11. Schärfen der geistigen Kontrollfähigkeiten
Neun Wege zur Schärfung der Fähigkeiten
Damit wir uns ein besseres Bild vom Schärfen der Fähigkeiten machen können, ist es nützlich sich die neun Wege, wie sie in der visuddhi magga erwähnt werden, anzusehen.
Man kann diese neun Möglichkeiten wie folgt zusammenfassen: Jemand voller Vertrauen, der die angemessenen äußeren Bedingungen und internen Faktoren erwägt und sich trotz aller Schmerzen, Krankheit und Entmutigung (das kann einem auf dem Weg begegnen) fortlaufend und ernsthaft bemüht, bis er sein Ziel erreicht hat.
Die neun Wege im Einzelnen:
1. Man erinnert sich, dass man die Unbeständigkeit der Gestaltungen erkennen möchte. Wenn man an einem gefährlichen Ort ist, wäre es äusserst hilfreich, wenn man eine gute Karte zur Hand hätte um den richtigen Weg zu finden. Diese korrekte theoretische Basis ist wichtig wegen ihrer Fähigkeit Ver- trauen zu erwecken. Außerdem ist sie ein Führer um Fallstricke zu vermeiden und um in der Entwicklung fortzuschreiten. Man muss alle falschen Ansichten ablegen, bevor man in der Lage ist, dass, was richtig ist, zu er- kennen. Man sollte jedoch auch das Philosophieren und Denken beiseite legen, sonst kann man nicht direkt erfahren, keine direkte Erfahrung machen.
Dieses anfängliche Akzeptieren der Wahrheit der drei allgemeinen Daseinsmerkmale ist der erste Faktor, der einen in die richtige Richtung der Einsichtsentwicklung bringt.
2. Man strengt sich sorgfältig an Sich ernst und sorgfältig anstrengen ist ähnlich der grundlegenden Eigenschaft der Achtsamkeit. Mit dem richtigen Verständnis für die Bedeutung einer gründlichen Praxis wird uns diese richtige Einstellung gegeben.
Der einzige Weg, der einen aus all dem Leiden herausbringt, eine Praxis, die Frieden, Sicherheit und ein Ziel bringt, sollte als der wichtigste Teil im Leben angesehen werden. Trotzdem sind viele nicht in der Lage sich viel Zeit für ihre Praxis zu nehmen, da sie anderen Verpflichtungen nachgehen.
Deshalb, was auch immer uns für kostbare Momente zur Verfügung stehen um uns in dieser edlen Praxis weiterzubringen, lasst es uns damit sehr ernst sein. Nur wenn es eine solche Ernsthaftigkeit gibt, wird kein Teil des Prozesses unnotiert bleiben. Dies ist eine essenzielle Bedingung für das Entstehen von exaktem und tiefem Verständnis.
3. Man strengt sich kontinuierlich an Während sorgfältiges und ernsthaftes Bemühen eine gute Qualität für jeden Moment des Notierens verspricht, ist auch Kontinuität vonnöten. Um fähig zu kontinuierlichem Bemühen zu sein, braucht man Willenskraft, Geduld, Geschick, Vielseitigkeit und Flexibilität der Achtsamkeit. Kontinuität erlaubt das stetige Erhöhen der Achtsamkeit und die so er- zeugte Schwungkraft ist erheblich. Deshalb können die meisten Leute nur in intensiven Meditations-Retreats (von mind. einer Woche) innerhalb kurzer Zeit markanteren und sichtbareren Fortschritt erfahren.
4. Erinnerung an den Weg, wie man Konzentration erreicht hat Wir können nicht erwarten, dass wir alles von unserem Lehrer lernen. Eine Menge hängt von uns selber und unserem gesunden Menschenverstand ab.
Die Entstehung von Konzentration ist z. B. sehr individuell. Sie hängt vom Temperament und der Eigentümlichkeit des Einzelnen ab. Wenn Konzentration entsteht, ist es günstig, dass wir uns später an den Weg ihrer Erzeugung erinnern können. Das Gleiche gilt auch für Einsichtserfahrungen.
Beim Erinnern der Prozesse ist es, wie als wenn sich jemand an Grenz- steine erinnert, nachdem er seine Reise beendet hat. So wird er das nächste Mal sicherer, schneller und leichter reisen. Das stattet euch mit einem Protokoll aus, das sowohl euren Lehrer während der Interviews dabei unter- stützt euch zu helfen, als es auch für eure eigene spätere Einschätzung hilf- reich ist.
