-essentials of insight meditation practice-

die praxis der einsichtsmeditation

7. Die fünf Hemmungen
Der erste oder die ersten beiden Tage eines Retreats sind mehr eine Zeit des Frühjahrsputzes. All der akkumulierte Stress und die akkumulierte Müdigkeit kommen hoch. So wie auch gewohnheitsmäßige Tendenzen und Gedanken. Wenn die Teilnehmenden vorher noch nie auf einem Retreat gewesen waren und wenig darüber wissen, was Meditation ist, werden sie dadurch oft entmutigt. Es ist in der Tat eine sehr harte Zeit.
In dem Moment, wo sie sich hinsetzen, wird ihr Geist außer Kontrolle geraten oder er wird, wenn sie versuchen achtsam oder konzentriert zu sein, einfach nur leer. Dies zeigt nur unseren schlechten Geisteszustand und das Ausmaß unseres benötigten Trainings um ihn kontrollieren zu können. Dies liegt an der Kraft der Befleckungen, der Kraft der unheilsamen Geisteszustände und am Mangel an reinen, heilsamen Geisteszuständen. Diese Befleckungen müssen kraftvoll sein, da sie sonst nicht in der Lage wären uns im samsara, dem Zyklus von Geburt und Tod, seit undenklichen Zeiten festzuhalten.
Deshalb sollte ihre Kraft niemals unterschätzt werden! Im Sinne ihrer allgemeinen Kategorisierung nennen wir sie die drei üblen Wurzeln, Gier, Hass und Verblendung. Wenn es jedoch zur Meditationspraxis kommt, nennen wir sie die fünf Hemmungen:

1. Sinnesbegehren
2. Übelwollen
3. Mattigkeit und Müdigkeit
4. Unruhe und Sorgen
5. Skeptischer Zweifel

Sie arbeiten auf verschiedenen Wegen, um den Fortschritt der rechten Konzentration und die Stärke des reinen Geistes zu behindern oder zu stören.

Kurzgefasst:
• Sinnesbegehren ist gieriges Genießenwollen der fünf Sinne,
• Übelwollen ist Zorn oder Hass,
• -Mattigkeit und Müdigkeit ist Faulheit, Trägheit, Zähigkeit des Geistes,
• Unruhe und Sorgen ist das Unruhigsein und die inbegriffene Verwirrung des Geistes,
• Skeptischer Zweifel sind die Zweifel, die die Meditationspraxis und das dreifache Kleinod betreffen.

Um die Dinge zu vereinfachen, können die Hemmungen unter zwei Hauptkategorien zusammengefasst werden: „Mattigkeit und Müdigkeit“ und „Unruhe und Sorgen“.

In den ersten paar Tagen fühlen die Meditierenden, die zu einem Retreat gekommen sind, dass diese Hemmungen sehr mächtig sind. Wir werden sie jetzt etwas ausführlicher besprechen, damit ihr den Umgang mit ihnen lernt.

