihr führt den Geist durch Beobachten, wie er die Merkmale der Unbeständigkeit betrachtet. Ihr habt keinerlei vorgefasste Meinung wie die Erfahrung oder Unbeständigkeit sein wird. Ihr müsst einen richtig klaren und offenen Geist dafür haben, was geschieht. Es ist wichtig keinerlei Erwartungen zu haben. Der Anblick der Unbeständigkeit selbst entsteht durch die konstante Beobachtung der Merkmale der Unbeständigkeit.

Leiden
Im Pali ist das Wort für Leiden dukkha. Wenn wir Leiden sagen, bezieht es sich genauso auf die fünf Daseinsmerkmale, wie auch Unbeständigkeit sich auf die fünf Daseinsmerkmale der Körper- und Geistprozesse bezieht. Das Merkmal des Leidens bezieht sich auf Bedrücktheit. Die klarste Erscheinung ist das, was wir dukkhadukkha, „Leiden-Leiden“ oder Schmerz des Leidens nennen. Dies bezieht sich auf den allen bekannten Schmerz körperlich oder geistig. Beispiele sind, wenn ihr euch traurig fühlt, Zahn-, Kopf-, Rückenschmerzen oder Schmerzen in den Beinen habt. All dies sind Merkmale des Leidens. Da ist klar erkennbare Bedrücktheit. Wenn wir jedoch über das Leiden der fünf Daseinsgruppen sprechen, bedeutet das, dass die fünf Gruppen, da sie unbeständig sind, selbst Leiden sind. Es setzt Unbeständigkeit mit Leiden gleich. So gibt es tatsächlich zwei Worte mit der gleichen Bedeutung, aber Leute, die das nicht selbst erfahren haben, sind nur in der Lage die Merkmale und noch nicht die Realität zu sehen. Wenn jemand die wahre Bedeutung durchdringen möchte, im Sinne der drei allgemeinen Daseinsmerkmale, dann muss man die Unbeständigkeit selbst sehen. Man muss die Merkmale der Veränderung immer wieder betrachten. Wenn man dann dazu in der Lage ist, kann man auch die Merkmale des Leidens klarer sehen. Schließlich, wenn ihr die Unbeständigkeit selbst klar sehen könnt, werdet ihr auch das Leiden dort erkennen. Mit anderen Worten gesagt, muss man schließlich den Geist dazu bringen die Im-Moment- Änderung, den tatsächlichen Fluss der Geist- und Körperprozesse, so klar wie möglich zu sehen. Dann werdet ihr verstehen, dass die Im-Moment- Änderung des Geistes selbst Leiden und die Erfahrung dessen wie intensiver Schmerz ist. Diese Art von Schmerz ist ein mehr geistiger als körperlicher Schmerz. Dann versteht der Geist das, was in den Sutten gesagt wird, nämlich dass alles, was unbeständig ist, auch Leiden ist.
Es ist nicht so, dass ihr leidet, weil ihr an eurem Besitz oder Körper haftet oder dadurch, dass ihr euch verändert, weil ihr wachst, alt und krank werdet. Das ist mehr eine konventionelle Argumentation ein konventionelles Verstehen. Während der Praxis, da ihr die Im-Moment-Änderung sehr klar seht, die echte Unbeständigkeit, wird das Leiden offensichtlich. Dieses Leiden ist die Im-Moment-Änderung, die in der Form einer unstabilen unruhigen Erfahrung daherkommt. Es ist eine echte Erfahrung, so etwa wie Schmerz oder mentale Qual. Es ist die fundamentale Basis, wo alles Leiden im Leben entsteht.
Das Ziel all dessen ist, vergesst das nicht, Loslösung. Loslösung von allem was unbeständig ist, Loslösung von allem was entsteht und vergeht. Wenn die Unbeständigkeit nicht erfahren wird, kann der Geist keine Loslösung von der bedingten Natur, also allem was die Natur des Entstehens und Vergehens hat, entwickeln. Wenn ihr nicht die auf diese Weise erhaltene totale Loslösung erreicht, wird der Geist noch an etwas, dass bedingt ist, etwas, dass mit Geburt und Tod verbunden ist, hängen. So sucht ihr vielleicht Zuflucht in etwas, dass sehr friedlich und fein ist. Wenn man jedoch erkennt, dass alles Bedingte unbefriedigend, leidvoll oder voller Schmerz ist, dann wendet sich der Geist davon ab. So löst er sich von den bedingt entstandenen Dingen. Wenn dies passiert, wendet sich der Geist tatsächlich dem Unbedingten zu, wendet sich dem zu, was wir nibbana nennen, da das Unbedingte etwas ist, das sich nicht ändert. Im Vergleich zum Zustand des Leidens des Bedingten ist dies der ewige Frieden. Dann werdet ihr auch verstehen, warum wir sagen, dass Vipassana-Meditation der einzige Weg zum Unbedingten ist.
Viele Leute scheinen es nicht zu mögen, dass vipassana der einzige Weg ist. Wenn ihr jedoch diesen Punkt der unbeständigen und leidhaften Natur erwägt, kann nur die Einsichtsmeditation euren Geist dazu bringen, die Unbeständigkeit und die bedingte Natur des Leidens zu sehen. Nur wenn ihr dies selbst seht, werdet ihr euch von all diesen bedingten Dingen abwenden. Wenn der Geist nicht dieses wirklich starke und machtvolle Verstehen entwickelt, werden euch all die langen und tiefsitzenden Anhaftungen an die Freuden der Welt und Existenz auch festhalten. Ihr könnt euch nicht befreien, da der Geist nicht frei sein will. Der Geist sieht es nicht ein, frei zu sein, da er das Leiden und die Intensität des in der bedingten Natur gegenwärtigen Leidens, gegenwärtig in allem Entstehenden und Vergehenden, nicht sieht.
Das bedeutet, dass unsere Entwicklung der Unbeständigkeits- Wahrnehmung sehr scharf werden muss. Es ist für uns leichter etwas zu erkennen, das materielle Eigenschaften hat; das heißt, Hitze, Vibration und Spannung, die von Moment zu Moment entsteht und vergeht. Es ist leicht schmerzhafte Gefühle entstehen und vergehen zu sehen. Aber es ist schwieriger, Dinge wie das Bewusstsein, Dinge wie freudige und neutrale Gefühle, die gewöhnliche Personen überhaupt nicht klar erfahren, zu sehen. Nur wenn ihr auch diese als unbeständig sehen könnt, könnt ihr die wahre Bedeutung des Leidens hinter der Unbeständigkeit erkennen und das wird immer deutlicher, wenn sich eure Meditation und Konzentration vertieft. Die Gefühle werden subtiler. Die Objekte und geistigen Objekte werden feiner. Wenn ihr nicht in der Lage seid die Im-Moment-Veränderung in diesen zu beobachten, werdet ihr nicht das Leiden darin sehen können. Und weil ihr die Veränderung nicht sehen könnt, seht ihr sie als wesenhaft und wunderbar an. Deshalb, wenn ihr nicht die Im-Moment-Änderung, die Unbeständigkeit und das daraus resultierende Leiden sehen könnt, kann sich die Loslösung nicht ereignen.