5. Das Erwägen der sieben Angemessenheiten Die äußere Umgebung kann den Geist von Anfängern stark beeinflussen. Eine richtige Wahl äußerer Bedingungen kann deshalb bessere Resultate hervorbringen. Die sieben Angemessenheiten sind kurzgefasst diese:
i. Angemessenes Essen
Eine ausgewogene, der Gesundheit des Individuums angemessene Diät wäre die vernünftige Wahl. Wir müssen die Nahrung aber auch vom Stand- punkt der Befleckungen aus betrachten. Das bedeutet Essen zu sich zu nehmen, das keine Anhaftung erweckt. Außerdem gibt es noch die ethischen Überlegungen. Achtsamkeit während des Essens und andere Betrachtungen nach dem Essen werden uns dabei helfen. Eine übliche Betrachtung vor dem Essen ist, die Mahlzeit nur als Ernährung für den Körper zu sehen um ihn zu erhalten und um bei der Anstrengung zu helfen. So besinnt man sich, dass man nicht isst um sich zu berauschen, zur Verschönerung, zum Spaß oder zum Dickwerden.
ii. Angemessene Behausung
Einige Erfordernisse für eine Behausung wurden in den nikayas erwähnt.
• nicht zu weit und auch nicht zu nah am Dorf.
• leicht zugänglich.
• nicht zu bevölkert am Tag, ruhig und still bei Nacht.
• Verfügbarkeit der vier Bedarfsgegenstände und Sicherheit vor Krankheit und Ungeziefer sowie anderen feindlichen Kreaturen.
• Die Anwesenheit eines guten Freundes (z. B. Lehrers)
Die visuddhi magga beschreibt noch achtzehn andere Arten der unangemessenen Behausung unter der Überschrift Hindernisse. Sie sagt noch zusätzlich, dass die Angemessenheit auch vom Temperament des Meditierenden abhängt.
In Kürze sind die 18 Arten von unangemessenen Klöstern folgende Orte:
• die zu laut sind,
• wo es zu viel Arbeit gibt und Leute anwesend sind.
• wo die vier Bedarfsgegenstände schwierig zu bekommen sind,
• die gefährlich sind,
• wo es keinen Lehrer gibt.
Einige angemessene Behausungen werden hier erwähnt:
• Waldbehausung
• Behausung am Fuße eines Baumes
• Behausung auf einem offenen Feld
• Behausung in einem leeren Haus
Bezüglich der Temperamente:
• Dem lustvollen Temperament wird ein hässliches und unangenehmes Quartier empfohlen
• Dem hassvollen Temperament ein sauberes, reines und angenehmes Quartier
• Dem verblendeten Temperament wird ein Quartier, das eine Aussicht hat angeraten.
• Dem spekulativen Temperament wird eine geschlossene oder abgeschirmte Behausung empfohlen.
• Dem vertrauenden Temperament wird ein Quartier wie das des Hass- vollen empfohlen.
• Während es für das intelligente Temperament keine unangemessene Behausung gibt.
iii. Angemessenes Klima
Ohne Zweifel ist es das Beste, wenn es nicht zu heiß oder zu kalt ist. In den Tropen bevorzugen die meisten eine kühle Umgebung für ihren Komfort und können so bessere Konzentration erlangen Das ist verständlich. Hitze kann sehr ermüden. Oft gibt es Leute, die Klimaanlagen benutzen. Ihr Gebrauch ist umstritten, da es auch eine Entschuldigung für Schwäche sein kann. Wir sollten nicht vergessen, dass der Bodhisatta die vollkommene Erleuchtung am Höhepunkt der heißen Jahreszeit erhielt. Es ist unter Meditierenden bekannt, dass die Hitze nicht so stört wie man meinen möchte. Außerdem gibt es ja noch die Regenzeit.
