-essentials of insight meditation practice-

die praxis der einsichtsmeditation

4. Achtsamkeit auf den Körper (kāyanupassanā)
Während der Sitzmeditation achten wir auf das „Heben“ und „Senken“ der Bauchdecke. Anfängern fällt es oft sehr schwer ihren Geist auf das „Heben“ und „Senken“ der Bauchdecke zu fixieren, weil sie es nicht gewohnt sind. Es könnte euch deshalb helfen, wenn ihr eure Hände auf die Bauchdecke legt und fühlt, wie sie auf und ab geht oder sich hebt und sich senkt. Je geringer eure die Hemmungen sind, desto besser könnt ihr den Bewegungen folgen. Erwartet nicht, dass das „Heben“ und „Senken“ immer konstant ist. Es ist nicht so leicht dieses Objekt zu beobachten. Häufig ist es sogar schwer zu fassen. Es kommt und es geht. Manchmal ist es schnell, manchmal langsam. Manchmal ist es da und manchmal nicht. Euer Ziel ist nicht das „Heben“ und „Senken“ zu kontrollieren. Euer Ziel ist es die Erscheinungen zu beobachten und ihnen zu folgen. Das „Heben“ und „Senken“ ist das Windelement, vayo dhātu. Hier ist vayo dhātu das dominante der vier Elemente (Erde, Wasser, Feuer, Wind). Es hat die Eigenschaft der Spannung, Vibration und der Bewegung.

Das Wahrnehmen der Realität
Die Hauptsache ist Achtsamkeit um die entstehenden Erscheinungen wahrzunehmen. Es mag euch helfen, wenn ihr zum Beispiel eure Hände sehr fest zusammendrückt um dort etwas Spannung zu produzieren. Wenn ihr die Idee einer Hand beiseite legt, bemerkt ihr die Spannung. Dann lockert den Griff und fühlt wie die Empfindung der Entspannung ist. Nun legt bitte das Konzept oder die Idee einer Hand beiseite und bewegt eure Hand schnell hoch und runter. Dann achtet nur auf die Empfindung der Bewegung. Das ist das Windelement – das Element der Bewegung. Es hat keine Farbe, keine Form. Es ist nur eine Empfindung. Das sollte man sich vollkommen klar machen.
In den folgenden Erscheinungen werden die anderen Elemente offenbar. Die Erfahrung von Hitze oder Kälte ist das Feuerelement. Oft spürt ihr auch Weichheit oder Härte. Das ist das Erdelement und sie alle sind verbunden mit Hilfe von Kohäsion. Das ist das Wasserelement. Wenn ihr die Elemente wahrnehmen könnt, werden sie als Nächstes in ihrem Entstehen und Vergehen - vom Anfang des Entstehens, bis es aufhört - beobachtet. Ihr erkennt, dass die Elemente nur Prozesse sind. Sie fließen und eure Achtsamkeit sollte mit ihnen fließen. Je achtsamer ihr seid, desto mehr seid ihr euch der Prozesshaftigkeit bewusst. Sie erscheinen, wie wir sagen, von Moment zu Moment. Doch das wird nicht sofort erfahren. Am Anfang nehmen wir die Konzepte der Formen wahr. Das ist so, weil unser Geist gewohnt ist an Konzepten festzuhalten. Mit anderen Worten, wir sind einfach sehr an die Körperform, Bauchform, wer wir sind, was wir sind etc., gewöhnt. Um mittels der Achtsamkeit die Realität wahrzunehmen, müsst ihr alle Konzepte beiseite legen, inklusive der Idee des „mir“ oder „mein“, des Körpers, der Körperform etc. Folgt nur dem Fluss der Prozesse, der Empfindungen. Das ist im Wesentlichen die Vipassanā-Praxis. Den Geist zu trainieren, bis ihr das richtig könnt. Am Anfang fühlen wir noch die Körperform, so wie auch die Gestalt des „Hebens“ und „Senkens“. Das kann man nicht vermeiden, da die Gedankenprozesse sie noch erzeugen. Doch wenn ihr erst fähig seid daraus das Wesen der Bewegung herauszufiltern, dann taucht ihr tiefer in die Bewusstheit der Realitäten oder der natürlichen Phänomene und der drei Daseinsmerkmale.
Während des Gehens und eurer anderen Aktivitäten im Alltag wird das- selbe mit all den anderen Objekten gemacht. Eine weitere Sache, die man nicht vergessen darf, ist, dass das „Heben“ und „Senken“ der Bauchdecke nicht immer wahrnehmbar ist. Die Elemente sind allerdings immer da. Sie entstehen und vergehen von Moment zu Moment. Das Anwenden von Sitzen und Berühren Wenn ihr die Gefühle in der Bauchdecke beobachtet und sie gut spürbar sind, könnt ihr die Empfindungen dort gut wahrnehmen. Manchmal jedoch werden sie sehr subtil und können von euch nicht mehr beobachtet werden. Um aber die Kontinuität der Achtsamkeit zu erhalten, müsst ihr stattdessen dann „Sitzen“ und „Berühren“ beobachten. „Sitzen“ und „Berühren“ wird oft nicht ausreichend erklärt. Deshalb möchte ich ein wenig mehr darüber sprechen.
Im Allgemeinen, wenn wir „Sitzen“ und „Berühren“ sagen, bezieht es sich auf eine Reihe von Körper- und Geistprozessen, die die Sitzposition aufrechterhalten. Meiner Ansicht nach gehört das „Sitzen“ mehr zu den inneren Kräften, also zu den Muskeln und Knochen. Das „Berühren“ gehört mehr zur Oberfläche des Körpers.
Als Anfänger könnt ihr das natürlich nicht sofort sehen. Ihr beobachtet zuerst das, was euch am Offensichtlichsten ist. Haltet es einfach, beobachtet nur jeweils ein „Sitzen“ und ein „Berühren“. So seid ihr euch der ganzen Art und Weise des Sitzens bewusst. Das am leichtesten Erkennbare beim „Sitzen“ ist die Starrheit um das Rückgrat und die Taille. Und beim „Berühren“ ist es der Kontakt mit dem Hintern am Kissen. Nochmals, die Idee ist nicht nur „Sitzen“ und „Berühren“ zu notieren, sondern die Empfindungen betreffend „Sitzen“ und „Berühren“ regelmäßig zu fühlen, also nicht zu langsam oder zu schnell, sobald das „Heben“ und „Senken“ für eine längere Zeit aufhört. Wenn es kein „Heben“ und „Senken“ mehr gibt, solltet ihr die Berührungspunkte erhöhen. „Berühren“ an den Beinen, den Händen und so weiter in systematischer Reihenfolge. So kommt das „Heben“ und „Senken“ gewöhnlich zurück.
Das Wichtigste ist aber die Kontinuität der Bewusstheit und die Observation. Das „Sitzen“ und „Berühren“ ist zwar selbst eine Meditation, jedoch hat sie gewisse Nachteile. Sie tendiert dazu, dass man zerstreuter und diffuser ist und die Konzentration sich deshalb langsamer entwickelt. Aber sie hat auch einen Vorteil, und zwar ist sie konstanter und stabiler wahrnehmbar. Deshalb dient sie als gutes Back-Up-System zum „Heben“ und „Senken“.
Wenn eure Konzentration schließlich gut aufgebaut ist, werdet ihr nur das „Sitzen“ und „Berühren“ beobachten. Das heißt, ihr beobachtet nichts weiter als die vier Elemente, wie sie entstehen und vergehen. Wenn ihr das richtig könnt, werdet ihr keine Probleme mehr haben ein Objekt richtig zu betrachten.

