-essentials of insight meditation practice-

die praxis der einsichtsmeditation

14. Einsicht verstehen
Da wir alle hier sind um Einsichtsmeditation zu praktizieren, wäre es für uns angemessen, wenn wir richtig verstehen, was Einsicht ist. Damit diese Vorträge vollständig sind, werde ich auch gewisse Erfahrungsaspekte, für die viele von euch noch nicht reif sind, behandeln. Seht es als eine Art generelles Wissen. Das Behandeln dieser Aspekte ist ein etwas heikles Unterfangen, da es „sensible Gebiete“ behandelt. „Sensible Gebiete“ weil über Einsichtswissen wegen der Furcht, dass es missverstanden oder missinterpretiert werden könnte, normalerweise nicht gesprochen wird. Trotzdem denke ich, dass man diese Dinge zumindest theoretisch gut genug verstehen muss, damit ihr wisst, was zu tun ist, wenn ihr weitermacht. Das gilt vor allem, wenn es keine erfahrenen Lehrer um euch herum gibt.

Einsicht und Verstehen
Zuerst werden wir über Einsicht oder Verstehen reden. Was meinen wir mit Weisheit oder Einsicht? Man kann Verstehen oder Weisheit als das, was Erkennen schafft oder das, was offenbart, definieren. Es ist wie das Einschalten eines Lichts. Wenn das Licht eingeschaltet ist, offenbart es, was um dich herum die Realität ist. Um den Punkt nochmals hervorzuheben, gibt der Kommentar der visuddhi magga (Der Weg zur Reinheit) drei Gleichnisse zu den drei Wissensarten.
Die Wissensarten sind „Wahrnehmung“, „Bewusstsein“ und „Verstehen.“ Wahrnehmung wird definiert als das Wissen, das etwas bemerkt oder (wieder-)erkennt. Es wird mit einem jungen Kind verglichen, das etwas weiß.Die zweite Art des Wissens ist Bewusstsein.
Bewusstsein erreicht aber nicht den Grad des Wissens wie Verstehen. Die dritte Art des Wissens ist Weisheit, Verstehen, oder Erkennen. An diesem Punkt unterscheidet der dhamma zwei Arten von Verstehen. Weltliches Verstehen und spirituelle Weisheit (pañña). Der Unterschied liegt hier in der geistigen Kontrolle und den Befleckungen. Obwohl wir sehr gut mit weltlichem Wissen denken können, eine Menge an Antworten bekommen und viele Dinge tun können, erreichen wir nichts in Bezug auf die Kontrolle der Befleckungen. Deshalb gibt es eine Menge sehr cleverer Leute, die damit enden eine Menge schrecklicher Dinge zu tun wie z. B. Atombomben bauen. Dies entsteht durch weltliches Wissen, durch Denken. Aber trotzdem können die Hauptquellen der Kraft hinter dem weltlichen Wissen, das den Gedankenprozess kontrolliert, die Befleckungen wie Gier, Hass oder Verblendung sein. Deshalb ist dieses Wissen gefährlich, wenn es missbraucht wird.
Spirituelles Wissen ist anders. Spirituelles Wissen betrifft die Reinheit des Geistes, das Überwinden von Gier, Hass und Verblendung und die Reduktion der Befleckungen. Diese Art des Wissens kann weiterhin in drei Dhamma-Klassen entsteht. Dies bezieht sich mehr auf theoretisches Wissen. Wenn ihr beispielsweise den dhamma lest, wisst ihr, was gutes und schlechtes kamma ist, was Gier ist, warum sie schlecht ist etc. All dies ist Theorie. Eine Klasse weiter ist das Verstehen, das durch Denken entsteht. Wenn man z. B. den abhidhamma studiert und weiß, wie viele mentale Faktoren es gibt, wie viele Arten von Bewusstsein, wenn ihr dies im Geiste bedenkt und analysiert, könnt ihr dadurch eine andere Art des Verstehens erlangen. Alternativ könnt ihr das Gelernte im täglichen Leben anwenden, darüber nachdenken und zu neuem Verstehen kommen. Dies ist die zweite Stufe, die ihr normalerweise aus Büchern erhaltet. Es ist Wissen durch Betrachten und Denken. Die dritte Stufe braucht eine größere Betonung. Diese Stufe ist das Wissen, das durch Meditation entsteht, weil in der Meditation der Geist tiefere Stufen entwickeln kann als es normalerweise durch gewöhnliches Denken möglich ist.