iv. Angemessene Körperhaltung
Gewöhnlich wechselt man zwischen gehender und sitzender Haltung. Das hilft die geistigen Fähigkeiten zu balancieren und gesund zu bleiben. Die visuddhi magga sagt, dass einige Körperhaltungen wegen der verschiedenen Temperamente angemessener sind als andere:
• Dem lustvollen Temperament - Gehen und Stehen
• Dem hassvollen Temperament - Sitzen und Liegen
• Dem verblendeten Temperament - Gehen
• Dem spekulativen Temperament -wie dem lustvollen Temperament
• Dem vertrauenden Temperament - wie dem verblendeten Temperament
• Dem intelligente Temperament – beliebig
v. Angemessene Personen – als Lehrer oder Begleiter beim Bestreben Das sind Leute, die in der Praxis erfahren sind, ausgestattet mit weitem und tiefen Wissen sowie voller Mitgefühl. Sie vermitteln anderen den edlen Weg mit Takt und reifen Gedanken. Sie können die Schwachen, Depressiven und Faulen inspirieren und sind gute Beispiele für willige Lernende. Die visuddhi magga nennt die guten Qualitäten eines guten spirituellen Freundes:
• verehrt und geliebt
• spricht und hört zu (d. h. ein guter Zuhörer und Ratgeber)
• was diese Person äußert, ist profund
• sie eilt nicht ohne Grund
Weiterhin ist es ratsam einen edlen arahant zu finden und wenn das nicht möglich ist, jemanden mit weniger Erreichtem. Wenn auch das scheitert, jemanden mit den jhanas (Vertiefungen) und wenn auch das nicht gelingt, jemand Versiertes mit den Texten.
vi. Angemessene Gespräche Gewöhnlich ist während einer intensiven Meditationszeit nur lohnendes Gespräch über die Praxis erlaubt. Das kann noch weiter beschränkt werden auf Gespräche, die strikt nur die Meditation betreffen. Die weniger lohnenden, ganz zu schweigen die weltlichen Gespräche, außer den absolut notwendigen, werden unterbrochen.
Im Alltag sollte man so oft wie möglich die nicht lohnenden Gespräche vermeiden. Bis zu einem gewissen Grad ist es allerdings unvermeidbar, wenn ihr euren Lebensunterhalt verdient. Aber insgesamt bedeutet es, dass wir unser Bestes zu geben haben, nicht die vierte Verhaltensregel des Lügens und anderer Formen der unheilsamen Äußerungen zu überschreiten.
vii. Angemessener Aufenthalt
Dies bezieht sich auf Plätze, wo Mönche auf Almosengang gehen können. Für Hausleute bedeutet es den Arbeitsplatz. Es ist wichtig, eine Arbeitsmöglichkeit zu finden, die wenig Befleckungen hervorbringt.
6. Kultivierung der sieben Faktoren der Erleuchtung
Diese sieben Faktoren der Erleuchtung sind geistige Bedingungen, die zusammenkommen im Moment der Erleuchtung. Sie werden separat behandelt, sodass wir sie mehr im Detail studieren können und sie entsprechend den Umständen anwenden. Wir werden sie hier erwähnen, wie sie im SatipaSShana-Kommentar besprochen wurden.
i. Der Erleuchtungsfaktor Achtsamkeit (sati sambojjhanga) Dies ist die rechte Achtsamkeit des edlen achtfachen Pfades, d. h. der vier Pfeiler der Achtsamkeit. Es ist auch die Achtsamkeit, welche die Dinge, so wie sie wirklich sind, in der Einsichtsmeditation sieht. Da er überhaupt der wichtigste Faktor ist, wundert man sich ein wenig darüber, warum er jetzt erst erwähnt wird.
Die vier Bedingungen, die zum Entstehen dieses Faktors führen, sind:
• Sich mit der Praxis der Achtsamkeit mit klarem Verständnis, wie im SatipaSShana-Sutta aufgezeigt wurde, beschäftigen • Personen mit verwirrtem (unachtsamen) Geist vermeiden • Sich mit Personen zusammentun, die ständig achtsam sind • Neigung (des Geistes, durch Verstehen und Willenskraft) zur Entwicklung des Erleuchtungsfaktors Achtsamkeit.
ii. Erleuchtungsfaktor Wahrheitsergründung (dhamma vicaya sambojjhanga)
Dies ist der durchdringende Aspekt der Weisheit, der versucht die Natur der Phänomene zu verstehen.
Die Bedingungen für sein Entstehen sind:
• Untersuchen der Daseinsgruppen etc.
