B. Konzept und Realität
Es ist wichtig für den Meditierenden, den Unterschied zwischen „Kon-
zepten“ und „Letztendlichen Wirklichkeiten“ zu verstehen, da der Geist von
den Konzepten in Richtung Realität geführt werden muss.
Konzepte sind die Dinge oder Ideen, die vom Geist ausgedacht und er-
zeugt werden. Sie bauen auf den „Letztendlichen Wirklichkeiten“ auf. Kon-
zepte sind nur konventionell und subjektiv wahr.
„Letztendliche Wirklichkeiten“ auf der anderen Seite sind die Phäno-
mene, die unmittelbar wahrgenommen werden können (deshalb „letztend-
lich“), ohne durch den Prozess des konzeptuellen Denkens, Folgerns oder
Vorstellens gegangen zu sein. Dies sind Wahrheiten, die unabhängig von
konventionellen Definitionen sind. „Letztendliche Wirklichkeit“ jedoch
bedeutet nicht notwendigerweise „Absolute Realität.“ Dies bezieht sich nur
auf den unveränderlichen, unbedingten Zustand nibbāna.
Obwohl wir die konventionelle oder konzeptuelle Wirklichkeit im All-
tag nicht ganz über Bord werfen können, müssen wir sie während unserer
Meditationszeiten beiseite tun, um uns zu erlauben wirklich zu sehen und
die Dinge, so wie sie sind, zu erfahren.
Konzeptbildung geschieht auf zwei Wegen:
i. Aktives Denken
Aktives Denken kann als Philosophieren, Planen oder Phantasieren auf-
treten. Es ist klar, dass, wenn man das mit einer Menge an Annahmen, Vor-
urteilen, Ideen oder Halluzinationen macht, man nicht zur gleichen Zeit die
Natur direkt erfahren kann. Man muss zuerst dies alles beiseite tun, bevor
irgendeine Einsicht entstehen kann.
ii. „Unbewusstes“ Denken
Die zweite Art der Konzeptbildung ist insofern feiner, als dass man
nicht aktiv „denkt“ oder zumindest man sich dessen nicht bewusst ist. Diese
Konzepte werden gewohnheitsmäßig vom Geist gebildet und sind tief im
Geist eingebettet. Sie können auch ein untrennbarer Teil des geistigen Pro-
zesses, der von kamma und seinen Resultaten beeinflusst wird, sein.
Obwohl man diese nicht gänzlich verhindern kann, ist es trotzdem nötig, sie
beizeiten mittels hochkonzentrierter reiner Achtsamkeit zu transzendieren
um Einsicht entstehen zu lassen.
Beispiele von Konzepten, die für den Meditierenden relevant sind, sind:
1. Wort Konzepte (sadda paññatti)
Wörter bestehen aus Silben oder Geräuschen, die fortlaufend entstehen
und vergehen. In einem Zeitmoment existieren die Wörter nicht. Es existiert
nur das Entstehen und Vergehen des Geräusches, eine vibrierende Form
materieller Natur. Gleichwie ein Musikstück aus vielen „Noten“ (den Ge-
räuschen) gemacht ist. Solche gehörten Worte basieren auf Geräuschen,
191
durch die wir Ideen und Erfahrungen mitgeteilt bekommen. Hier sind sie
auch visuell, da sie niedergeschrieben wurden.
Geräuschkonzepte (Worte) können real sein, wenn sie sich direkt auf
reale Phänomene beziehen, die unmittelbar erfahren werden können. Un-
wirkliche Konzepte sind jene, die sich nicht direkt auf Realitäten beziehen.
Sie beziehen sich auf andere Konzepte und Ideen, die selbst nicht wirklich
existieren.
Andere Wörter werden mit weiteren Wörtern verbunden und weitere
Konzepte werden aufgebaut und können eine Kombination von realen und
unrealen Konzepten sein.
Beispiel: Das Wort „Bewusstsein“ ist ein reales Konzept, da es sich auf
geistige Phänomene, die unmittelbar ohne Konzeptbildung erfahren werden
können, bezieht.
Das Wort „Mensch“ ist ein unreales Konzept, da es sich auf etwas be-
zieht, das nicht ohne Konzeptbildung unmittelbar erfahren werden kann.
Einige Worte sind beides z. B. „patient“ (patient = deutsch: Patient) kann
sich auf eine kranke Person beziehen und ist unreal oder es bezieht sich auf
einen toleranten geistigen Zustand (patient = deutsch: Geduld) und ist in
dem Fall real.