Obwohl ihr am Anfang noch nicht die Im-Moment-Änderung sehen könnt, könnt ihr offensichtlichere Veränderungen wahrnehmen. Wenn ihr die Gegenwart der Veränderung dann klarer seht, hört das Anhaften langsam auf. Zuerst könnt ihr keine Wahrnehmung vom Nicht-Selbst haben, da der Geist noch an der Idee eines Ego, eines Selbst hängt. Wenn man die Veränderung im Geist und Körper sieht, geht das Hängen am Selbst langsam weg und das Wesenlose der natürlichen Erscheinungen der Geist- Körper-Prozesse wird klarer. Ihr erkennt immer mehr, dass ihr nicht die Körperempfindungen seid, dass der beobachtende Geist nur der beobachtende Geist ist. Genauso wie die Gefühle und die ganze Menge an Schmerz nicht zu einem „Ich“ gehört. „Ich“ ist nicht der Schmerz. Und der Geist, der den Schmerz klar beobachtet, ist auch nicht „Ich.“ Es ist nur der beobachtende Geist. Diese Art der Erfahrung entsteht nur, wenn ihr die Veränderung und das Leiden, das durch diese Veränderung entsteht, erkennt. Dann werden die Merkmale der Unbeständigkeit klarer, die Merkmale des Nicht- Selbst offensichtlicher. Erst wenn das Merkmal des Nicht-Selbst offenbar wird, kann das Nicht-Selbst selbst offenbar werden. Dieses Nicht-Selbst entspricht den fünf Daseinsgruppen, einer Kategorisierung der Realität. Das Gleiche gilt für Unbeständigkeit und Leiden.
Um es kurz und einfach zu machen. Die Merkmale sind nur Hinweise in die Richtung, in die ihr euren Geist zum Beobachten hinwenden müsst ohne Erwartung dessen, wie es denn sein wird, wenn ihr tatsächlich den Fluss erfahrt. Die Tatsache der Unbeständigkeit, das Leiden und das Nicht-Selbst sind selbst Realitäten, aber die Merkmale sind diejenigen Dinge, die ihr zuerst erfahrt. Genau wie die Veränderung und die Bedrücktheit, die euch dann tatsächlich zur echten Erfahrung der Realität führt.