• Reinigung der körperlichen Basis (d. h. Sauberkeit)
• Balancieren der fünf geistigen Fähigkeiten (der Einsicht)
• Vermeiden von Ignoranten
• Sich mit den Weisen zusammentun
• Betrachtung der tiefen Unterschiede der wahrgenommenen Prozesse bis aufs Äußerste (Geist und Materie)
• Neigung zur Entwicklung dieses Faktors
iii. Erleuchtungsfaktor Energie (viriya sambojjanga)
Dies ist die rechte Anstrengung des edlen achtfachen Pfades. Es ist auch die sich bemühende Energie, die bei der Einsichtsmeditation benutzt wird.
Die elf Bedingungen, die zu seinem Entstehen führen, sind:
1) Betrachtung des Schreckens der höllischen Welten (oder der Wiedergeburt)
2) Betrachtung der Vorteile durch die Energie
3) Betrachtung, dass der von den Erleuchteten beschrittene Pfad nicht für die Faulen ist.
4) Das Respektieren von Almosen (und der anderen Requisiten)
5) Betrachtung, dass das große Erbe (der sieben Schätze) nicht für die Trägen ist.
6) Betrachtung der Größe des Meisters (ist man ein würdiger Schüler?)
7) Betrachtung über die Größe der Abstammung (des Buddha und man selbst)
8) Betrachtung über die Größe der Nachfolger im heiligen Leben (z. B. Sariputta und Mogallana)
9) Vermeiden von faulen Leuten
10) Sich verbinden mit fleißigen Leuten
11) Neigung zur Entwicklung dieses Faktors
iv. Erleuchtungsfaktor Freude (piti sambojjhanga)
Dies ist Freude, die während der Einsichtsmeditation auftritt. Sie ist nah verwandt mit Glauben und dient dazu Energie für die Praxis wachzurufen. Während seine Verbindung als Vertiefungsfaktor (jhana) die Entwicklung von Konzentration ermutigt.
Der Faktor kann wachgerufen werden durch:
• Betrachtung der Qualitäten eines Buddha
• Betrachtung der Qualitäten des dhamma
• Betrachtung der Qualitäten der sangha
• Betrachtung der guten Moral von jemandem
• Betrachtung der Großzügigkeit von jemandem
• Betrachtung der himmlischen Wesen (der guten Qualitäten)
• Betrachtung des Friedens des nibbana
• Vermeiden von groben Leuten (frei von Glauben)
• Sich mit feinen Leuten zusammentun (angefüllt mit Glauben)
• Betrachtung von Lehrreden, die Vertrauen erzeugen
• Neigung zur Entwicklung dieses Faktors
v. Erleuchtungsfaktor Ruhe (passadhi sambojjhanga)
Dies bezieht sich auf Ruhe und einen friedvollen Geist und den zuge- hörigen mentalen Faktoren.
Sieben Dinge führen zu seiner Erweckung:
1. Benutzen von angemessenem Essen
2. Vorteilhaftes Wetter
3. Eine angemessene Körperhaltung
4. Reflektieren über kamma und seine Resultate
5. Unruhige Leute vermeiden
6. Sich mit ruhigen Leuten zusammentun
7. Neigung zur Entwicklung dieses Faktors
vi. Erleuchtungsfaktor Konzentration (samadhi sambojjhanga)
Konzentration ist die Gewinn bringende Einigung des Geistes mit dem Objekt. Es heißt, dass in diesem Fall die Einsichtsmeditation die drei Daseinsmerkmale herausstellt, mittels momentaner Konzentration (auf weltlichen Stufen) und ihrer Objekte.
Die elf Bedingungen, die zum Entstehen von Konzentration führen sind:
1. Reinigung der körperlichen Basis (d. h. Sauberkeit)
2. Balancierung der fünf geistigen Fähigkeiten (der Einsicht)
3. Geschick bei der Aufnahme des Meditationsobjektes (Zeichen)
4. Den Geist bei Laschheit anspornen zu können
5. Zügeln des Geistes bei überschüssiger Energie
6. Erfreuen des Geistes bei Unzufriedenheit
7. Betrachten des Geistes ohne Störung
8. Vermeiden von unkonzentrierten Menschen
9. Sich zusammentun mit konzentrierten Menschen
10. Betrachtung der Vorteile der Vertiefung und der Befreiung
11. Neigung zur Entwicklung dieses Faktors
vii. Erleuchtungsfaktor Gleichmut (upekkha sambojjhanga)
Gleichmut ist hier der ausbalancierte Zustand des Geistes, der durch viel Achtsamkeit auf die Dinge, wie sie wirklich sind, entsteht.