Gehmeditation
Lasst uns jetzt über Gehmeditation sprechen. Es wurde schon ausreichend über schnelle und moderate Gehmeditation, um die Achtsamkeit auf die Schritte zu entwickeln, gesprochen.
Hier werden wir jetzt die „langsame“ Gehmeditation auf einem tieferen Level untersuchen. Ich habe schon angemerkt, dass Gehmeditation sehr oft nicht allzu ernst genommen wird. Yogis halten Gehmeditation für eine vorbereitende Praxis oder Aufbaupraxis für die Sitzmeditation. Das ist aber nicht der Fall. Man sollte auf beides, die Geh- und die Sitzmeditationstechnik, den gleichen Wert legen.
In den Schriften gibt es Geschichten, die erzählen, wie Mönche während der reinen Gehmeditation erleuchtet wurden. Deshalb müssen wir genug Anstrengung für unsere Gehmeditation aufbringen, damit sie uns zu einem Stadium tiefer Konzentration führt. Dies ist gewöhnlich nicht so leicht zu erreichen.
Wie macht man nun langsame Gehmeditation? Es gibt ein paar einfache Regeln, mit denen man anfängt. Zuerst sollte der Körper entspannt sein. Auf keinen Fall gespannt. Wenn ihr verspannt seid, könnt ihr nicht richtig achtsam sein und deshalb nicht richtig all den Objekten folgen.
Zweitens, um achtsam und langsam zu gehen, sollte euer Gang stabil sein. Wenn ihr wankt, könnt ihr euch nicht richtig konzentrieren, da euer Geist nicht in Ruhe ist. Deshalb hilft es, wenn ihr flache und kurze Schritte macht. Wenn die Schritte kurz und flach sind, braucht ihr keine Angst haben hinzufallen.
Drittens, der Geist sollte zwar sehr entspannt sein, aber noch in einem konzentrierten Zustand. Um dies zu realisieren, muss man lernen, wie man Konzentration aufbaut. Bewegt dazu den Geist in einem Tempo, dem ihr problemlos folgen könnt. Das heißt, geht so langsam wie möglich, damit tiefe Konzentration entstehen kann, aber nicht zu langsam, sodass ihr immer mehr Bewegungsempfindungen spüren könnt. Das Schritttempo muss schnell genug sein um die Empfindungen fühlen zu können. Stellt also sicher, dass die Empfindung da ist. Nicht so, als wenn ihr nur denkt sie wäre da: „sie mag da sein, aber ich bin nicht sicher. Jetzt ist sie da, jetzt ist sie nicht da“. Wenn ihr euch der Empfindung nicht sicher seid, werden die Kontinuität des Objektes und der Fluss unterbrochen. So baut sich die Konzentration nicht auf. Aber wenn ihr das Objekt fassen könnt und es weiter verfolgt, dann fließt die Achtsamkeit mit dem Objekt und den Empfindungen und ihr sperrt den Geist auf dieser Stufe der Konzentration ein.