Die verschiedenen Stufen des Einsichtswissen
So kann all die Unbeständigkeit, all das Leiden und Nicht-Selbst, also die Realitäten oder bedingten Erscheinungen, auf verschiedenen Stufen gemäß der Kraft und Stärke der verschiedenen Kontrollfähigkeiten erfahren werden. Die fünf Kontrollfähigkeiten sind Vertrauen, Energie, Achtsamkeit, Konzentration und Einsicht. Wenn Achtsamkeit, Konzentration und Einsicht stärker werden, werdet ihr die drei allgemeinen Daseinsmerkmale auf einer tieferen Stufe erfahren. Je tiefer diese Stufe ist, desto tiefer ist das Einsichtswissen.
Im Allgemeinen beginnt die Beobachtung mit den groben Veränderungen und der Bedrücktheit. Dann, wenn die natürlichen Erscheinungen klar als Nicht-Selbst gesehen werden, wird die Unbeständigkeit stärker und so wird auch das Merkmal der Unbeständigkeit klarer. Die Merkmale des Leidens folgen und dann die Merkmale des Nicht-Selbst. Wenn all diese drei Merkmale klar geworden sind, wird die Erfahrung der Unbeständigkeit, des Leidens und des Nicht-Selbst klarer und nicht nur die Merkmale. Mit anderen Worten: die Erfahrung der Realität wird deutlicher. Bitte bedenkt, wenn wir Erfahrung der Realität sagen, dass wir nur die Erfahrung meinen. Die Realität bleibt immer die Gleiche. Es ist die Erfahrung, die klar oder nicht so klar ist. Deshalb können diese verschiedenen Stufen der Erfahrung der Realität als verschiedene Stufen des Einsichtswissens betrachtet werden.
Nehmt z. B. die 16 Einsichtswissen. Das erste Einsichtswissen (Unterscheidung von Geist und Körper) ist Einsichtswissen, das das Nicht-Selbst anbelangt. Das zweite Einsichtswissen (Wissen der Bedingtheit) und das dritte Einsichtswissen (Wissen des klaren Verstehens) können sich beide auf irgendeines der drei allgemeinen Daseinsmerkmale beziehen, da diese beiden alle drei Daseinsmerkmale abdecken. Hier wird irgendeines der drei Merkmale in eurer Erfahrung klarer. Wenn ihr zum vierten Einsichtswissen, dem Wissen vom Entstehen und Vergehen kommt, wird das Merkmal der Unbeständigkeit sehr deutlich. Wenn ihr dann zum Einsichtswissen des Schreckens, der Gefahr, der Abwendung und zum Erlösungswunsch kommt, wird bei diesen vier Einsichtswissen das Merkmal des Leidens immer deutlicher. Beim Einsichtswissen des Gleichmuts gegenüber den Gestaltungen wird der Aspekt des Nicht-Selbst klar. Ihr könnt sehen, dass - obwohl alle drei allgemeinen Daseinsmerkmale in allen Aspekten der Realität immer vorhanden sind - zu gewissen Zeiten eine Charakteristik deutlicher hervortritt. Wenn ihr mehr Unbeständigkeit erfahrt, erfahrt ihr mehr Leiden. Wenn ihr mehr Leiden erfahrt, entsteht Ablösung und ihr erfahrt mehr Nicht-Selbst. So geht der Kreislauf weiter.