Es gibt zwei Arten der Meditation.
Ruhemeditation und Einsichtsmeditation (Dies ist die Meditation über die wir hier schreiben). Während der Ruhemeditation, obwohl der Hauptfaktor hier Konzentration ist, brauchen wir trotzdem Verstehen und Wissen, damit wir fähig sind tiefe Konzentration zu entwickeln. Wenn sich tiefe Konzentration entwickelt hat und der Geist dadurch sehr mächtig geworden ist, kann man Fähigkeiten wie Telepathie, Hellsehen und andere Dinge, die sonst nicht möglich sind, erlangen. Dies ist auch Wissen, das durch geistige Entwicklung entsteht. Dies ist dann Wissen durch Ruhemeditation.

Vipassana-Meditation
Beim vipassana handelt das entstehende Wissen von der wahren Natur der Welt. Das heißt von den Geist-Körper-Prozessen. Die ganze Welt - uns eingeschlossen - kann allgemein in zwei Arten von Dingen klassifiziert werden: Geistprozesse und materielle Prozesse. Wenn jemand tiefes Verstehen durch gründliche Beobachtung dieser Prozesse entwickelt, sieht der Geist sie als veränderlich, unbefriedigend und als Nicht-Selbst. Wenn der Geist dies öfter so betrachtet, gewinnt er immer tieferes Verständnis dieser Daseinsmerkmale. Diese Art des Verstehens der Einsicht in die Geist- Körper-Prozesse sowie in die drei allgemeinen Daseinsmerkmale, der Veränderlichkeit, der nicht befriedigenden Natur und des Nicht-Selbst, hilft uns, uns von der Gier abzulösen und nicht mehr an all den veränderlichen, unbefriedigenden und leeren Dingen zu haften. Deshalb gehen wir dann über das Weltliche hinaus und finden Frieden im Überweltlichen. Dies ist die einzigartige Natur der Einsichtsmeditation (vipassana). Nur durch diese Art der Meditation ist es möglich, dass wir klar erkennen, wie man Wissen entwickelt und warum man der Welt entsagen muss um das Unbedingte (nibbana) zu erfahren.

Die Entwicklung von Einsicht
Einsichtswissen ist kein Wissen, das durch Denken oder Bücherlesen entsteht. Es entsteht durch das Praktizieren. Es ist Wissen, das als empirisch oder experimentell betrachtet werden kann. Es entsteht durch einen geistigen Zustand, der klarer und tiefer konzentriert ist als sonst. Deshalb betonen wir von Anfang an Achtsamkeit und klare Bewusstheit, die ohne Denken entsteht, wenn wir Einsichtsmeditation betreiben. Sie betrifft weder die Vergangenheit noch die Zukunft, sondern die gegenwärtige Erfahrung. Wenn ihr in die Vergangenheit geht, tendiert ihr dazu über die Vergangenheit nachzudenken. Wenn ihr in die Zukunft geht, ist es eine bloße Projektion eurer Gedanken. Einsichtsmeditation betrifft die Gegenwart. Also wenn ihr nicht denkt und so die tatsächliche Natur erfahrt; das heißt all das, was mit eurem Körper und Geist passiert.
Diese Art der Bewusstheit wird über einen bestimmen Zeitraum solange aufgebaut, bis sie kontinuierlich wird während wir Geh- oder Sitzmeditation betreiben oder uns mit alltäglichen Dingen beschäftigen. Von Moment zu Moment entwickeln wir diese klare Bewusstheit des gegenwärtigen Momentes. Wenn wir das machen, wird diese Art der Bewusstheit und des Notierens kraftvoller und konzentrierter. Schließlich wird sie ein starker Fluss, der sich aufbaut und erfährt, was gerade von Moment zu Moment los ist. Wenn es euch gut gelingt, kontinuierliche Achtsamkeit aufrechtzuerhalten, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis ihr euch mehr auf das Objekt konzentrieren könnt. Was jedoch betont werden muss, ist die Natur des Vipassana-Objektes. Es muss immer ein reales Objekt sein. Es darf kein Konzept sein. An diesem Punkt ist es nötig euch zu erklären, was ein Konzept überhaupt ist.