In der Meditation benutzen wir reale Konzepte als Marken um uns beim
Identifizieren der Realitäten zu helfen. Wörter oder Kennzeichen sollten
während der Meditation nicht ergriffen werden. Stattdessen sollte man ver-
suchen zu verstehen, was es bedeutet zu erfahren.
2. Form, Gestalt und Entfernung
Diese Konzepte lassen die zwei und dreidimensionale Welt entstehen.
Wenn ihr den Fernsehschirm richtig betrachtet, ist das Bild aus einem Elek-
tronenstrahl gemacht, der mit großer Geschwindigkeit innerhalb der Röhre
herumläuft. Er entsteht und vergeht so schnell. Zu schnell als dass jemand
wirklich erfassen kann, was tatsächlich gerade passiert. Was der Geist er-
fasst (zu langsam) ist ein Farbenspiel mit Formen und vermittelt uns so
Ideen. Sie entstehen so schnell, dass es scheint, als würden sie zur gleichen
Zeit auftauchen.
3. Richtungskonzepte (disa paññatti)
Dies sind Konzepte, die mit Richtungen korrespondieren, ein Ding mit
einem anderen in Beziehung setzen wie z. B. Ost, West, rechts, links, oben,
unten, einwärts, auswärts etc.
4. Zeitkonzepte (kala paññatti)
Das Zeitkonzept wird aus Ideen gebildet, die die wiederkehrende und
aufeinanderfolgende Erscheinung von materiellen und geistigen Phäno-
menen betreffen. Materiell ist Licht und Dunkelheit betroffen (wie am Tag
oder bei Nacht), der physische Zustand des Körpers (wie in alt und jung)
etc.
Mental sind mentale Aktivitäten und Funktionen wie Schlafdauer,
Arbeitszeit etc. betroffen.
Obwohl wir einen allgemeinen Zeitplan für unsere Praxis benötigen,
müssen wir ihm nicht blindlings folgen. Anpassungen können gemacht
werden, wenn es gerade unpassend ist. In Gruppen muss manchmal das
eigene Wohlergehen dem Wohlergehen der Gruppe geopfert werden.
5. Kollektive Konzepte (samuha paññatti)
Diese korrespondieren zu Gruppen oder Sammlungen an Dingen, z. B.
eine Klasse, ein Rennen, ein Auto, eine Stadt, Gruppenmeditation etc.
6. Raumkonzepte (akasha paññatti)
Raumkonzepte sind solche, die sich auf offene Räume beziehen wie,
Wellen, Höhlen, Löcher oder Fenster.
7. Sichtkonzepte (nimitta paññatti)
Dies sind visualisierte Bilder wie das aufgefasste Bild und das Gegen-
bild der Ruhemeditation. Viele Halluzinationen und Vorstellungen fallen
auch unter diese Kategorie.
8. Lebewesen, Ego (satta paññatti)
Was Leute normalerweise als „ich, du, er, sie, Person,“ oder „Hund“
oder „Engel“ bezeichnen, sind tatsächlich Serien von sich ständig ändern-
den Körper-Geist-Prozessen. Diese Konzepte von Lebewesen sollten zur
Bequemlichkeit in der Kommunikation benutzt werden, aber wenn sie als
wirklich aufgefasst werden, als letztendlich wirklich oder absolut, hilft das
nicht, sondern erzeugt große Konflikte.
Das Aufgeben des Ego-Konzeptes ist von äußerster Wichtigkeit für die
Vipassanā-Meditation. Bis zur Realisation, dass „Alle dhamma Nicht-Selbst
sind “, sollte man nicht denken: „Ich gehe“, sondern nur achtsam auf den
Gehprozess sein. Einige mögen philosophieren, wenn sie gehen. Dies fällt
wieder in eine andere Kategorie von Konzepten.
Es gibt noch eine Menge mehr an Konzepten wie Glück, Leiden, Leben
etc., aber wir werden sie hier jetzt nicht behandeln. Um ein besseres Bild
der Konzeptbildung zu bekommen, ist es hilfreich den Gedankenprozess zu
erläutern.
Der Gedankenprozess kann als eine Serie von Bewusstseinsarten, die in
einer gewissen Reihenfolge erscheinen, beschrieben werden. Diese Reihen-
folge schafft das, was wir „sehen,“ „hören,“ und „denken.“
Diese Gedankenprozesse entstehen aus dem Lebenskontinuum, das ist
ein Bewusstseinsstrom ähnlich dem Zustand im tiefen Schlaf, wenn man
dem Stimuli von internen oder externen Objekten folgt.