Das Hauptziel ist Läuterung
Wichtig ist, dass das Hauptziel all dieser Erfahrungen die Läuterung ist. Diese Läuterung entsteht dadurch, dass man in allen Dingen Nicht-Selbst sieht. Das bedeutet, dass ihr dem Hängen an all diesen Geist-Körper- Prozessen entsagt. Nicht nur das grobe Haften, sondern auch das sehr feine und tiefsitzende Haften. Wenn all diesem tiefsitzenden Hängen in uns entsagt wurde, dann ist das, was übrig bleibt, die Natur. Wenn man außerdem das Leiden in all diesen Dingen sieht, ist man vollkommen losgelöst von den unbeständigen Dingen. Dann kann der Geist sich selbst befreien und Zuflucht im nibbana, dem unbedingten Zustand, finden.

Dies ist eine kurze Zusammenfassung der Mechanismen der Einsichtsmeditation.

Dinge auf die man achten sollte
In diesem Prozess gibt es natürlich eine Menge zu beachtender Dinge. Die Meditationshandbücher warnen den Yogi immer vor den Fallstricken. Einige von ihnen werden als Trübungen der Einsicht (upakilesas) bezeichnet. Diese können sehr scharf und sehr klar entstehen, wenn man eine gewisse Stufe der Meditation erreicht hat. Diese Fallstricke treten häufig beim niederen udayabhaya ñaCa auf, den niederen Wissen vom Entstehen und Vergehen. Nicht, dass es nicht auch woanders entstehen könnte, aber es entsteht oft an diesem Punkt. Das Wichtige ist hier, alle Erfahrungen, die wir machen, lediglich zu notieren, egal wie angenehm, wundervoll oder tiefgreifend sie sind. Auch sie entstehen nur und vergehen wieder. Wenn ihr die Unbeständigkeit in den Dingen nicht sehen könnt, können sie zum Fallstrick werden. Sie können Verlangen erwecken, Überheblichkeit oder falsche Ansicht. Verlangen und Anhaftung entsteht, wenn ihr sie so wunderbar findet, dass ihr sie mehr und mehr behalten wollt. Eine andere Form der Anhaftung ist, wenn ihr z. B. fühlt, dass ihr etwas Wunderbares erfahren habt und euch deshalb wichtig fühlt und so stolz darauf seid. Auch so entstehen Befleckungen. Oder ihr denkt, ihr habt den höchsten Zustand gefunden, weil ihr große Ruhe und wunderschöne geistige Zustände erfahrt und ihr denkt, dass das nibbana sei. Ihr hängt an der Ansicht, dass dies der höchste Zustand ist. Das ist falsche Ansicht. Wenn das passiert, hört ihr nicht nur mit dem Fortschreiten auf, sondern ihr könnt auch weitere Probleme bekommen. In Extremfällen könnt ihr auch einen psychischen Schaden bekommen und ein bisschen psychotisch oder neurotisch werden. Deshalb solltet ihr davor auf der Hut sein, denn obwohl Leute davon hören, werden sie trotzdem davon überwältigt und gehen in diese Falle.