Was ist ein Konzept?
Wie ich schon sagte, ist ein Konzept etwas, was ausgedacht, eingebildet oder durch den Geist erzeugt ist. Ein sehr einfach zu verstehendes Beispiel ist, wenn wir denken und Dinge planen, die noch nicht passiert sind, oder wenn wir uns etwas vorstellen und Lüftschlösser bauen. All dies sind reine Konzepte, sie sind nicht real und sie sind geistgezeugt. Es gibt andere Konzeptarten, die feiner sind und wir müssen sie identifizieren lernen. Diese entstehen nicht aktiv sondern passiv. Sie entstehen durch die Geistprozesse. Solcher Art ist z. B. das, was wir Geräuschkonzept nennen wie Worte oder Melodien. Sie sind nicht real. Sie sind geistgezeugt. Das Wort „selfish“(egoistisch) beispielsweise existiert nicht im letztendlichen Sinne wirklich. Es ist aus Konsonanten und Vokalen zusammengestellt, die pure Geräusche sind. Dieses Wort hat zwei Silben „sel“ und „fish.“ In einem Zeitmoment könnt ihr das Wort „selfish“ nicht hören. Was ihr hört sind verschiedenen Geräusche, die vergehen. Es ist nur die Geräuschsequenz, die dem Geist die Idee (das Konzept) gibt. Tatsächlich gibt es nur Geräuschvibrationen, die einander folgen. Eine andere Art des Geräuschkonzeptes ist die Melodie, „do-re-mi...“. Zu keiner Zeit existiert die Melodie. Es sind nur Noten, die nacheinander erscheinen. Der Geist bekommt einen mentalen Eindruck und so entsteht die Melodie. Diese sind Geräuschkonzepte.
Eine andere Konzeptart beschreibt Formen. Form braucht Entfernung, Richtung und Größe. All dies ist letztendlich nicht real. Wenn ich z. B. sage „dies ist rechts“, ist es links aus eurer Perspektive. Was ist nun wirklich bei mir rechts oder links? Rechts und links sind Konzepte, die von der Beziehung zweier Objekte, wie ihr ihnen gegenübersteht etc., abhängen. Ähnliche Dinge sind Entfernung und Zeit. Auch die Idee einer Form ist ein Konzept. Wir scheinen ganze Dinge auf einmal zu sehen, aber in unseren Gedankenprozessen passiert das nicht so. Bilder auf einem Fernseher sind ein gutes Beispiel. Sie erscheinen schnell hintereinander, aber wir sehen die Bilder simultan erzeugt. Formen sind Konzepte. Im Falle von Formen erfahren wir tatsächlich nur Farbe und Helligkeit, die entsteht und wieder vergeht. Zeit ist auch ein Konzept, abhängig von der Aufgabe vieler Dinge, die kommen und gehen. Alles was es wirklich gibt, sind Dinge, die kommen und gehen. Sie entstehen und vergehen und schon sind sie in der Vergangenheit. Wenn sie noch nicht entstanden sind, dann sagen wir, das ist die Zukunft. Wenn es passiert sagen wir, das ist die Gegenwart. All dies sind Konzepte und in ihnen können wir nicht die Wahrheit und letztendliche Wirklichkeit finden.

Es gibt ein anderes wichtiges Konzept, das ich behandeln muss. Es ist das Konzept der Person des „Ich“. Dies ist ein sehr zentrales Konzept. Solange der Geist an dem Konzept der Person festhält und durch Hängen an diesem Konzept verdunkelt ist, könnt ihr diese Stufe des logischen Denkens und Erfahrens nicht überschreiten. Wenn wir sagen eine Person, ich, du, Herr oder Frau Schmidt, wo ist dann diese Person? Versucht nach innen zu schauen. Was ist da, wenn ihr „Sitzen“ und „Berühren“ notiert? Findet ihr euch dann im Körper? Was ihr findet, wenn der Körper geht oder sitzt, sind die Bewegungen, die Spannungen, die Hitze etc. Das seid nicht ihr. Ihr könnt euch dort nicht finden. Auch wenn ihr die Gefühle beobachtet: die Gefühle kommen und gehen und sie sind auch nicht euer Ich. Schaut in euren Geist. Euer Geist hört nicht darauf, was ihr sagt. Wenn ihr nicht wollt, dass er denkt, denkt er und wenn ihr denken wollt, denkt er nicht. Wenn ihr nicht schlafen wollt, schläft er und wenn ihr schlafen wollt, schläft er nicht. Es ist als ob er ein Eigenleben hätte. Was wir gewöhnlich „Ich“ nennen, ist ein Resultat all dieser Prozesse, aber wenn ihr diese Person für absolut real haltet, könnt ihr diese Sicht nicht überschreiten. Wenn wir fragen, „Wer ist diese Person?“ und nach innen schauen, dann sind dort nur diese komplexen Geist- und Körperprozesse.