Mattigkeit und Müdigkeit
„Mattigkeit und Müdigkeit“ ist die weniger gefährliche Hemmung, da sie euch nur zum Einschlafen bringt. Wenn ihr schlaft, ist es nicht allzu schlecht. Es ist nur eine Zeitverschwendung, wogegen der ruhelose Zustand des Denkens aktiv ist. Wenn er sich aufbaut, könntet ihr verrückt werden. Der Geist kann an der übertriebenen negativen Energie zerbrechen. Trotzdem habt ihr euch von beiden freizumachen, wenn ihr mit dem Meditieren anfangt. Solange die Hemmungen noch anwesend sind, wird die Achtsamkeit nicht in der Lage sein richtig zu arbeiten. Das Bild wird so nicht klar. Man muss die Hemmungen vollkommen loswerden, bevor das ganze Bild klar wird und die Einsicht fortschreiten kann. Wie geht man nun mit Mattigkeit und Müdigkeit um? Lasst uns ein paar Möglichkeiten ansehen. In den ersten ein oder zwei Tagen ist Mattigkeit und Müdigkeit gewöhnlich ein schwer zu behebender geistiger Zustand. Oft könnt ihr nichts dagegen unternehmen, sondern müsst das durchsitzen und durch den Sturm reiten. Es ist sehr schwer. Im Moment des Sitzens ist euer Geist leer. Wenn ihr es eilig hattet oder eine Menge Arbeit hattet und ihr sehr müde seid oder eine lange Reise hattet, kann es wirklich sehr hart sein. Es ist jedoch kein dauerhaftes Merkmal. Wenn ihr lang genug sitzt und lang genug probiert, geht es gewöhnlich vorbei. Wenn es zu schlimm wird und wenn ihr nicht mehr sitzen könnt, steht auf und geht. Nach ein paar Tagen wird es weniger und die Mattigkeits- und Müdigkeitsattacken sind dann eher von einer leichten Art. Sie sind einfacher zu bewältigen. Sie er- scheinen nun wie das „Heben, Senken, Heben, Senken...“ am frühen Morgen, es ist klar und friedvoll. Aber irgendwie am Rande wurde langsam alles leer. Warum? Weil Mattigkeit und Müdigkeit sich ohne euer Wissen eingeschlichen haben. Ihr sagt: „Ich war sehr achtsam, aber plötzlich ging die Achtsamkeit weg.“ Dies ist die leichtere Art der Mattigkeit und Müdigkeit und sie kann schnell daherkommen und euch plötzlich attackieren. Deshalb müsst ihr eure Energie wachrufen, wenn euer Geist sehr friedvoll ist. Wenn sich euer Geist ein wenig langsam, neblig und verschwommen anfühlt, dann ist es Zeit die Energie aufzuwecken. Der Faktor, der Mattigkeit und Müdigkeit entgegenwirkt, ist Energie oder Anstrengung. Die Frage ist nicht, ob wir Energie haben oder nicht. Geistige Energie ist immer da.
Hier ein Beispiel. Wenn ihr verschlafen habt und ihr deshalb zu spät zur Arbeit kommen würdet, es aber noch nicht wisst, dann wollt ihr noch nicht aufstehen. Jedoch in dem Moment, wo ihr realisiert, dass ihr zu spät zur Arbeit kommt oder zu spät zu euren Prüfungen kommt, seid ihr plötzlich in fünf Minuten fertig zum Losgehen.
Woher ist diese Energie gekommen? Die Energie ist immer da. Deshalb ist es eine Frage des Wachrufens und eine Sache der Willenskraft, die Energie zu erwecken. Das ist es, was wir lernen müssen. Uns mit der richtigen Willenskraft zu verbinden, dass wir die Energie, wann immer wir wollen, wachrütteln können. Natürlich gibt es auch andere Wege dies zu tun. Energie geht einher mit dem, was wir Gedankenfassen, vitakka, nennen, dass heißt in diesem Falle gesteigertes Notieren. Deshalb, wenn ihr das „Heben“ und „Senken“ nicht finden könnt, weil ihr so schläfrig seid, ist es ratsamer die Methode des „Sitzens“ und „Berührens“ zu benutzen. Natürlich sind die Objekte wegen der Schläfrigkeit nicht so klar. Deshalb haltet ihr euch an einer größeren Masse fest. Der ganzen Körpermasse als „Sitzen“ und den Kontaktpunkten als „Berühren“. So fahrt ihr im normalen Tempo mit dem Notieren fort „Sitzen, Berühren, Sitzen, Berühren, Sitzen, Berühren...“.
Als „Sitzen, Berühren, Berühren, Berühren...“. Beispiele für die Berührungspunkte sind die Kontaktpunkte am Hintern, den Armen und den Beinen. Ihr könnt diese Punkte auch in einem Rhythmus oder einer bestimmten Anordnung durchgehen. Bei sehr starker Mattigkeit und Müdigkeit wird es allerdings nur helfen, wenn ihr sehr, sehr ausdauernd seid. Dazu braucht es Willenskraft und Zeit. Starke matte Müdigkeit geht nicht in nur fünf oder zehn Minuten weg. Der Durchbruch kann zwanzig oder dreißig Minuten benötigen. Aber, wenn ihr erst einmal durchgebrochen seid, wird der Geist gewöhnlich äusserst klar.
Falls das nicht klappen sollte, praktiziert ihr natürlich Gehmeditation. Während der Gehmeditation seid ihr normalerweise, wenn ihr etwas schneller geht, nicht schläfrig. Wenn ihr allerdings sehr langsam geht, kann es sein, dass ihr sehr feine Objekte nicht erwischen könnt. Dann nimmt die Müdigkeit zu. Deshalb sollte man größere Schritte machen und ein wenig schneller und in einer freizügigeren Art und Weise gehen. Denn wenn ihr verspannt seid, kann euch die Steifheit des Geistes träge machen. So ist es besser freier zu gehen, weder zu langsam noch zu schnell und etwas größere Schritte zu machen. Später, wenn der Geist die Objekte wieder erwischt, kann er erneut aktiviert werden. Wenn er aktiviert ist, verschwindet die Schläfrigkeit und die Energie kommt hervor.
Natürlich ist dies eine leichte Methode. Letztendlich, liegt aber alles an der eigenen Willenskraft und normalerweise geht nach drei oder vier Tagen die Mattigkeit und Müdigkeit weg. Selten bleibt sie für eine Woche. Wenn ihr eifrig seid, verschwindet sie gewöhnlich nach ein paar Tagen.

