1. Satipatthāna Vipassanā-Meditation
In vielen buddhistischen Traditionen basiert die Einsichtsmeditation auf den vier Pfeilern der Achtsamkeit, wie sie im Satipatthāna-Sutta erwähnt werden. Die Einzigartigkeit der burmesischen Einsichtsmeditations-Methode, die von Mahasi Sayadaw gelehrt wurde, liegt darin, dass der Anfänger als Hauptobjekt die durch den Atem steigende und fallende Bauchdeckenbewegung benutzt. Später werden auch mehrere andere Objekte verwandt. Da es erhebliche Unterschiede in den Anweisungen der verschiedenen Lehrer gibt, ist in vielen Fällen die Entscheidung, welche der Anweisung man benutzt, abhängig von der eigenen persönlicher Erfahrung und Fähigkeit. Satipatthāna oder die vier Pfeilern der Achtsamkeit wurden vom Buddha als der eine und einzige Weg für die Läuterung der Wesen genannt. Die entsprechende Lehrrede beschreibt verschiedene in vier Kategorien unterteilte Meditationsobjekte, die dazu verwendet werden Achtsamkeit auf die Dinge, so wie sie sind, zu entwickeln. Es sind:
• Kāyanupassanā satipatthāna
• Vedananupassanā satipatthāna
• Cittanupassanā satipatthāna
• Dhammanupassanā satipatthāna Körperbetrachtung als Grundlage der Achtsamkeit
(kāyanupassanā satipatthāna) Innerhalb dieses Abschnitts gibt es verschiedene Kapitel:
1. Atemachtsamkeit
2. Körperhaltung
3. Wissensklarheit
4. Nichtschönheit des Körpers
5. Die vier Elemente
6. –14. Leichenbetrachtungen auf unterschiedlichen Stufen des Zerfalls
Es ist ersichtlich, dass einige dieser Betrachtungen am Anfang reine Ruhemeditationsübungen sind, die sich später, wie im Schlussvers des Satipatthāna-Sutta genannt, in Einsichtsmeditationsübungen wandeln.
„...Auf diese Weise verweilt er, indem er die Ursprungsfaktoren im Körper betrachtet, oder er verweilt, indem er die Auflösungsfaktoren im Körper betrachtet, oder er verweilt, indem er die Ursprungs- und Auflösungsfaktoren im Körper betrachtet...“
Gefühlsbetrachtung als Grundlage der Achtsamkeit
(vedananupassanā satipatthāna) Hier werden neun Gefühlskategorien genannt, die als Achtsamkeitsobjekt dienen. Die ersten drei Kategorien sind:
Das Wohlgefühl, das Wehgefühl und das Weder-Weh-noch-Wohl- Gefühl
Diese drei Gefühle werden dann weiter unterteilt im Hinblick darauf, ob sie körperlich (4-6) oder geistig (7-9) sind. Bewusstseinsbetrachtung als Grundlage der Achtsamkeit
(cittanupassanā satipatthāna) Die Bewusstseinsarten, die Achtsamkeitsobjekt sein können sind:
1. Gierbehaftetes Bewusstsein
2. Gierfreies Bewusstsein
3. Hassbehaftetes Bewusstsein
4. Hassfreies Bewusstsein
5. Verblendetes Bewusstsein
6. Unverblendetes Bewusstsein
7. Zusammengezogenes Bewusstsein
8. Abgelenktes Bewusstsein
9. Erhabenes Bewusstsein
10. Nicht-Erhabenes Bewusstsein
11. Übertreffliches Bewusstsein
12. Nicht-Übertreffliches Bewusstsein
13. Ruhiges Bewusstsein
14. Unruhiges Bewusstsein
15. Befreites Bewusstsein
16. Unbefreites Bewusstsein Geistobjektbetrachtung als Grundlage der Achtsamkeit
(dhammanupassanā satipatthāna)
1. Die fünf Hemmungen
2. Die fünf Anhaftungsgruppen
3. Die sechs internen und externe Sinnengrundlagen
4. Die sieben Erleuchtungsfaktoren
5. Die vier edlen Wahrheiten
Die Körperbetrachtung (kāyanupassanā satipatthāna) wird zuerst als Hauptobjekt zur Ausbildung der Achtsamkeit genommen, weil sie:
1. grob, also leicht erkennbar ist,
2. in einem bestimmten Grade oder die meiste Zeit wahrnehmbar und einfach ist
3. und nicht schmerzhaft ist (wie z. B. die Gefühlsbetrachtung sein kann).
So kann die Körperbetrachtung über lange Zeit ohne Stress angewandt werden. Wenn man achtsam körperliche Prozesse notiert, bemerkt man irgend- wann auch den mentalen Prozess, der damit einhergeht. Am Anfang der Praxis bestürmen den Geist meist viele Befleckungen und Gedanken und durch längeres Sitzen entstehen häufig Schmerzen. Später werden durch Verbesserung der Achtsamkeit und Konzentration auch feinere Objekte leicht notiert. Am Anfang der Sitzmeditationsübung stehen folgende Objekte:
• das Steigen und Fallen der Bauchdecke,
• die Sitz- und Berührungsempfindungen,
• Denken oder Ruhelosigkeit,
• Schläfrigkeit,
• Hören von Geräuschen.
• Schmerzen und angenehme Gefühle.
Das „Steigen“ und „Fallen“ der Bauchdecke wird zuerst als Hauptobjekt der Meditation genommen. Aber wenn es sehr schwach wird, werden stattdessen die Sitz- und Berührungsempfindungen notiert. Während längerer Sitzperioden werden dann Schmerzen und Gefühle stattdessen notiert. Andere weniger häufige Objekte werden auch notiert und wenn sie wieder verschwinden, kehrt man zur Beobachtung des Hauptobjektes zurück. Für die Gehmeditation gilt dasselbe. Der Gehprozess ist das Hauptobjekt und die anderen Objekte (Schmerzen, Denken, Sehen, Hören etc.) sind sekundäre Objekte. Auf diese Weise können die körperlichen und geistigen Phänomene achtsam, so wie sie als Prozess erscheinen und verschwinden, beobachtet werden.