Es gibt auch noch andere Konzepte, die wir antreffen. Solche beispielsweise, die durch Visualisierung entstehen. Sie tauchen eher durch Ruhemeditation auf. Manchmal visualisieren die Leute viele Dinge. Sie stellen sich z. B. Götter und Buddhas vor. All dies ist geistgezeugt. Wenn ihr wisst, dass ihr sie kreiert habt, nehmt ihr sie normalerweise nicht so ernst. Es gibt jedoch Leute, die einen Buddha in ihrem Geist erzeugt haben und die denken, dass es der echte Buddha ist. Wenn ihr in der Lage seid, Visualisierungen als Konzepte zu erkennen und sie dann in eurer Meditation entstehen, konzentriert und fokussiert euch in dem Moment nicht auf sie. Ihr konzentriert euch nur auf Realitäten, auf Geist- Körperprozesse wie z. B die vier großen Elemente (Erde, Feuer, Wasser und Wind). Wenn ihr dann in eurer Sitzmeditation das „Heben“ und „Senken“ beobachtet, dann sorgt dafür, dass ihr bei den Realitäten bleibt anstatt euch die Form des Bauches, die ein Konzept ist, vorzustellen. Auch die Worte „Heben“ und „Senken“ sind Konzepte. Aber nichtsdestotrotz brauchen wir am Anfang einige Hilfsmittel für unseren Geist. Diese dienen dazu unseren Geist auf die Realitäten zu konzentrieren. Auch wenn ihr geht, sagt ihr „links, rechts“ und auch diese Worte sind Konzepte. Auch wenn ihr das „Anheben“ und „Absetzen“ der Füße beobachtet und ihr irgendeine Idee einer Form oder eines Fußes eines Fußes dabei habt, dann sind dies Konzepte. Aber am Anfang kann man das nicht vermeiden. Nach einiger Übung, wenn ihr euch auf die Schritte konzentriert, denkt ihr nicht mehr an die Form des Fußes, die Position der Zehen und Fersen etc. Ihr seid euch nur der Bewegungen und Empfindungen, die den Gehprozess ausmachen, bewusst. Ähnlich ist es beim Beobachten des „Hebens“ und „Senkens“. Ihr denkt nicht an die Form des Bauches, sondern ihr erfahrt nur die Empfindungen der Vergrößerung, Erweiterung und des Zusammenziehens der Bewegung. Was wichtig ist, ist ein klares Gefühl der Wahrnehmung all dieser Dinge zu bekommen. So entsteht Achtsamkeit.

Achtsamkeit
Achtsamkeit ist wie ein klares Licht, das scheint. Sie erkennt sehr gründlich all diese Empfindungen und Prozesse. Wenn ihr jemandem sagt, er solle seine Hand auf den Bauch legen und das „Heben“ und „Senken“ beobachten, dann weiß er, dass der Bauch sich hebt und senkt. Wenn ihr dieser Person jedoch sagt, sie soll die ganzen Bewegungsprozesse im Detail beschreiben, dann ist sie dazu nicht in der Lage. Sie sagt nur „gut, es ging auf und nieder“. Dies ist die oberflächliche Stufe der Achtsamkeit, nicht die gründliche durchdringende. Allenfalls ist es gewöhnliches Wissen mit ein bisschen Achtsamkeit. Diese Achtsamkeit reicht nicht aus um Einsicht zu bekommen. Wenn ihr dem Heben und Senken eine lange Zeit folgen könnt, wird es ein wenig klarer werden, weil ihr es besser beobachten könnt. Diese Achtsamkeit ist in dem Sinn ein wenig besser, da sie ausreicht Konzentration aufzubauen, aber sie ist nicht gründlich genug um Einsicht zu erzeugen. Einsicht geht über die Konzentration hinaus. Damit Einsicht entsteht, müsst ihr das „Heben“ und „Senken“ im Sinne der drei allgemeinen Daseinsmerkmale (Veränderlichkeit, Unzulänglichkeit und Nicht-Selbst) beobachten.