Die Bedingungen zu seinem Entstehen sind:
• Losgelöste Haltung zu Lebewesen
• Losgelöste Haltung zu Dingen
• Vermeiden von egoistischen Menschen
• Sich zusammentun mit losgelösten Menschen
• Neigung zur Entwicklung dieses Faktors
7. Sich nicht über den Körper und die Gesundheit während der Meditation sorgen
Wenn sich die Meditierenden einer langen intensiven Praxis unterziehen, ist es nur wahrscheinlich, dass sie eines Tages eine Krankheit befällt. Zu oft benutzen wir das als Entschuldigung um mit dem Meditieren aufzuhören. Wenn wir verstehen, dass Krankheit und Tod unvermeidlich sind, dann gibt es keinen Grund zu stoppen. Wir sollten bis zu unserem letzten Atemzug praktizieren. Es gab viele, die den Schmerz beobachteten und beim Tod die erhabene Verwirklichung erreichten. Es gibt auch immer wieder solche, die von ihrer Krankheit genesen.
Natürlich bedeutet das nicht, dass wir keine medizinische Hilfe brauchen. Es bedeutet nur, dass wir nicht mit der Praxis aufhören sollten.
8. Das Überwinden des Schmerzes mit Hilfe von Energie
Schmerz und Krankheit kommen gewöhnlich zusammen. Die Ursache ist aber eine andere als das lange Sitzen in einer Körperhaltung. Erhöhte Konzentration kann auch einen leichten Schmerz groß erscheinen lassen. Auch Hunger wird als Form von Krankheit betrachtet. Wir können diesen körperlichen Schmerzen nicht vollständig entkommen und deshalb müssen wir ihnen früher oder später gegenübertreten. Um sie achtsam zu beobachten, brauchen wir eine Menge Energie. Wenn unser Geist stark genug ist, können wir den Schmerz überwinden.
9. Nicht auf halbem Wege vor dem Ziel aufhören
Das letzte Ziel ist die komplette Ausrodung der Befleckungen, die Arahantschaft. So lang wir sie nicht erreicht haben, kann Leiden noch schrecklich tyrannisch sein.
Die Erreichung dieses Zieles wird wahrscheinlich für die meisten eine ganze Weile dauern. Nimmt man die Haltung „nicht auf halbem Wege stoppen“ ein, erlaubt dies dem Meditierenden sich so lange zu bemühen, wie er es aushalten kann.
Andere Möglichkeiten die Fähigkeiten zu schärfen oder zur Reife zu bringen:
i. Eine größere Anzahl an Objekten haben
Jedes Objekt bringt seine Eigenheiten mit sich. Ein bestimmtes Objekt kann für gewisse Temperamente passender sein und man wird durch sie auch in anderen Techniken und anderen Aspekten des Geistes trainiert. Wenn wir immer am selben Objekt kleben, wird unsere Übung reduziert und unflexibel. Wir werden niemals wissen, ob ein anderes Objekt günstiger ist. Deshalb ist es gut, wenn wir zuerst eine starke Basis entwickeln (z. B. in der Achtsamkeit auf den Körper) und dann mehr und für längere Zeitperioden andere Objekte betrachten (z. B. Gefühle, Geist und geistige Zustände). Das ermöglicht uns unabhängig vom Objekt tiefere Praxisstufen zu erreichen. Diese Erhöhung der Flexibilität hat eine günstige Wirkung auf die Einsichtsreifung.
ii. Samatha-Meditation
Obwohl sich reine Ruhemeditation von Einsichtsmeditation unterscheidet, kann sie definitiv von Hilfe sein. Jemand der starke Konzentration (samatha) hat, kann schon längere Zeit sitzen und tiefe Konzentrations- stufen erlauben das Entstehen von Einsicht. Obwohl Einsicht auch mit reinem Einsichtsvehikel möglich ist, ist sie mit starker Konzentration einfacher zu erlangen. Außerdem haben die verschiedenen Objekttypen in der Samatha-Meditation ihre eigenen speziellen Effekte auf die Leute. Beispielsweise sind einige Objekte besonders dafür geeignet gewisse Befleckungen zu behandeln. Jemand, der oft sehr wütend ist, wird es einfacher haben, wenn er vorher Liebende-Güte-Meditation gemacht hat. Die Liebende-Güte-Meditation kann auch den eigenen moralischen Zustand stärken, wenn er schwach ist.