Wenn ihr dieses Stadium erreicht habt, scheint es, als würden die Füße von selbst gehen und ihr könnt selbst dann, wenn ihr es wollt, nicht schneller gehen. Jetzt gibt es keine Probleme mehr den Fußschritten zu folgen. Die Anstrengung kann nun langsam mehr und mehr dazu verwandt werden den Empfindungsstrom aufzunehmen.
Jede Konzentrationsstufe kann immer nur ein ihr entsprechendes Maß an Empfindungen aufnehmen. Deshalb solltet ihr bei verbesserter Konzentration langsamer aber trotzdem gleichmäßig weitergehen. Entspannt euch jetzt noch mehr und seid friedvoller, damit euer Geist empfindlich genug ist den feineren Empfindungsfluss aufzunehmen.
Wenn ihr diese Konzentration halten könnt, ist Gehmeditation kein Problem mehr für euch. Ihr seid nun in samādhi. Es ist sehr friedvoll und ruhig und die Zeit scheint vorbeizufliegen. Wenn ihr nun mit der Gehmeditation fertig seid, könnt ihr mit der Sitzmeditation fortfahren und auch damit, eure Bewusstheit zu halten. Normalerweise dauern die Sitz- und Gehmeditationen ungefähr jeweils eine Stunde, immer abwechselnd. Bei fortgeschrittenen Studenten habe ich festgestellt, dass es besser ist die Geh- und Sitzmeditationsperioden zu verlängern.
Vorausgesetzt ist, dass sie fähig sind Konzentration zu erlangen und dass der Körper gesund und stark genug ist. Wenn ein Yogi diese Konzentration verlängern kann, dann werden die fünf Fähigkeiten sehr stark entwickelt und im Moment des Niedersetzens folgen

Die Ernsthaftigkeit der Gehmeditation und anderer alltäglicher Aktivitäten
Die Wichtigste ist, dass man die Gehmeditation ernst nimmt. Wenn ihr die Gehmeditation richtig ernsthaft betreibt, könnt ihr leicht in samādhi oder Konzentration hineingelangen und das in jeder eurer Geh- und Sitzmeditationssitzung. Dasselbe gilt für alle anderen Aktivitäten. Als ich in Burma war, überlistete ich mich selbst und zwar dadurch, dass ich mich bei den Sayadaws darüber beschwert habe, dass die Leute im Kloster so schnell essen. Es waren so viele Mönche dort und wir, die Jüngsten und am kleinsten Gebauten, waren am Ende der Schlange. Als wir die Essenshalle betraten, verließen die älteren Mönche sie schon wieder. Auf Grund meiner Beschwerde wurde mir ein spezieller Tisch gegeben, der von allen anderen eingesehen werden konnte. Ich hatte keine Wahl außer sehr achtsam zu essen. Aber es war eine gute Lektion. Normalerweise fühlte ich mich nach einer Mahlzeit sehr schläfrig und träge und wollte schlafen. Weil ich aber beim Essen wirklich achtsam war, war die Sitzmeditation nach dem Essen die Beste. Obwohl sich der Magen gefüllt an- fühlte, beobachtete ich dies und es wurde ein sehr gutes Meditationsobjekt. Ich fühlte mich überhaupt nicht schläfrig.
Wenn ihr in jeder Geh- und Sitzmeditation achtsam seid, ist es für euch möglich samādhi oder gute Konzentration zu erreichen. So kommt ihr mit der Kontinuität der Achtsamkeit und der Praxis voran.