Stellt euch eine Person vor, die das „Heben“ und „Senken“ so beobachtet, dass sie der Bewegung achtsam folgen kann. Wenn sie achtsamer wird, muss sie die verschiedenen Arten des „Hebens“ und „Senkens“, die manchmal lang, manchmal kurz, manchmal schnell und manchmal langsam sind, beobachten. Auf diese Weise kann sie klar die Sequenz der Ereignisse erkennen. Dies zeigt, dass der Weg klarer wird. Zuerst ist es hauptsächlich die Form. Der ganze Bauch erscheint und dehnt sich wie ein Ballon auf, dann zieht er sich wie ein Ballon zusammen. Dies sind Konzepte. Dann geht er schnell oder langsam diesen oder jenen Weg. Auch das sind noch Konzepte, aber der Aspekt der Bewegung, der Aspekt der Spannung, der Vibration etc. ist schon klarer. Wenn er sehr klar wird, gibt es nur noch Spannungen. Es gibt nicht mehr hierhin und dorthin. Es gibt nur noch den Moment des Erscheinens und Verschwindens der spezifischen Charakteristiken.
Nehmen wir noch einmal das Beispiel des „Hebens“ und „Senkens.“ Es hat einen Anfang, setzt sich langsam oder schnell fort, bis es zum Ende kommt und anhält. Wenn es sich langsam fortsetzt scheint das „Heben“ und „Senken“ lang zu sein. Wenn es sich schnell fortsetzt, scheint es kürzer. Es ist damit verbunden. Wenn wir in Ausdrücken von lang und kurz oder schnell und langsam reden, sind wir uns zwar der Bewegung bewusst, aber Konzepte sind auch beteiligt, da es kein Anfang, keine Mitte und kein Ende des „Hebens“ und „Senkens“ zur gleichen Zeit gibt. Wenn es am Ende ist, ist es nicht am Anfang und wenn es am Anfang ist, ist es nicht am Ende. Anfang und Ende sind zwei verschiedene Momente. In der Mitte gibt es jedoch viele Punkte viele Bewegungen. Wie könnt ihr also in einem Zeitmoment ein kurzes oder langes „Heben“ und „Senken“ erfahren? Wie ein schnelles oder langsames? Diese Begriffe lang, kurz, schnell, langsam etc. sind alle am Anfang nützlich, da man sonst überhaupt nichts erkennt, sich nicht konzentrieren kann und die Konzentration sich so nicht entwickelt. Wenn ihr gelernt habt euch zu konzentrieren, wird euch geraten, die Bewegung (das heißt, die Natur, das Gefühl oder die Empfindung) von Moment zu Moment zu fühlen. Das ist die Fähigkeit, die Bewegung so zu beobachten wie sie ist. Also mehr ein Punkt als eine Länge. Wenn ihr das könnt, kommt ihr an den Punkt, wo nur noch reine Empfindungen entstehen und nichts sonst. Dann seid ihr dort angekommen, was wir paramattha dhamma, die letztendliche Wirklichkeit nennen. Damit ist das reine Element der Bewegung gemeint oder wie wir sagen, das reine Windelement. Wenn ihr in der Lage seid dies sehr klar zu beobachten, dann könnt ihr auch die drei Daseinsmerkmale erkennen.
An diesem Punkt ist es wichtig zu betonen, dass die Fähigkeit zu beobachten und die letztendlichen Realitäten zu erfahren nicht heißt, dass automatisch Einsicht entsteht. Eine andere letztendliche Realität, für die ihr relativ wenig Anstrengung braucht um sie zu finden, ist Schmerz. Schmerz ist ein Gefühl. Es ist nicht wichtig, wer den Schmerz hat. Es ist Schmerz. Er ist unpersönlich und weder Vergangenheit noch Zukunft. Und außerdem entsteht und vergeht auch er, wenn ihr ihn beobachtet,. Jedoch das Sehen des Schmerzes selbst bedeutet nicht, dass ihr Einsichtswissen habt. Stattdessen könntet ihr mürrisch oder ärgerlich sein. Nichtsdestotrotz könntet ihr, wenn ihr fähig seid den Geist ruhig und konzentriert auf den gegenwärtigen Moment, auf das gegenwärtige Ereignis zu halten und es dabei sehr klar zu beobachten, auch seine Natur verstehen.