Die zehn Trübungen der Einsicht
Die zehn Trübungen der Einsicht oder zehn Befleckungen der Einsicht sind tatsächlich Resultate, die durch gute Erfahrungen auf Grund eines reinen Geistes entstehen. Ausgenommen die letzte Trübung. Sie ist eine echte Befleckung. Wegen solcher Anhaftung kann es zum Fall kommen. Deshalb merkt euch, dass das, was auch immer entsteht und als angenehm erfahren wird, achtsam notiert werden muss.

Die zehn Trübungen der Einsicht sind:

1. Obhasa Lichtglanz
2. ÑaCa Erkenntnis
3. Piti Entzücken
4. Passaddhi Gestilltheit
5. Sukha Glückseligkeit
6. Adhimokkha Vertrauen
7. Paggaha Energie
8. Upatthana Starke Achtsamkeit
9. Upekkha Gleichmut
10. Nikanti Anhaften


Ihr könnt schwierige Situationen antreffen
Die andere Sache, die ihr bedenken solltet ist, dass ihr im Laufe eurer Praxis mit vielen schwierigen Situationen umgehen müsst. Das hat mit der Meditation und euren Befleckungen zu tun. Man sagt, dass bei Personen, deren Befleckungen stark sind, Fortschritte in der Meditation schwieriger erlangt werden, da Meditationsfortschritt Läuterung des Geistes heißt. Wenn es eine Menge an Unreinheiten gibt, ist es schwieriger sie zu entfernen. Ein anderes Problem besteht darin, wenn jemand große Schmerzen hat und gleichzeitig starke Tendenzen zum Ärger. Es ist dann schwieriger für ihn, während der Schmerzbeobachtung die Ruhe zu bewahren. Schmerzbeobachtung und Leiden ist unvermeidbar bei vipassana. Wenn gewisse verschiedene Aspekte des Zornes stark vorhanden sind, kommen sie wiederholt hoch. Außerdem ist jeder Zorn auch mit Anhaften verbunden. Zorn entsteht dadurch, dass ihr nicht das bekommt, was ihr wollt. Und Anhaften ist auch mit Unwissenheit und Wahn verbunden. Ihr könnt die Natur der Unbeständigkeit nicht sehen oder akzeptieren. Deshalb seid ihr verblendet und deshalb haftet ihr an. Und wenn ihr anhaftet und die Dinge nicht so laufen wie ihr wollt, werdet ihr zornig. Ihr seht also, dass diese drei üblen Wurzeln miteinander verbunden sind. Wie bei einem untereinander verbundenen Verbrechersyndikat. Deshalb können sich bestimmte Phasen der Meditation wegen der starken Befleckungen schwierig gestalten. Wenn ihr nicht in der Lage seid diese Phasen zu überwinden, könnt ihr hier stecken bleiben und wenn ihr nicht vorsichtig seid, kann der Geist anstatt gereinigt zu werden noch größere Befleckungen anhäufen. Zu solchen Zeiten ist es wichtig richtigen Rat zu suchen. Wenn der Geist unruhiger als sonst wird und keinerlei Achtsamkeit vorhanden ist, ist es besser zu den Grundlagen zurückzukehren und sich ein bisschen auszuruhen. Ihr habt vielleicht gehört, dass es gewisse Einsichtswissen wie das Wissen der Furcht, des Schreckens oder des Ekels gibt. Einige Leute fürchten sich vielleicht vor diesem Moment. Es ist aber nicht wirklich erschreckend, es ist mehr wie das Sehen des Terrors in der Natur der Körper- und Geistprozesse. Es ist Einsicht. Wenn ihr etwas Schreckliches seht, heißt das nicht automatisch, dass ihr euch auch erschreckt. Ihr werdet erschreckt, wenn es sich nicht um ein Einsichtswissen handelt. Wenn euer Geist nicht stark genug ist die Achtsamkeit aufrechtzuerhalten, dann kann der sofort auf dem Einsichtswissen folgende Bewusstseinseindruck nicht so angenehm sein. Deshalb ist starke und stabile Achtsamkeit sehr wichtig. Durch starke Konzentration werden kleine Erfahrungen vergrößert. Wenn sie außerordentlich vergrößert werden und eure Achtsamkeit nicht stark genug ist sie zu akzeptieren und zu beobachten, entstehen statt der Erfahrung von Einsichtswissen Befleckungen. Deshalb ist starke Achtsamkeit so wichtig.