Es gibt sechs Arten von Gedankenprozessen, abhängig von dem „Tor“,
wo das Objekt entsteht:
1. Der Gedankenprozess, der am Seh-Tor entsteht.
2. Der Gedankenprozess, der am Hör-Tor entsteht.
3. Der Gedankenprozess, der am Riech-Tor entsteht.
4. Der Gedankenprozess, der am Schmeck-Tor entsteht.
5. Der Gedankenprozess, der am Körper-Tor entsteht.
193
6. Der Gedankenprozess, der am Geist-Tor entsteht.
Die ersten fünf werden „Sinnestor-Hinwendungs-Gedankenprozesse“
genannt, während das letzte „Geisttor-Hinwendungs-Gedankenprozess“
genannt wird
Innerhalb jedes Prozesses gibt es eine passive Phase, die aus resultie-
renden Bewusstseinsarten (geistigen Kamma-Resultaten) besteht, die dann
ihr Objekt erhalten (z. B am Seh-Tor das Sehobjekt, das Farbe und Hellig-
keit ist), gefolgt von einem funktionalen Bestimmungs-Bewusstsein. Dieses
bestimmt die aktive Phase, die heilsam (gutes kamma) oder unheilsam
(schlechtes kamma) sein kann.
Nach diesem Sinnestorprozess entstehen die verschiedenen Arten des
Geisttorprozesses. Sie bilden die Ideen und Vorstellungen etc. zu den
Objekten. Diese Letzteren konstituieren die Konzeptbildung. Im Falle eines
Sehtorprozesses ist eine typische Reihenfolge beispielsweise so:
Sinnestorprozess : b At bc bu pc v sp st vo J J J J J J J t t b
Geisttorprozess : b At bc bu M J J J J J J J t t b
Erklärung:
At : Vergangener Bewusstseinsmoment des Lebenskontinuums
bc : Vibrationsmoment des Lebenskontinuums
bu : Abschließender Moment des Lebenskontinuums
pc : Sinnestorhinwendungsbewusstseinsmoment
v : Seh-, Hör-, Riech-, Schmeck- oder Tastbewusstseinsmoment
sp : Objektaufnahmebewusstseinsmoment
st : Objektuntersuchungsbewusstseinsmoment
vo : Objektbewertendermoment
J : Karmisch aktive Momente
t : Nachwirkender erfahrender Moment
M : Geisttorhinwendungsbewusstseinsmoment
b : Lebenskontinuumsmoment
Danach folgt der Geisttorprozess in dieser Art:
1. Der erste folgende Geisttorprozess ist gewöhnlich eine kompak-
tere Form des letzten Sinnestorprozesses, die das Objekt vom
Sinnestor in das Geisttor überträgt (atitaghannavithi).
2. Der folgende Geisttorprozess ist der Ansammlungsprozess, wo
die verschiedenen Objekte (z. B. Sehobjekt etc.) zu Informa-
tionen angesammelt werden, das heißt zu Gestaltkonzepten
(samuhaghanavithi)
3. Als Nächstes entstehen die Ideen (was das nun bedeutet) durch
den Bedeutungs- oder Ideenprozess (atthaghanavithi).
4. Zum Schluss wird der zugeschriebene Name mental gegeben.
Dies ist der Namensprozess (namaghanavithi)
194
Diese mögen sich später zu weiteren abstrakteren Ideen entwickeln,
speziell, wenn sie mit anderen Sinnestoren oder Ideen verbunden werden.
Hier können wir schon erkennen, dass das Notieren von „Sehen“ ohne zu
denken, eine Menge an Folgekonzepten abschneidet. Hilfreich dazu ist auch
die Gestalt oder Form so weit wie möglich zu missachten.
Mit dem Hörprozess:
1. Letzter Prozess
2. Ansammlung der Geräuschformen
3. Bedeutung oder Idee
4. Benennen
Dasselbe gilt auch hier: Durch bloßes Benennen „Hören“ schneiden wir
die Konzepte ab. Es hilft auch die gehörten Worte zu missachten oder unbe-
rücksichtigt zu lassen um näher an das Vipassanā-Objekt zu rücken.
Und hier nun wieder dasselbe mit den Riech-, Schmeck- und Tastobjekten:
1. Letzter Prozess
2. Ansammlung
3. Bedeutung
4. Benennen
Nur durch das Notieren des Geruchs mit „Riechen“ etc. schneiden wir
die Konzepte ab. Ideen, was gerochen, geschmeckt oder getastet wurde,
sollten auch missachtet werden.