Einsichtswissen
Das erste Einsichtswissen ist das Wissen von der Unterscheidung zwischen Körper und Geist. Es wird gesagt, dass ihr durch das Notieren des „Hebens“ und „Senkens“ in der Lage sein werdet, die Natur des Geistes, der die Dinge beobachtet, zu notieren. Der notierende Geist ist eine Sache, wohingegen die hebende Bewegung eine andere ist. Einsichtswissen ist die Fähigkeit die Phänomene gemäß ihrer natürlichen Erscheinung zu erkennen. Wir sehen sie dann als reine letztendliche Realitäten, die in Pali paramatha dhamma genannt werden. Wenn euer wissender Geist frei von Konzepten ist, ist das natürliche Geschehen gegenwärtig. Auch wenn ihr frei von Denken und Konzepten seid, ist es immer vorhanden. Und außerdem, wenn ihr die Natur dieses Ereignisses klar notiert, werdet ihr ebenso klar bemerken, dass es nicht „Ich“ ist. Der beobachtende Geist ist auch ein anderes natürliches Ereignis und das ist auch nicht „Ich“. Darin ist keine Person. Beide, der Beobachter und das Beobachtete sind natürliche Vorkommnisse. Das ist eine sehr klare Erfahrung, die ihr, wenn ihr sie erst einmal gemacht habt, wieder hervorbringen und mit jedem Objekt erfahren könnt. Es ist der Geist, der reine letztendliche Realität als Objekt hat.
Wenn man Schmerz beobachtet, passiert es normalerweise, dass man denkt, „Mein Bein schmerzt!“ So entsteht das Konzept eines Beines auf zwei Arten „Mein“ und „Bein.“ Wenn wir die Idee des Beines beiseite legen, ist nur noch „Ich habe Schmerzen“ übrig. Wenn ihr den Gedanken „Ich“ auch noch beiseite legt, gibt es nur noch den Schmerz und den Geist. Aber wenn der Geist nicht achtsam ist, wird der Geist dadurch gestört und kann die Dinge nicht richtig erkennen. Wenn er jedoch achtsam ist, könnt ihr den Schmerz ertragen und erkennen, dass nur Schmerz anwesend ist. Wenn die Achtsamkeit sehr gründlich ist und ihr den Schmerz beobachtet, wird euch das sehr klar werden und der Schmerz wird in seiner ganzen Natur sichtbar, so klar, dass der Schmerz nichts mehr mit euch zu tun hat. Es ist einfach eine selbsttätige, natürliche Erscheinung. Beim wissenden Geist ist es genauso.
So entspricht euer Wissen mehr dem, von dem ich denke, was eine Einsichtsstufe ist. Dann wisst ihr es durch Erfahrung und nicht, weil ihr es in Büchern gelesen habt, weil es euch jemand gesagt hat oder weil ihr es euch ausgedacht habt, sondern weil ihr durch klare Achtsamkeit wisst, dass es keine Einbildung ist. Diese Bewusstheit ist sehr klar und scharf. Sie ist schärfer als gewöhnliche Arten der Bewusstheit.