Drei Modelle, die den Meditationsfortschritt beschreiben
Ich möchte jetzt drei Modelle für den Fortschritt in der Einsichtsmeditation, also Fortschritt bei der Durchdringung der drei allgemeinen Daseinsmerkmale, vorstellen.

Das erste Modell ist das eines Mikroskops. Der Einsichtsfortschritt scheint wie ein Mikroskop zu sein, das konsequent seine Vergrößerungsfähigkeit steigert. Je größer die Vergrößerungsfähigkeit eines Mikroskops ist, desto mehr Details können auf dem Objektträger gesehen werden. Es ist dasselbe, als wenn ihr die drei allgemeinen Daseinsmerkmale betrachtet. Wenn das Einsichtswissen wächst, wird die Realität immer klarer. Natürlich passiert das nicht sofort, es steigert sich allmählich. Dieses Modell soll klarmachen, dass Einsichtswissen nicht durch Denken, sondern durch reine, klare und konzentrierte Bewusstheit entsteht. Es muss die Absicht zu sehen und tief zu erfahren vorhanden sein. Wenn man sich nur mit der Erfahrung dessen was vorhanden ist zufrieden gibt, kommt man wahrscheinlich nicht weiter. Man muss etwas drücken, etwas nachhelfen.

Das zweite Modell ist das eines wachsenden, kegelförmigen Baumes, also wie eine Zypresse oder Tanne. Der Baum muss, wenn er wachsen will, zuerst feste und starke Wurzeln entwickeln. Wenn das Wurzelgeflecht nicht stark ist, kann es das Wachstum eines großen Baumes nicht unterstützen. Die Wurzeln repräsentieren hier das gesamte gute kamma, die Tugend etc. Wenn der Baum erst einmal wächst, macht er das bis zu einer gewissen Stufe. Die ersten Zweige wachsen, dann entstehen Zweige an den schon entstandenen Zweigen, die dabei, wie auch die Wurzeln, dicker werden müssen. Wenn die Zweige zweiten Grades sich etabliert haben, wachsen die dritten Grades. Und wenn diese wachsen müssen, auch die der unteren Grade weiter wachsen. Das bedeutet, dass eine richtige Grundlage der unteren Erfahrungen entwickelt werden muss, bevor die höheren Stufen wachsen können. Eure Konzentration z. B. muss andauernder und tiefer werden, bevor ihr in der Lage seid mehr Phänomene zu beobachten. Deshalb, wenn ihr gewisse neue Erfahrungen beobachtet, müsst ihr sie länger und klarer beobachten, bevor ihr tiefer gehen könnt. Um auf der dritten Stufe klarer zu sehen, müssen die ersten beiden Stufen auch klar sein. Vergesst nicht die unteren Stufen. Das heißt, dass es eine gewisse Zeit eine konstante Wiederholung der früheren Erfahrungen gibt, bevor neue Erfahrungen gemacht werden. Die Lektion, die ihr lernen müsst, ist Geduld zu üben.