Ein anderes Beispiel ist, dass jemand mit wenig Glauben - nach der Betrachtung der drei Kleinodien - mehr Vertrauen und Begeisterung hat. Ein anderer zu beachtender Punkt ist, dass die meisten der buddhistischen Samatha-Meditationen sich mit der Einsichtsmeditation schnell verbinden lassen. Das Samatha-Objekt kann schnell zum Vipassana-Objekt umgeschaltet werden. Dazu ist nur ein Umschalten der Aufmerksamkeit notwendig.
Ein Beispiel ist das Wind-Kasina (ein kasina ist eine reine äußere Vorrichtung, um die Konzentration des Geistes bis zur vierten Vertiefung zu produzieren und zu entwickeln). Das erste geistige Objekt (uggaha nimitta), das Wind-Kasina, ist für einen Anfänger kaum vom Windelement der Einsichtsmeditation zu unterscheiden.
Ein anderes Beispiel. Ein klarer Geist, der durch Meditation auf das Licht-Kasina entwickelt wurde, kann bei den Beobachtungen der Einsichtsmeditation helfen.
Außerdem können einige Meditationsobjekte gewisse geistige Zustände produzieren, die das Entstehen von Einsicht katalysieren. Es ist aus den Texten bekannt, dass nach der Begegnung mit gewissen Objekten, die rein konzeptueller Natur sind, Einsicht aufsteigen kann. Zum Beispiel kann das Betrachten einer Leiche Ablösung, die genauso stark wie das Wissen der Ablösung ist, hervorrufen.
Die Fragen bezüglich der Samatha-Meditation sind hier:
• die notwendige Zeit um eine befriedigende Stufe der Konzentration
zu erreichen und ob man in der Lage ist sie zu erhalten.
• Das Geschick beim Umschalten auf Einsichtsmeditation
Der Zeitfaktor ist allerdings ein Problem. Da alles unsicher ist und die Zeit zu schnell verrinnt, müssen wir uns beeilen. Ein anderes Problem ist die mangelnde Verfügbarkeit von erfahrenen und qualifizierten Lehrern.
iii. Durch Entschlüsse und Ambitionen
Die Kraft durch Vorsätze und Entschlüsse ist nicht unbekannt. Durch Fassen von Vorsätzen wird der Geist und werden die geistigen Gestaltungen und Energien dazu angespornt dieses Ziel zu erreichen.
Es ist eine Äußerung des Willens, der wichtigste geistige Faktor. Es ist wie das Füttern eines Computerprogramms, um in eine gewisse Richtung zu gehen.
Das Fassen von Vorsätzen erlaubt uns Kontrolle über Dinge auszuüben, die wir ohne sie nicht kontrollieren könnten. Der Geist ist sehr mächtig und kann Wunder bewirken. Konzentration ist die Quelle der Kraft und der Vorsatz ist die Kraftleitung.
Viele kommerzielle Methoden - um weltliche Ziele zu erreichen - benutzen Vorsätze wie positives Denken zum Beispiel. Auch die übernatürlichen Kräfte werden ähnlich erzeugt. Hier sollten wir uns aber mit dem reinen Ziel der Einsichtsmeditation beschäftigen.
Wenn man weit entfernte Vorsätze fasst, muss man Folgendes bedenken:
• Die Reinheit des Motivs. Es darf nicht durch Gier, Hass oder Verblendung in irgendeiner Weise beeinflusst sein. Sonst könnten unan- genehme Resultate entstehen.
• Präzise und klare Worte. Ohne sie werden die Resultate unklar oder auch anders als man wollte. Es ist wie das Füttern eines Computers mit einer undeutlichen Anfrage. Mir ist ein unglückseliges Beispiel begegnet, wo ein Meditierender für eine ganze Weile aus diesem Grund die Kontrolle über seinen Geist verloren hat.