Unruhe und Sorgen
Die andere Hemmung, die uns beschäftigt, ist Unruhe und Sorgen. Damit sie aufhört sollten wir „Denken, Denken“ mit Achtsamkeit notieren. Aber oft, wenn wir „Denken, Denken“ notieren, geht diese Hemmung nicht weg. Das liegt daran, dass wir nur „Denken, Denken“ sagen, aber nicht achtsam dabei sind. Denn wenn ihr achtsam beim Notieren wärt, würdet ihr nicht denken. Seid klar und achtsam, dann geht das Denken weg. Manchmal kommt das Denken, obwohl es durch das Notieren wegging, zurück. Es geht wieder weg und es kommt wieder. Warum geht es weg um dann wieder zu kommen? Ein möglicher Grund ist, dass - obwohl das Denken weggeht - noch ein gewisser Grad an Befleckung da ist. Wenn ihr beispielsweise zum „Heben“ und „Senken“ zurückkehrt, seid ihr noch nicht achtsam genug, wenn noch ein klein wenig Begehren, Ärger oder Wahn existiert. In solchen Fällen, wenn dann das Denken sehr hartnäckig ist und ständig zurückkommt, solltet ihr seine Wurzel (Gier, Hass oder Verblendung) notieren.
So bekommt ihr auch heraus, was euch Probleme bereitet. Das problematische Objekt kann entweder allgemein oder spezifisch sein. Allgemein bedeutet, dass es nichts Besonderes ist, über das ihr nachdenkt und es kann irgendetwas sein. Spezifisch bedeutet, dass ein echtes, ein zu beruhigendes Problem euren Geist stört.
Wenn ihr erst mal die Ursache gefunden habt, ist es einfacher das Problem zu lösen. Ist es nur ein Zustand von Gier oder Zorn, dann notiert ihr es als Gier, Zorn, Wahn etc. Ein spezifischeres Ziel zu notieren ist aber normalerweise effektiver als ein allgemeines.
Dies alles fällt unter cittanupassana, das Achtsamkeit auf das Bewusstsein bedeutet. Wir werden es später noch weiter behandeln. Cittanupassana beschäftigt sich damit, die geistigen Zustände wie Gier, Hass, Wahn, Faulheit etc. mit klarer Bewusstheit zu erfassen. Wenn sie klar erfasst werden, verschwinden sie normalerweise.

Vorbereitende, die Konzentration fördernde Meditationen Wenn die Befleckungen sehr hartnäckig sind, solltet ihr sie sehr ernst nehmen und auch anders angehen. Damit solche Probleme nicht übermäßig anwachsen können, wird empfohlen, dass am Anfang der Sitzmeditation eine oder mehrere der vorbereitenden Konzentrationsmeditationen gemacht werden.