Das dritte Modell ist das des Lebenselixiers, das Unsterblichkeit verleiht. Die Chinesen benutzen normalerweise Ginseng, das es vielleicht hier bei euch nicht gibt. Die Legende von Ginseng besagt, dass diese Wurzel, wenn sie zum Lebenselixier wird, in Form eines Menschen wächst. Dann wird sie ein Lebewesen und rennt weg. Man muss sie jetzt einfangen. Wenn ihr sie gefangen habt, wird sie wieder eine Ginseng-Wurzel und wenn ihr sie esst, wird sie ein Allheilmittel. Ihr legt die Wurzel ins Wasser und kocht sie um die Essenz zu extrahieren. Genauso müsst ihr, um Einsichtswissen zu bekommen, auf der Herdplatte sitzen. Das heißt ihr fangt an euch selbst zu „kochen“. Ihr beobachtet den Schmerz, ihr beobachtet das „Heben“ und „Senken,“ das „Sitzen“ und „Berühren,“ und das Denken immer wieder. Langsam entsteht Verstehen und dies bringt Loslösung von all dem was entsteht und vergeht hervor.

Einige Worte zu nibbana
Zum Schluss möchte ich noch etwas mehr von theoretischer Seite zu nibbana sagen. Wenn man tiefer geht und vollkommene Ablösung vom Geist und Körper findet, wird die Achtsamkeit und Einsicht reif. Wenn all die unterstützenden Bedingungen und paramis (zehn Vollkommenheiten) reif sind, dann wendet sich der Geist dem unbedingten, überweltlichen Zustand zu. Mit anderen Worten erreicht er ein Stadium, wo er von allen Geist- und Körperprozessen abgeschnitten ist und in einen Zustand geht, wo es keine Veränderung gibt. Wir nennen dies die absolute Wahrheit. Es gibt darüber jedoch eine Menge an Hörensagen und so können viele falsche Vorstellungen entstehen. Manchmal können sie wirklich schlimm sein. Es gab zum Beispiel einmal eine Frau, die irgendwo zum Meditieren hinging. Eines Tages befand sie sich auf dem Dach eines Gebäudes und schaute über einen Fluss. Sie sah, dass die Sonne schien, der Fluss floss und die Wolken hier und dorthin zogen. Als sie all dies sah, war sie so hingerissen, dass sie dachte, sie sei erleuchtet worden. Sie dachte, dass sie wirklich die Unbeständigkeit verstanden habe und betrachtete sich selbst als Stromeingetretene (sotapanna, die erste Stufe der Heiligkeit). Das ist sehr seltsam, wisst ihr, da die Natur des nibbana nichts damit zu tun hat mit dem, was ihr durch irgendein Sinnestor seht oder hört. Wenn ihr das Mindeste an Theorie versteht, dann würdet ihr wissen, dass so eine Erfahrung nicht Erleuchtung sein kann. Es mag eine sehr inspirierende Erfahrung sein, aber es ist noch nicht die Erfahrung des Unbedingten.
Jemand anderes machte solange Gehmeditation, bis er anfing Blasen über seinen ganzen Körper verteilt zu sehen. Empfindungen entstanden und verschwanden im ganzen Körper. Jemand unterstützte ihn bei der Meinung, dass er jetzt ein Nichtwiederkehrer (anagami, die dritte Stufe der Heiligkeit) sei. Es war nicht das Verlöschen von Befleckungen, sondern seine Erfahrung der Empfindungen im Körper, die entstanden und verschwanden, die ihn zu dieser Schlussfolgerung brachten. Ein anderer Yogi fragte „Ist das so?“, da er es nicht glaubte. Er sagte „Ich erfahre das ja auch die ganze Zeit. Dann muss ich wohl auch ein anagami sein.“ Der Erstere drehte sich herum und sagte, „Auf eine Art bist du es!“ Das soweit um zu zeigen, wie es ist, wenn man an einer Vorstellung hängt und sie nicht gehen lassen kann. Es ist eine Form der falschen Ansicht.
Erfahrungen können zu sehr feinen Zuständen werden. Ihr könnt durch hartes Meditieren sehr nah an einen Zustand kommen, wo der Geist quasi für eine kurze Zeit unbewusst ist. Dann kommt ihr daraus hervor und ihr denkt, es ist etwas Außergewöhnliches passiert. Manchmal könnt ihr dort lange Zeit verweilen und wenn ihr herauskommt, war dort nichts. Man denkt, dass das nibbana sein müsste. Das ist ein weiterer Fallstrick. Man kann fragen, was denn der Unterschied zwischen diesem Zustand und tiefen Schlaf ist? Einige sagen es wäre unterschiedlich, aber auf welche Art ist es unterschiedlich? Leute können sehr an ihren Erfahrungen anhaften. Erinnert euch jedoch, dass die Erfahrung von nibbana kein leerer Geist oder ein unbewusster Zustand ist.
Wenn ihr den abhidhamma studiert, wird der Prozess klarer. Nach dem Pfad- und Fruchtwissen, welches das 14. und 15. Einsichtswissen ist, geht der Geist zum 16. Einsichtswissen, dem Wissen der Rückschau. Im abhidhamma, ist das Bewusstsein des Rückblickswissens ein heilsames mit Wissen verbundenes Bewusstsein. Mit anderen Worten ist es wie der meditierende Geist, der das „Heben“ und „Senken“ beobachtet, außer das es auf einer tieferen Konzentrationsstufe stattfindet. Aber man weiß, was in diesem Moment passiert. In diesem Geisteszustand ist das Objekt des Geistes nibbana. Das bedeutet, dass all die Eigenschaften der absoluten Wahrheit in diesem Geisteszustand leuchtend klar werden. Ihr erfahrt die absolute Wahrheit während der Meditation und ihr wisst, was es ist. Das ist das, was die Abhidhamma-Analyse des Gedanken- und Bewusstseinsprozesses sagt. Deshalb ist es eine sehr klare Erfahrung mit hundertprozentiger Sicherheit. Einer meiner Brüdermönche fragte einen alten Meditationslehrer in Burma danach und der sagte „Oh, du kannst es nicht verpassen. Es ist als wenn ein Blitz in deinen Kopf eingeschlagen hat!“ Deshalb kann es nicht etwas sein, wo man ins Leere geht und dann daraus wieder hervorkommt. Das Wichtige daran ist, dass es eine Erfahrung des überweltlichen, unbedingten Zustandes ist, und dass die Person in der Lage ist, es mit eigenen Worten zu beschreiben. Der wichtigste Test ist der, was nachher ist, der übrig gebliebene Grad an Befleckungen.