Die Prozesse folgen so schnell aufeinander, dass die daraus entste-
henden Konzepte komplex, solide und als Ganzes erscheinen.
Vier Arten der scheinbaren Solidität/Festigkeit (ghana paññatti)
1. Santati ghana (Kompaktheit der Kontinuität)
Die mentalen und geistigen Prozesse entstehen und vergehen so schnell
einer nach dem anderen, sodass es scheint, als wären sie eine sich nicht
verändernde Erscheinung.
2. Samuha ghana (Kompaktheit der Menge)
Die mentalen und geistigen Prozesse sind aus so vielen Eigenschaften
oder Phänomenen gemacht, die durch komplexe Bedingungen fein zu-
sammengestrickt sind, sodass sie erscheinen wie ein einziges Teil.
3. Kicca ghana (Kompaktheit der Funktion)
Es gibt verschiedene Bewusstseinsarten. Jede hat ihre charakteristische
Funktion (z. B. Sehen, Hören etc.), die sehr fein und schwer zu erkennen
sind. Deshalb macht man den Fehler das Bewusstsein für eine einzige
Arbeitseinheit anzusehen.
195
4. Arammana ghana (Kompaktheit der Objekte)
Da das Bewusstsein und die Prozesse mit hoher Geschwindigkeit ab-
laufen, erscheinen auch die Objekte so, als würden sie in einem Bild
auftauchen um Formen, Gestalten etc. entstehen zu lassen.
Deswegen entstehen falsche Wahrnehmungen und Halluzinationen.
Diese Halluzinationen entstehen im aufsteigenden Maß:
1. Halluzinationen der Wahrnehmung
Falsche Wahrnehmung eines Objektes. Zum Beispiel denkt man, der
eigene Schatten gehöre zu jemand anderem.
2. Halluzinationen der Gedanken
Basierend auf den Halluzinationen der Wahrnehmung entwickelt man
falsche Gedanken und Schlussfolgerungen. Wenn man z. B. nicht gut
hört, könnte man die Absichten und Untertöne von anderen missver-
stehen.
3. Halluzinationen der Ansicht
Mit vielen Halluzinationen der Gedanken erfasst man falsche Ansichten
hinsichtlich des Lebens, wie an der Ansicht festhalten, dass die Welt
dauerhaft, perfekt glücklich ist und sich auf ein immerwährendes Selbst
bezieht.
Um durch diese ganzen Konzepte auch nur für einen Moment durchzu-
brechen, um also die Realität zu durchdringen, können wir von hier aus-
gehend klar erkennen, dass unsere Achtsamkeit wie folgt zu sein hat:
i. Beweglich und schnell genug
ii. Gründlich und kontinuierlich, sodass kein Stein unumgedreht bleibt.
iii. Sehr klar und konzentriert um durch die Komplexität hindurchzu-
sehen und klar die Natur des Objektes wahrzunehmen.
Der abhidhamma klassifiziert die „Letztendlichen Realitäten“
(paramattha dhamma) in vier Hauptkategorien:
1. Bewusstsein (citta) – z. B. heilsames und unheilsames Bewusstsein
2. Geistige Zustände, Bewusstseinsbegleitfaktoren (cetasika) – z. B.
Gier
3. Materie (rūpa) – z. B. das Element der Härte
4. Nibbāna – das Unbedingte
Kurzgefasst sind diese (das Letzte ausgenommen) geistige und mate-
rielle Prozesse, die vom Meditierenden als unbeständig, unbefriedigend und
als Nicht-Selbst erkannt werden müssen.
Jedoch kann dies alles nicht vom Anfänger erkannt werden. Zum Bei-
spiel ist es für sie nicht möglich die jhāna (Vertiefungs-) und lokuttara
(überweltlichen) Bewusstseinsarten zu erkennen, da sie beim Anfänger
nicht entstehen. Neutrale Gefühle werden auch nur von erfahrenen Meditie-
renden erkannt, da diese Gefühle feiner sind und eine schärfere und stärkere
Achtsamkeit benötigen.