Einmal fragte ich meinen Lehrer, was der beste Vorsatz für einen Meditierenden ist. Die Antwort war, dass Meditation Läuterung des Geistes ist und es gut wäre Vorsätze zu machen, die dies im Hinterkopf behalten. Man kann z. B. nach verdienstvollen Taten wie Almosengeben sich Vorsätzen bedienen.
Durch dieses Almosengeben - möge ich das Gift zerstören. Durch das Beachten dieser moralischen Vorschriften - möge das nibbana realisiert werden.
Durch diese Meditation - möge Pfad und Fruchtwissen hervorgerufen werden.
Diese Vorsätze reflektieren den Willen, alle unsere verdienstvollen Taten so zu kanalisieren, dass daraus Befreiung von allen Leiden resultiert. Manchmal habe ich beobachtet, dass Meditierende mit noch unsicherem Ziel durch Fassen solcher Vorsätze eine klarere und bessere Meditationspraxis haben.
Möge ich eifrig in der Praxis der Einsichtsmeditation sein. Durch meinen Eifer in der Praxis möge die Einsicht, die zum kompletten Auf- hören des Leidens führt, schnell und klar entstehen.
Dann gibt es auch noch die Praxis, in der man den Vorsatz fasst jedes Einsichtswissen klar zu entwickeln:
Möge das Wissen des Entstehens und Vergehens aufkommen.
Dies kann man natürlich nur machen, wenn man tatsächlich durch die vorherigen Stufen gegangen ist. Wenn man diese Weisheit schon erreicht hat, hilft es einem darin zu reifen und sie zu etablieren.
Die Lehrrede Meghiya
In der Meghiya-Lehrrede nennt der Buddha dem Meghiya Voraussetzungen, die zur Reifung eines Geistes führen.
Zuerst nennt der Buddha fünf Voraussetzungen:
1. Ein Mönch hat einen guten Freund, einen guten Begleiter und Kameraden.
2. Ein Mönch ist tugendhaft und hält sich an die Gebote.
3. Er führt Gespräche, die ernst sind und das Herz öffnen: Gespräche über Bescheidenheit, Zufriedenheit, Abgeschiedenheit, Einsamkeit, Energieeinsatz, Tugend, Konzentration, Wissen, Befreiung, Wissen und Einsicht der Befreiung. Solche Gespräche erlangt ein Mönch leicht und ohne Schwierigkeiten.
4. Ein Mönch strengt sich an heillose Eigenschaften abzulegen, Rechtschaffenheit anzunehmen, beharrend und mit großer Energie. Er drückt sich nicht vor der Bürde der Rechtschaffenheit.
5. Ein Mönch besitzt Wissen und ist mit ihm ausgestattet. Er versteht das Entstehen und Vergehen. Edel durchschaut er den Weg, der zur Zerstörung des Leidens führt. Wenn diese fünf Voraussetzungen er- füllt sind, müssen weitere vier Dinge entwickelt werden:
i. Betrachtung über die Unschönheit um die Begierde abzulegen.
ii. Betrachtung über die liebende Güte um Übelwollen abzulegen.
iii. Achtsamkeit auf die Ein- und Ausatmung um Ablenkung zu beenden.
iv. Wahrnehmung der Vergänglichkeit entfalten um den „Ich-bin- Dünkel“ auszulöschen.
Die Sieben Punkte
In der obengenannten Lehrrede sagte der Buddha, dass ein Mönch, der in „Sieben Punkten“ geschickt ist und auf drei Arten untersucht, ein Verwirklichter genannt wird.
„Diese Sieben Punkte“ sind das vollständige Verstehen von:
1. Der Natur der fünf Daseinsgruppen (Körperlichkeit, Gefühle, Wahrnehmung, Gestaltungen und Bewusstsein)
2. Ihr Entstehen (auf Grund welcher Bedingungen)
3. Ihr Aufhören (auf Grund welcher Bedingungen)
4. Der Weg zu ihrem Aufhören (der edle achtfache Pfad)
5. Die Zufriedenheit (das daraus abgeleitete Glück)
6. Das Elend (das davon abgeleitete Leiden)
7. Das Entkommen (das ist das Fortlegen der Begierde nach dem Leiden)
Das „Untersuchen auf drei Arten“ bezieht sich auf die Untersuchung der Natur der:
1. Elemente (dhatu)
2. Grundlagen (ayatana)
3. Bedingten Entstehung (pa)iccasamuppada)