Oft passiert es, nach der Erfahrung von geringeren Formen des Wissens, dass eine Konzeptionalisierung erfolgt. Speziell wenn die Einsicht sehr klar war, können dadurch Theorien entstehen, die die Angelegenheit verkomplizieren. Die Erfahrung ist eine Sache, die folgenden Gedanken eine andere. Vielleicht fangt ihr an eine Theorie zu erzeugen darüber, wie all dies passiert und fangt an die Erfahrung zu vielen verschiedenen Dingen in Relation zu setzen. All das ist wahrscheinlich nicht besonders exakt. Es gibt also zwei Dinge. Eines ist die tatsächliche Erfahrung und das andere ist der Eindruck der Gedankenprozesse im gewöhnlichen Leben. Der Eindruck der anfänglichen Einsichtserfahrung kann sehr scharf sein, doch einige Leute sind noch gar nicht bereit dafür. In diesem Fall können viele ungünstige Gedankenprozesse folgen. So kann z. B. Furcht entstehen, wenn jemand im gewöhnlichen Leben viel Anhaftungen hat. Wenn es an diesem Punkt keine richtige Führung gibt oder keine unterstützende Gruppe existiert, können diese Personen verschreckt werden. Eure Einsicht mag stark sein, aber nicht stark genug um alle Befleckungen zu zerstören. Und wenn die verwandten Befleckungen sehr stark sind, können sie die Angelegenheit verkomplizieren. Sie können einen dazu bringen die Dinge in einem so anderen Licht zu sehen, dass man ängstlich wird. Die ursprüngliche Erfahrung ist zwar eine echte Erfahrung, aber der Geist ist noch nicht so weit. So können die folgenden Gedankenprozesse einen negativen Einfluss ausüben. Natürlich variiert das bei verschiedenen Leuten. Einige nehmen Dinge leicht, die andere nicht leicht nehmen. Wenn es jemandem in einem Retreat passiert und dies ein langes Retreat ist, wird die tatsächliche Einsicht in die Natur von Körper und Geist - ohne Konzepte, ohne Denken - diesen Punkt vertiefen und eine sehr gute Grundlage bilden. Es kann sogar die Stufe von magga phala, die Stufe der Erleuchtung, der Verwirklichung erreicht werden.

Natürlich entsteht dieser Prozess nicht sofort oder in einer Sekunde. Normalerweise dauert es sehr lange. Der gesamte Prozess mit all seinen Stufen wird in den Kommentaren und im gewissen Grade in den Sutten als die sieben Stufen der Läuterung oder die 16 Einsichtswissen beschrieben. Das erste Einsichtswissen behandelt die Läuterung der Ansicht, das ist das Aufgeben des Ich-Konzeptes. In einer der Sutten zeigt uns der Buddha, was weise Aufmerksamkeit, die auf normale entstehende Gedankenprozesse angewandt wird, ist. Normalerweise ist es so, dass, wenn jemand denkt, seine Gedanken um „Ich“ und „Mein“, also das Ego, kreisen. All das, was man tut, die ganze Welt dreht sich um einen selbst. Das beschreibt der Buddha als unweise Aufmerksamkeit, vor allem, wenn es ein Hängen am „Ich“ gibt. Dies ist eine falsche Ansicht, da durch solch eine Ansicht Anhaften, Ärger etc. entstehen. Aber beim dhamma ist es anders , wenn man sehen kann, dass dort tatsächlich gar kein „Ich“ ist, sondern nur Geist- und Körperprozesse, nur Phänomene. Die ganze Welt, die um einen herum zentriert erschien, wird nicht von der Person aus, sondern abhängig von reiner unvoreingenommener Achtsamkeit, reiner klarer Bewusstheit gesehen. Alles ist nicht „Ich“ nicht „Mein“. Es sind nur Erscheinungen, die durch ihre eigenen Bedingungen entstehen. Auf dieser Stufe entsteht die Läuterung der Ansicht von allen falschen Sichtweisen, falschen Meinungen, die auf dem Hängen am Selbst basieren, hängen an der Idee einer Person, des „Ich“ und „Mein.“
Die 62 falschen Ansichten, die im brahmajala sutta genannt werden, sind alle vom Hängen am Selbst abhängig. Wenn man in der Lage ist, die Phänomene gemäß ihrer Einzigartigkeit oder ihrer spezifischen Charakteristiken zu beobachten, wenn man sie klar sieht - eines nach dem anderen, die Beziehungen des abhängigen Entstehens der abhängigen Existenz - dann wird der bedingte Lebensaspekt sehr klar. Dieses abhängige Entstehen oder die Bedingtheit behandelt die zweite Läuterung oder das zweite Einsichtswissen. Dies passiert in Verbindung der Überwindung der tiefliegenden Konzepte von Zeit, Vergangenheit, Zukunft etc. Das Zeitkonzept bricht zusammen. Wenn das erst einmal klar wird, werden die drei Daseinsmerkmale deutlich werden.
Alle 16 Einsichtswissen, manchmal wird auch von 18 Einsichtswissen gesprochen, können unter drei Kategorien klassifiziert werden. Diese sind die Einsichten, die die Veränderlichkeit betreffen, Einsichten, die das Leiden betreffen und Einsichten, die das Nicht-Selbst betreffen.