Tatsächlich sind die Anfänger nicht in der Lage, Objekte ohne Konzepte
zu notieren, da sie so lange Umgang mit ihnen hatten. Deshalb notieren An-
fänger, um die Situation zu erleichtern, reale Konzepte um ihren Geist zu
helfen, ihn auf die Realitäten zu richten. Das Benennen muss gesteigert
werden, wenn die Achtsamkeit mehr Phänomene notieren kann. Aber
vipassanā ist nicht bloßes Benennen oder Aufsagen. Deshalb darf man nicht
blind daran hängen. Manchmal ist es besser ohne sie zu meditieren. Mit
weiterem Fortschritt wird es sehr viele dieser mit großer Geschwindigkeit
entstehenden und vergehenden Phänomene geben. Dann muss das Mar-
kieren aufgegeben werden oder es wird zum Hindernis.
Von den Konzept-Ideen muss das Konzept des Lebewesens verworfen
werden, wenn jemand überhaupt irgendeine Vipassanā-Einsicht haben
möchte. Es ist klar, dass man beim Achtsamsein auf Geist und Materie
keinerlei Lebewesen finden wird, egal wie stark man es versucht. Im Laufe
des Fortschritts, wenn die Realitäten sehr gut notiert werden können, muss
man andere Konzepte wie das der Form, der Richtung, der Gestalt, des
Raumes und der Zeit verwerfen. Es gibt da auch feine Konzepte wie des
Glücklichseins und der Realität, die ihr mit der Zeit erkennen werdet. Zum
Beispiel:
a) Gehmeditation
Zuerst machen die Meditierenden noch ihre Gehmeditation mit der Form
der Beine in ihrem Geist.
Mit konstanter Hilfe des Benennens der einzelnen Schrittphasen wie
„Heben,“ „Schreiten“ richten die Meditierenden den Geist auf die verschie-
denen Erfahrungen aus. Wenn sie klar die Bewegung, Spannung, das
Ziehen, die Hitze und Kälte erfahren können, wird die Gestalt der Beine
bald verworfen werden. Mit erhöhter Achtsamkeit auf die Realitäten und ihr
Verhalten, muss auch das Benennen aufgegeben werden. Wenn die
Konzentration tief wird, kann der Meditierende auch die Zeit, die Richtung,
oder wo sie sich im Moment befinden, vergessen.
b) Sitzmeditation
Zuerst richtet man seine Achtsamkeit auf die Bewegung der Bauchdecke
und anderer Erfahrungen, die als „Heben“ und „Senken“ benannt werden.
Wenn man die „ziehenden“ und „drückenden“ Bewegungen und die
anderen Erfahrungen wie Druck, Härte etc. trennen kann, kann man den
Sinn für die Richtung verlieren und es ist deshalb besser es so benennen,
wie es sich anfühlt anstatt mit „Heben“ und „Senken.“ Hier kann man ent-
weder eine angemessenere Benennung benutzen oder sie alle beiseite legen.
Zu Zeiten wo das „Heben“ und „Senken“ sehr klar und langsam ist,
werden mehr Benennungen „„Heben, Heben, Heben...“ dem Geist helfen
den aktuellen Moment zu notieren. Wenn die Momente als sich sehr schnell
verändernd wahrgenommen werden können, ist es sehr schwierig diese
Bewegungen alle zu benennen.
Die Meditierenden schärfen ihre Achtsamkeit, indem sie versuchen von
Moment zu Moment alle dieser Realitäten, wie sie entstehen und vergehen,
zu erfahren. Um den Meditierenden zu helfen klarer zu sehen, werden sie
oft gebeten ihre Erfahrungen in ihren eigenen Worten zu beschreiben und
gründlich zu berichten. Technische Ausdrücke wie dukkha sind dann defi-
nitiv zu vermeiden. Ein häufiger Gebrauch derselben zeigt, dass der Geist
noch in theoretischem Denken und Konzepten verwickelt ist.
Es muss aber noch zur Vorsicht eine andere Bemerkung gemacht
werden. Das Verwerfen von Konzepten kann bei falschem Verständnis zur
Desorientierung in der konventionellen Wahrnehmung führen. Wenn man
dabei nicht vorsichtig vorgeht, kann der Geist so eventuell zu weiterer Des-
orientierung und Desorganisation geführt werden. Es ist essenziell, dass
man versteht, dass die konzeptionelle und konventionelle Welt zwar im
ultimativen Sinne nicht real, aber auf Realitäten aufgebaut ist. Das
muss akzeptiert und darin muss gelebt werden.
Es gibt z. B. Leute, die ablehnen die Worte „ich“ und „du“ zu benutzen,
weil sie denken, dass das die Idee eines Selbst hervorrufen könnte. Das ist
unnütz!