Die vier vorbereitenden Konzentrationsmeditationen sind:

Erstens: buddhanusati, das heißt, sich die Vorteile der Tugenden des Buddhas wachzurufen. Das hilft Furcht und skeptischen Zweifel zu vertreiben und schafft Vertrauen.

Zweitens: Liebende-Güte-Meditation. Dies hilft Ärger und Übelwollen zu überwinden und eine friedvolle harmonische Atmosphäre zu etablieren.

Drittens: die Meditation über die Unschönheit des Körpers, die für all diejenigen ist, die starke lustvolle Tendenzen oder Wünsche haben.

Viertens: die Meditation über den Tod um Sorge, Faulheit und Unbekümmertheit zu überwinden. In diese Kategorie könnten Dinge wie Meditation über kamma, der Verlust von Angehörigen, Traurigkeit usw. hineingehören

Obwohl empfohlen wird diese vorbereitenden Meditationen nur in den ersten fünf oder zehn Minuten der Sitzmeditation zu machen, darf man ihre Kraft nicht unterschätzen. Richtig durchgeführt halten sie den Geist still und all das Denken, die Ruhelosigkeit und die Hemmungen verschwinden. Unruhe ist ein Problem in der Anfangsphase, also in den ersten ein oder zwei Tagen des Retreats oder im ersten Retreat. Wenn man nicht damit um- zugehen weiß, scheint es schlimmer als es ist. Unruhe ist kein großes Problem.
Jedoch werden wir immer, solange wir noch keine arahants sind, diesen fünf Hemmungen gegenübertreten müssen. Wenn sie entstehen, ist das für uns eine Gelegenheit mit ihnen umgehen zu lernen. Wenn ihr Anfänger seid und ihr am Ende des Retreats noch nicht gelernt habt mit ihnen umzugehen, werdet ihr weiterhin damit zu tun haben. Das zu lernen dauert. Erst in dem Moment, wenn ihr in der Lage seid alle Hemmungen und Befleckungen zu beseitigen, könnt ihr den reinen Zustand des Geistes erfahren.
Wenn z. B. Schläfrigkeit in eurem Geist anwesend ist, ihr daraufhin „schläfrig, schläfrig, schläfrig“ notiert und die Schläfrigkeit nicht ganz weggeht, sind all diese Tendenzen noch da. Ihr habt noch keine Zugangskonzentration erreicht und deshalb schleppt es sich dahin und die Tendenzen kommen zurück. Es ist wie ein Himmel mit Sonne, der noch eine dünne Lage an Wolken hat und ihr deshalb nicht den blauen Himmel sehen könnt. Nur wenn ihr die Hemmung komplett durch Notieren abgeschaltet habt und dadurch die ganze Schläfrigkeit weg ist, werdet ihr erfahren, was ein „blauer Himmel“ ist. Dann kommt die Sonne durch, scheint mit großer Klarheit und ihr könnt alles um euch herum sehen.
Die fünf Hemmungen sind Mattigkeit und Müdigkeit, Unruhe und Sorgen, das Denken, skeptischer Zweifel und so weiter. Sie zu notieren ist, wie den Geist von Abfall zu reinigen.
Wenn ihr den Boden fegt, schmeißt ihr zuerst den groben Abfall weg, es ist aber noch kleinerer Schmutz vorhanden. Eure Arbeit ist noch nicht fertig. Und wenn ihr auch die kleineren Partikel beseitigt habt, sind da immer noch Staubpartikel. Auch danach gibt es noch feinere Staubpartikel. Deshalb muss die Anstrengung so lange aufrecht erhalten bleiben, bis all die Hemmungen und Befleckungen vollständig beseitigt sind. Nur dann wird die Achtsamkeit klar, hell und leuchtend. Man muss fest entschlossen sein die Hemmungen zu überwinden. Dies ist die oberste Pflicht eines Yogi, wenn er Achtsamkeitsmeditation praktiziert. Wenn er das verwirklicht hat, werden die Objekte klarer und der Geist rein.