Das Wichtigste für uns ist nicht zu vergessen, dass wir weiterarbeiten. Leiden befindet sich in uns allen und wir müssen soviel Achtsamkeit wie möglich bekommen. Dann, wenn es unser kamma und unsere Zeit erlaubt, erreichen wir vielleicht das geliebte Ziel. Die Schriften und die Lehrer erzählen uns, dass es möglich ist. Es muss jedoch eine Menge an Anstrengung geleistet werden.

Ein letztes Wort
Als letztes Wort habe ich einen Zen Koan für euch für den Fall, dass ihr denkt, ihr seid erleuchtet. Gewöhnlicherweise gebe ich diesen Zen Koan an Leute, die andeuten, sie wären erleuchtet. Ich frage sie, „Warum sind bei einem Erleuchteten all seine Befleckungen vollkommen ausgerottet und warum können sie bei ihm nie wieder erscheinen?“ Vor der Erleuchtung entsteht euer Zorn und Verlangen immer wieder, obwohl ihr sie beizeiten nicht habt. Warum ist es so, wenn jemand vollkommen erleuchtet wird , dass all das nie wieder entstehen kann? Warum?“ Ich frage, aber sie kratzen nur ihre Köpfe. Der Lehrer ist nicht dazu da euch zu bestätigen, sondern er hat dafür zu sorgen, dass ihr mit eurer Praxis bis zu dem Tag fortfahrt, an dem ihr sterbt.